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Bambi-Gala „Rosenstolz“ gegen das goldene Reh für den Rapper

 ·  Justin Bieber kommt spät, Lady Gaga durch die Hintertür und Gwyneth Paltrow moderiert mit tiefem Dekolleté. Altkanzler Helmut Schmidt erhält einen „Millenniums-Bambi“; das Reh in der Kategorie „Integration“ für Rapper Bushido löste einen Eklat aus.

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© dpa Weitere Preisträger, Abendroben und Glamour in der Bildergalerie.

Justin Bieber kommt spät. Aber immerhin kommt er über den roten Teppich in die Rhein-Main-Hallen, wo ihm sein erster Bambi – Kategorie Entertainment - überreicht werden soll. Seine zahlreichen weiblichen Fans, die schon Stunden vor den Rhein-Main-Hallen in Wiesbaden in der Kälte ausharren, haben also immerhin einen Blick auf ihn erhaschen und mit ihren Stimmorganen auf sich aufmerksam machen können, bevor der siebzehn Jahre alte Kanadier in die Halle entschwindet. Zuvor noch ein, zwei kurze, unverfängliche Sätze: Er sei sehr glücklich, hier zu sein und ja, er sei zufrieden mit seinem Weihnachtsalbum. Einige - natürlich zu wenige - Autogramme und Fotos; dann taucht der kleine Star im Pulk seiner Begleiter unter. Er muss sich noch umziehen: Zu seinem winterlichen Lied „Under the Mistletoe“, das er gleich singen wird, passt eine weiße Jacke besser als die schwarze Weste.

Lady Gaga kommt durch die Hintertür

Aber Justin Bieber ist auch der letzte, der zur 63. Bambi-Gala kommt – zumindest auf dem offiziellen Weg, über den 240 Meter langen roten Teppich. Noch kurz schöpfen Reporter und Fans Hoffnung: Karl Lagerfeld kommt aus der Halle und schaut ein wenig suchend um sich – doch er kommt wenig später alleine zurück. Der zweite sehnsüchtig erwartete Gast, Lady Gaga, kommt durch die Hintertür; wie auch Altkanzler Helmut Schmidt, der einen Millenniums-Bambi entgegennehmen wird. Vor der Halle die große Enttäuschung, auch wenn die Gaga-Fans nicht so zahlreich und lautstark sind wie jene von Justin Bieber: den ganzen Nachmittag gewartet haben sie auch.

Bildergalerie: Der Bambi 2011

Aber es wäre vermutlich ein wenig anstrengend gewesen für die Lady, mit dem schwarzen Tüllkleid mit der aufwändigen Schleppe und den schwarzen Plateau-Schuhen den ganzen Teppich abzuschreiten. Sie sitzt, als sich der Vorhang der Galabühne lüftet, in einem schwarzen Auto, dessen Fahrertür zugleich ein Keyboard ist. Sonnenbrille, Hut, Fingernägel – alles ist schwarz, schwarz wie die Nacht, und „Marry the night“ heißt das Lied, das die Amerikanerin zum besten gibt. Nicht nur vor der Halle sitzen ihre Fans: viele Gala-Gäste zeichnen ihren Auftritt mit dem Handy auf. Als sie den Preis – Pop International - aus den Händen von Karl Lagerfeld entgegennimmt, tätschelt sie ihm die Schulter: Sie sei so dankbar, den Preis von jemandem zu erhalten, den sie so sehr verehre.

Proteste gegen Bambi für Bushido

Doch an diesem Abend gibt es nicht nur gegenseitige Verehrung. Bushido etwa schlagen gemischte Gefühle entgegen.

Der deutsch-tunesische Rapper wird mit dem „Integrationsbambi“ ausgezeichnet, eine Ehre, die vielen nicht als gerechtfertigt erscheint. Während vor den Rhein-Main-Hallen ein gutes Dutzend, auf Facebook gar mehrere tausend Personen gegen eine Auszeichnung für Bushido protestieren, äußert Peter Plate von „Rosenstolz“ – Comeback-Bambi – seine Kritik gleich in seiner Dankesrede. „Jeder hat die Chance für einen Neuanfang in unserer Gesellschaft, das finde ich völlig korrekt. Aber was ich nicht korrekt finde ist, einen Musiker so wenige Jahre, nachdem er frauenfeindliche, schwulenfeindliche und im Endeffekt menschenverachtende Texte veröffentlicht hat, auszuzeichnen“, sagt er und erntet dafür Applaus.

Bushido schüttelt den Kopf. Er nimmt den Preis entgegen, sagt dazu viel und unter anderem, dass er heute nicht mehr das sagen würde, was er vor zehn Jahren gesagt habe.

Gwyneth Paltrow - bescheiden und charmant

Beinahe wäre da Gwyneth Paltrow vergessen worden, die den Abend mit tiefem Dekolleté und ein paar wackeligen Worten in Deutsch eröffnet hat und schließlich von Armin Rohde den Bambi in der Kategorie „Film International“ entgegennimmt. Sie bedankt sich mit bescheidenen Worten und charmantem Lächeln: „Sie müssen mich doch langsam leid sein, ich war doch heute schon ein paar Mal hier oben.“

Insgesamt 18 goldene Rehe werden an diesem Abend vergeben; und als sich die Gala dem Ende zuneigt, als also Helmut Schmidt seine Brille aufsetzt und die Danksagung liest (für einmal ohne Zigarette), kommt plötzlich noch einmal Aufregung auf. Die Nachricht verbreitet sich schnell: Die Monstermama kommt!

Und da steht sie tatsächlich, nun in weiß-goldenem Kleid, ganz am Ende des Pressebereichs, den Bambi fest im Griff. Sie ist umringt von Kamerateams, ein paar Fragen beantwortet sie, gestellt von ihrem Manager und mit wenig Gehalt. Dann entschwindet sie in die Wiesbadener Nacht, natürlich durch den Hinterausgang.

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