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Aktualisiert: 20.11.2014, 09:14 Uhr

Belgien Darf eine Gesundheitsministerin übergewichtig sein?

Die belgische Politikerin und frühere Hausärztin Maggie De Block wiegt über 100 Kilogramm. Darf man das in ihrem Amt? Über diese Frage zerwerfen sich gerade die Belgier.

von , Brüssel
© dpa Unglaubwürdig? Maggie De Block kann die Aufregung um ihr Äußeres nicht verstehen. „Ich beurteile Menschen nach dem Inhalt.“

Es ist, wie schon Ende 2011, zu einem beliebten Ratespiel in Belgien geworden: Wiegt Maggie De Block nun 120, 130 Kilogramm oder, wie böse Zungen behaupten, gar noch mehr? Es ist ein Spiel ohne Gewinner. Denn die Wahrheit wird wohl nie ans Licht kommen. Selbst Ehemann Luc, der nach eigenen Angaben zwischen 100 und 120 Kilos auf die Waage bringt, weiß es nicht.

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Als Maggie De Block vor knapp drei Jahren Staatssekretärin in Brüssel wurde und sich fast alle Welt schon einmal das Maul über ihre äußere Erscheinung zerriss, reagierte Ehemann Luc in der Zeitung „Het Nieuwsblad“ mit einer Klarstellung. Und mit einer öffentlichen Liebeserklärung: „Das Gewicht meiner Frau ist das am besten gehütete Geheimnis unserer Ehe. In 30 Jahren habe ich sie niemals auf der Waage stehen sehen, obwohl ich weiß, dass sie es tut. Glück hängt nicht von der Zahl von Kilos ab. Es gibt in der Welt vielleicht schönere Frauen als Maggie, aber für mich ist sie die ideale Frau.“

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Nicht nur in ihrer flämischen Heimat, auch südlich der niederländisch-französischen Sprachgrenze gehört De Block zu den beliebtesten Politikerinnen. Dabei war der inzwischen 52 Jahre alten Politikerin Ende 2011 als Staatssekretärin für Asyl- und Migrationspolitik eine nicht sehr dankbare Aufgabe zugefallen. Es galt, das Ansehen Belgiens als eines für die Anliegen politisch verfolgter Menschen aufgeschlossenen Landes zu wahren. Zugleich wollte und musste die liberale Politikerin bei unberechtigten Anträgen härter durchgreifen und seltener als ihr Vorgänger vor Abschiebungen zurückschrecken. Mit ihrer resoluten, aber keineswegs unversöhnlich wirkenden Art ist De Block dieser schwierige Balanceakt gut gelungen. So gut, dass sich viele Belgier die Flämin vor den Parlamentswahlen im Mai als Regierungschefin wünschten. Daraus wurde zwar nichts. Aber seit Oktober sitzt sie als Gesundheits- und Sozialministerin im Kabinett des wallonischen Liberalen Charles Michel.

„Wir vergessen zu häufig, wie das Ausland auf uns blickt“

Prompt ging das Gerede über Gewicht und Äußerlichkeiten der Politikerin wieder los. Nun allerdings mit einer garstigeren Dimension: ein Fettwanst im Gesundheitsministerium? Noch dazu eine Frau, die bis zu ihrer Berufung zur Staatssekretärin mehr als zwei Jahrzehnte als Hausärztin praktiziert hat, bei der sich jedoch schwerlich vorstellen lässt, wie sie einem Patienten glaubwürdig empfiehlt, den Appetit zu zügeln.

Ausgelöst hatte die neuerliche Debatte der Twitter-Beitrag eines belgischen Korrespondenten in jenem Land, in dem Körperkult einen hohen Stellenwert hat. Tom Van de Weghe, der für den öffentlichen flämischen Rundfunksender VRT aus den Vereinigten Staaten berichtet, hatte darin folgende Frage aufgeworfen: „Belgien bekommt eine übergewichtige Gesundheitsministerin, Kritik daran wird als Unfug abgetan. Aber wie steht es um ihre Glaubwürdigkeit?“

Es entbrannte eine hitzige Diskussion. Wenig schmeichelhafte Fotos der Ministerin wurden im Internet zur Massenware. Etwas kleinlaut meldete sich Van de Weghe einige Tage später mit einem Brief an De Block zu Wort. Darin hieß es, er habe niemals dumme Witzchen über das Aussehen von Personen gemacht. Entscheidend sei jedoch eines: „Wir vergessen zu häufig, wie das Ausland auf uns blickt.“ Van de Weghe schloss mit einer Bitte: „Sehr geehrte Frau Ministerin, liebe Maggie. Sollte es ein Glaubwürdigkeitsproblem geben, dann wäre Ihre Amtszeit als Gesundheitsministerin die ideale Gelegenheit, damit aufzuräumen. Beginnen Sie mit einer Gesundheitskampagne, und seien Sie als Vorreiterin dabei. Zeigen Sie Belgien und dem Rest der Welt, wie es geht.“

Im Parlament loben sie ihre Fachkenntnisse

Das klang ein wenig, als sei die Ministerin mit ihrer beruflichen Aufgabe, die Kosten für das Gesundheitswesen zu drücken, nicht genügend ausgelastet. Oder als ob ein Verkehrsminister künftig am besten selbst an Kreuzungen die Beachtung der Regeln überwachen sollte. Als De Block Staatssekretärin für Asyl und Migration wurde, eilte ihr ausgerechnet die sozialistische Ministerin Freya Vandenbossche, ein Liebling der Regenbogenpresse, zu Hilfe: „Man muss doch auch nicht ausländischer Herkunft sein, um den Rassismus zu verurteilen.“

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