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Veröffentlicht: 10.03.2014, 10:35 Uhr

Duisburg Ein Ruhrort für Schimanski

In einem Duisburger Stadtteil soll es bald eine Horst-Schimanski-Gasse geben. Doch die Stadtverwaltung tut sich schwer mit dem „Tatort“-Kommissar.

von , Duisburg
© Edgar Schoepal Hafenzugang: Von der Dammstraße, einst das Herz der deutschen Binnenschifffahrt, führt die bisher namenlose Gasse hinab zum Wasser.

Benno Lensdorf kann sich noch genau an den ersten Schimanski-„Tatort“ erinnern. Er flimmerte Ende Juni 1981 über die Mattscheibe und hieß „Duisburg-Ruhrort“, genauso wie der Duisburger Stadtteil, den Lensdorf als seinen Kosmos bezeichnet, weil er dort aufwuchs, seine Lehre bei einer Bank für Schiffsleute machte, später den väterlichen Betrieb für Schiffsbedarf übernahm. Und weil er hier noch heute lebt.

Reiner Burger Folgen:

Benno Lensdorf fand „Duisburg-Ruhrort“ schrecklich. Und die 28 folgenden ARD-„Tatorte“, in denen Götz George den rauhbeinigen Hauptkommissar Horst Schimanski gab, fand er nicht besser. Für Lensdorf, der damals erst kurz im Rat der Stadt Duisburg saß, war Schimanski Anfang der Achtziger sogar ein Politikum. „Mit Oberbürgermeister Josef Krings habe ich mich damals ganz fürchterlich auseinandergesetzt über die Serie.“ Lensdorf wollte von Krings wissen, wie es denn gelingen solle, Unternehmen in die vom Strukturwandel gebeutelte Stadt zu holen, wenn sonntagabends im Fernsehen die Ratten über die Straßen Duisburgs laufen. „So wie die Schwarzwaldklinik auf den Bildschirmen für schöne Landschaft stand, so stand Duisburg klischeehaft für die deutsche Düsternis im tiefen Westen.“

Benno Lensdorf ist heute einer der Stellvertreter des Duisburger Oberbürgermeisters und hat längst seinen Frieden mit Schimanski gemacht. Nach all den Folgen und Filmen sei Schimanski heute schlicht eine Kultfigur. „Er gehört einfach zu uns. Ohne Schimanski wäre Duisburg-Ruhrort heute gar nicht so bekannt.“ Lensdorf ist überzeugt, dass „Schimmi“ kein Fluch mehr ist für Ruhrort, sondern ein Segen.

Und deshalb fand Lensdorf die Idee seiner Ratskollegin Stefanie Kreitz gut, einen namenlosen Durchgang von der Ruhrorter Altstadt hinab zum Rhein Schimmi-Gasse zu nennen. Doch die Stadtverwaltung hielt nichts von der Sache und begründete das Ende vergangenen Jahres mit einer regelrechten Ablehnungskaskade. Es handele sich bei der Gasse nicht um eine öffentlich gewidmete Fläche. Auch widerspreche es den Vorgaben der Namensgebung, eine Straße nach einer fiktiven und urheberrechtlich geschützten Figur zu benennen. Zudem seien Verwechslungen mit dem ebenfalls „Schimmi“ genannten Fußballspieler Horst Szymaniak möglich. Unerwähnt ließen die Beamten einen weiteren möglichen Ablehnungsgrund: Das offizielle Duisburg fremdelt schon lange mit Schimanski. Auf der Internetseite der Stadt heißt es, das „ursprünglich stimmige Milieukolorit“ der Krimis sei vor allem in der Serie „Schimanski“, die nach dem Abschied der Figur unabhängig vom „Tatort“ weiterlief, längst zur Kulisse geworden. „Das ehemalige Schimmi-Fieber sank, und es gab breite Empörung über die Darstellung des verzerrten Stadtimages.“

60 Jahre Bundesrepublik - Götz George "Tatort" © dpa Vergrößern Kultfigur: Horst „Schimmi“ Schimanski 1981 im Hafen Duisburg-Ruhrort.

Aber echte Schimanski-Freunde geben nicht einfach auf. Im Januar griff Margret Fink von der Wählervereinigung „Deine Stimme“ die Idee ihrer Kollegin Kreitz auf und machte in der für Ruhrort zuständigen Bezirksvertretung einen neuen Vorschlag: Um Missverständnisse auszuschließen, solle es eine „Horst-Schimanski-Gasse“ geben. Alle sonstigen Einwände der Verwaltung hält auch Stefanie Kreitz von der CDU für vorgeschoben: „Dass diese Gasse nicht nach einer Kunst- oder fiktiven Figur benannt werden dürfe, ist doch nichts als eine Posse.“ Schließlich gibt es in Deutschland ja auch „Schneewittchenwege“ oder „Rapunzelstraßen“. „Und wir in Duisburg haben beispielsweise eine Gabrielstraße, die nach dem Erzengel benannt wurde“, sagt Margret Fink. Von der Rechte-Inhaberin, der Bavaria Film, ließ sie sich bestätigen, „dass keinerlei urheberrechtliche Einwände gegen die Benennung einer Straße in Duisburg nach der Figur Horst Schimanski bestehen“.

Die Bezirksvertretung folgte am 16. Januar den Argumenten der Schimanki-Fans und beschloss mit den Stimmen von CDU, FDP und „Deine Stimme“ gegen SPD und Grüne, den schmalen Durchgang zwischen Dammstraße und Rhein nach dem Kommissar zu benennen. Seither prüft die Stadtverwaltung, ob das rechtlich möglich ist. „Seitdem tut sich nichts mehr“, sagt Margret Fink. „Die Verwaltung prüft und prüft. Dabei ist nichts mehr zu prüfen, weil wir alle Bedenken ausgeräumt haben.“ Die Benennung von Straßen falle laut nordrhein-westfälischer Gemeindeordnung in die Kompetenz der Bezirksvertretungen. Und die Bezirksvertretung habe entschieden. Deshalb müsse die Stadt nun endlich einen Termin für die Montage der Straßenschilder benennen. „Die Strickguerrilla hat die Sache schon beim ersten Versuch in die Hand genommen“, sagt Stefanie Kreitz. Sie deutet auf ein Schild mit der Aufschrift Schimmi-Gasse, das sich nur auf den zweiten Blick als Handarbeit erkennen lässt. Anonyme Strickerinnen haben es aus blauer und weißer Wolle gefertigt und Ende vergangenen Jahres im Schutz der Dunkelheit in der namenlosen Gasse aufgehängt.

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