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Bettina Wulffs Verleger Knalleffekt

Der Medienhype um Bettina Wulffs Werk „Jenseits des Protokolls“ war lange geplant. So was können ihre Verleger Jund und Kuhn.

© dapd Vergrößern Startauflage von 100.000 Exemplaren: Nach vier Tagen im Handel rutschte das Buch von Christina Wulff in den Verkaufslisten von Amazon um mehrere Plätze ab

Der laute Rumms, mit dem ihr neues Buch auf den Markt kam, liegt hallend über ganz Deutschland, und so sind die Münchner Verleger Christian Jund und Oliver Kuhn sehr zufrieden - eigentlich. Die beiden fläzen sich an den Konferenztisch in den Räumen ihres Verlags, zweiter Stock, Treppenhaus Nummer drei eines grauen Gewerbeblocks in München-Neuhausen. Von hier haben sie die Veröffentlichung des Erstlingswerks von Bettina Wulff koordiniert, das in der vergangenen Woche ziemlich plötzlich da war, ein Kracher. Doch so wollen es die beiden nicht formuliert wissen, es bleibt der Satz: „Das Buch ist ein Erfolg.“

Die Chefs der Münchner Verlagsgruppe, zu der der Riva-Verlag gehört und damit auch die 223 Seiten „Jenseits des Protokolls“, sind vorsichtig geworden. Im Vergleich zu den Großen der Branche ist Riva ein Zwerg, das wissen Jund und Kuhn vermutlich selbst. Doch das, was in den vergangenen Tagen sonst noch über sie geschrieben wurde, macht sie ziemlich wütend.

Riva sei ein Krawallverlag, mussten sie lesen, eine Frischtheke für leicht verderbliche Ware. Harald Schmidt machte sich über ihr Programm lustig (darunter Titel wie „Arschlöcher kommen immer zuerst“, „Und in der Hölle mach ich weiter“, „Überleben unter Opfern“), und Claus Kleber erwähnte nicht ohne Häme, dass das Buch der Ex-Bundespräsidenten-Gattin neben den Erinnerungen eines Bordell-Besitzers erscheint. Das Buch sei ein Schnellschuss, schrieben andere, überhastet und unprofessionell habe Riva den Erscheinungstermin von November vorgezogen - nur um die Aufregung rund um Bettina Wulffs Klagen gegen Google und Jauch auszunutzen.

„Keine Minute hätten wir Ruhe gehabt“

Alles Quatsch, sagen Jund und Kuhn und erzählen ihre eigene Geschichte: Schon im Frühjahr hätten Bettina Wulff und ihre Co-Autorin Nicole Maibaum dem Verlag das Buch angeboten. Die Idee dazu, sagt die Journalistin Maibaum, die auch Bücher mit Iris Berben und Veronica Ferres geschrieben hat, stamme von ihr. Über Ferres habe sie den Kontakt zu Bettina Wulff gesucht, und nur einen Tag nach dem Großen Zapfenstreich, mit dem die Wulffs Anfang März aus Schloss Bellevue verabschiedet wurden, habe sich diese per SMS bei ihr gemeldet. Wenig später legten die beiden los. Und als sie sich im Mai mit den Verlegern Jund und Kuhn in Hamburg trafen, hatten sie, anders als bei Promi-Büchern üblich, nicht nur ein kurzes Exposé dabei, sondern schon mehrere Kapitel fertig.

Entsprechend schnell einigten sich die Autorinnen und die Verleger. Als Erscheinungstermin wurde laut Jund und Kuhn von Anfang an der 12.September festgelegt. Dass noch bis zum vergangenen Wochenende bei Händlern wie Amazon und in den Medien der 9.November genannt wurde, dazu der Arbeitstitel „Meine Sicht der Dinge“, war demnach ein bewusster Schachzug. Die Verleger wollten so den Medienansturm im Voraus möglichst klein halten. „Keine Minute hätten wir Ruhe gehabt und unsere Autorin erst recht nicht. Diesen Druck wollten wir von ihr nehmen“, sagt Kuhn. Was er nicht sagt: Nur durch die überraschende Veröffentlichung war der Knalleffekt so groß.

Dass Jund und Kuhn dieses Spiel mit der Öffentlichkeit besonders gut beherrschen, haben sie schon früher bewiesen. Beide sind Quereinsteiger. Jund, Bankenlehre und abgebrochenes BWL-Studium, verdiente sein Geld als Börsenhändler, ehe er 1997 den Finanzbuch-Verlag gründete. Als Ableger kam bald Riva hinzu, außerdem kaufte Jund drei weitere Verlage (Redline, MVG und MI). Kuhn, Journalist und lange Jahre Reporter beim „Playboy“, stieg 2009 ein.

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