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Veröffentlicht: 01.02.2017, 10:52 Uhr

Ben Affleck im Interview „Ich gehörte nie zu den coolen Jungs“

Sein neuer Film „Live By Night“ kommt am Donnerstag in die Kinos. Im Interview spricht Ben Affleck über den amerikanischen Traum, ein Leben als Außenseiter und seinen berühmten Bruder.

von Bettina Aust
© 2016 Warner Bros. Entertainment Inc./John Russo „Ich habe an mich geglaubt“ - das hat dem Schauspieler geholfen, seine Träume zu erfüllen.

Herr Affleck, Ihr neuer Film „Live By Night“, in dem sie Regie führen und die Hauptrolle spielen, ist eine Literatur-Adaption. Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Es ist witzig. Das haben mich meine Kinder auch gerade gefragt.

Und was haben Sie geantwortet?

Das erste Buch, das einen großen Eindruck auf mich hinterlassen hat, war eine Geschichte aus zwei Städten von Charles Dickens. Das habe ich in der sechsten Klasse gelesen. Und mir wurde zum ersten Mal bewusst, was gutes Schreiben bedeutet. Ich erinnere mich noch genau an das Gefühl, mit dem ich das Ende gelesen habe. Ich dachte: Das hat sich dieser Charles Dickens toll ausgedacht!

Und was lesen Sie aktuell?

Um ganz ehrlich zu sein, lese ich in letzter Zeit sehr viele Bücher über Meditation. Das fasziniert mich gerade sehr und hilft mir auch ganz praktisch im Leben weiter. Was ich besonders interessant finde, ist die Tatsache, dass Meditation schon so lange praktiziert wird und Wissenschaftler heute bestätigen, was für einen positiven Effekt sie wirklich auf uns hat.

Und jetzt meditieren Sie?

Ja, ich versuche es so oft wie möglich. Und ich habe das Gefühl, es hilft mir wirklich. Ich kann klarer denken, mich besser konzentrieren, bin ruhiger und weniger angespannt als früher. Ich kann sogar besser Regie führen.

44559269 © © 2016 Warner Bros. Entertainment Inc. Vergrößern Ben Affleck mit Zoe Saldana in „Live by Night“

Haben Sie vor unserem Interview meditiert?

Ja, ich habe heute morgen meditiert. Aber nur kurz: 15 Minuten. Ich bin manchmal noch nicht so gut, wenn es darum geht, mir auch wirklich die Zeit zu nehmen. Und ich bin noch weit davon entfernt, ein Meister, Guru, Yogi oder etwas in der Art zu sein. Aber wer weiß, vielleicht schaffe ich morgen 20 Minuten. Ich werde mich langsam steigern.=)

„Live By Night“ basiert auf einem Roman von Dennis Lehane. Sie haben bereits das Buch „Gone Baby Gone“ von ihm verfilmt. Warum noch einmal Dennis Lehane?

Meine spontane Antwort ist relativ simpel: Ich bin ein Fan seiner Bücher. Seine Geschichten berühren mich. Ich bewundere seine Art zu schreiben. Er hat dieses Talent, lebendige Charaktere zu entwickeln, und schreibt hervorragende Dialoge, und seine Geschichten saugen mich förmlich auf. Und ich scheine ja nicht der Einzige zu sein, dem es so geht. Zwei weitere Lehane-Verfilmungen stammen von Martin Scorsese und Clint Eastwood.

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Zwei Regie-Legenden. Haben Sie da nicht das mulmige Gefühl, mit diesen Kino-Giganten in eine Art Wettbewerb zu treten?

Ich hoffe nicht, dass das Publikum es als Wettbewerb sieht. Die beiden sind genial, und das sind nun wirklich nicht die Jungs, mit denen ich verglichen werden will. Die spielen in ihrer eigenen Liga. Ich finde es ja besser, wenn die Messlatte für mich niedriger liegt und man mir noch den Anfänger-Bonus zugesteht. So nach dem Motto: Ben Affleck der Neuregisseur (lacht). Im Vergleich mit deren Meisterwerken kann ich ja nur den Kürzeren ziehen.

44322131 © AFP Vergrößern Ben Affleck bei der Premiere von „Live by Night“ in Paris

Sie beschäftigen sich in Ihren Filmen immer auch mit der Kehrseite des amerikanischen Traums. Warum?

Was mich immer interessiert hat, ist die moralische Doppeldeutigkeit dieser Geschichten. Dir werden im Leben immer die moralischen Lektionen präsentiert. Wie soll ich mich verhalten? Was ist richtig, was ist falsch? Und als Filmemacher ist es mein Job, so etwas zu hinterfragen. Es existieren all diese Verhaltensregeln, die uns von der Gesellschaft oder dem Gesetz auferlegt werden. Aber was passiert eigentlich, wenn man nicht nach diesen Regeln leben will? Das finde ich spannend. Was geschieht, wenn ich nach meinen eigenen Gesetzen lebe? Irgendwie ist das eine der ewigen großen Fragen der Menschheit.

Kritisieren Sie mit Ihren Filmen die aktuelle amerikanische Gesellschaft?

Ich sehe meinen Film nicht als politisches Statement. Ich versuche mich eher auf gesellschaftliche Themen zu konzentrieren, die damals relevant waren und auch heute noch aktuell sind.

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