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Vorkämpfer: Norrie May-Welbie Bild: dpa

Vorreiter Australien : Wie geht es weiter, wenn ein drittes Geschlecht eingeführt wird?

In Australien ist das dritte Geschlecht schon seit drei Jahren anerkannt. Seitdem wird dort nicht nur über die Frage debattiert, welche Personalpronomen nun die richtigen sind.

          Norrie May-Welbie wurde als Mann geboren und ließ sich später zur Frau operieren. Aber weder das eine noch das andere Geschlecht schien das richtige zu sein. May-Welbie fühlte sich weder als Mann noch als Frau. Die Festlegung auf ein Geschlecht empfand sie als Einschränkung. Schon in den achtziger Jahren hatte May-Welbie sich deshalb entschieden, weder als Frau noch als Mann zu leben. Im Jahr 2013 erstritt sich May-Welbie als erste transsexuelle Person in Australien das Recht, in allen amtlichen Formularen und Dokumenten das Geschlecht als „unbestimmt“ anzugeben.

          Till  Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Mit dem damaligen Urteil gehört Australien zu den Vorreitern bei der Anerkennung eines „dritten Geschlechts“. Es unterscheidet sich von der Transsexualität dadurch, dass es eben gerade keine eindeutige Festlegung sucht. Schon im Jahr 2003 soll in Australien die erste Geburtsurkunde ausgestellt worden sein, auf der das Geschlecht mit einem „X“ gekennzeichnet war. Wer über ein auf diese Weise ausgestellte Urkunde verfügt, bekam auch damals schon einen dementsprechend gekennzeichneten Pass.

          Die Möglichkeiten wurden in Australien über die Jahre hinweg weiter ausgebaut, so dass sich heute jeder dafür entscheiden kann, sein Geschlecht mit „X“ und damit als „unbestimmt“ anzugeben. Der Weg dahin war allerdings weit, wie May-Welbie seither in Interviews berichtet hat. Ein entsprechendes Urteil aus dem Jahr 2010 war zunächst wieder rückgängig gemacht worden. Doch dann entschied das Oberste Gericht zu Gunsten von May-Welbie. Auch andere Regelungen sind fortschrittlich, wie etwa die Möglichkeit, ein anderes Geschlecht als das bei der Geburt angeben zu dürfen, ohne das operative Änderungen nachgewiesen werden müssen.

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          Dass es in Australien schon länger derartige Regelungen gibt, dürfte maßgeblich an dem Engagement von Leuten wie May-Welbie oder dem einst ersten offen „intersexuellen“ Bürgermeister Tony Briffa liegen. Denn zugleich zeigt sich Australien in verwandten Fragen nicht ganz so progressiv. So wartet das Land derzeit auf das Ergebnis einer aufwendigen Befragung zur Einführung der gleichgeschlechtlichen Ehe. Zwar wird mit einem „Ja“ für die Ehe für alle gerechnet, aber die Diskussion darum war in der Vergangenheit sehr hitzig geführt worden. Ein Argument der Gegner beklagt etwa die Verwischung von Geschlechtergrenzen an den Schulen. Und selbst wenn sich die Australier nun für die Ehe für alle aussprechen, muss noch ein Gesetz formuliert und durch das Parlament gebracht werden.

          Seit der Einführung des „dritten Geschlechts“ wird in Australien nicht nur über die Frage debattiert, welche Personalpronomen nun die richtigen sind, wenn man über einen Menschen wie Norrie May-Welbie spricht. Manche favorisieren, im Englischen das Personalpronomen „zie“ anstelle von „he“ oder „she“ zu verwenden. Vielen Formulare in der Privatwirtschaft unterscheiden aber weiter nur zwischen „männlich“ und „weiblich“ und „Herr“ und „Frau“. Eine Allianz aus australischen und neuseeländischen Intersexuellen beklagt, dass in ihren Heimatländern in vielen Fällen bei Kindern weiter Sterilisationen und andere operative Eingriffe vorgenommen werden, um ein eindeutiges Geschlecht festlegen zu können. Sie fordern ein Ende dieser „Normalisierung“ von Geschlechtsmerkmalen.

          Quelle: F.A.Z.

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