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Arabisches Jugendorchester : Wie der Krieg die Musik aus Syrien vertrieb

Im „Arab Youth Philharmonic Orchestra“ spielen etwa 60 junge Musiker aus sechs arabischen Ländern. Bild: Pein, Andreas

In Damaskus studierten die jungen Musiker zusammen und spielten in Orchestern - bis der Bürgerkrieg sie auseinanderriss. In Berlin haben sie sich nun wieder getroffen.

          Als Hamid an diesem schwülen Sommerabend ins Scheinwerferlicht hinaustritt, auf die Bühne des Berliner Konzerthauses, die Fliege umgeschnallt, sein Fagott fest in der Hand und Dvoráks achte Sinfonie vor sich, sind das nur die letzten Meter einer langen Odyssee.

          Hamids Reise begann in Amude, einer kleinen kurdischen Stadt im nordöstlichen Zipfel Syriens. Lehmziegelhäuser und staubige Straßen. Es war noch Frühling, als er, 33 Jahre alt, Dreitagebart und braune Locken, dort mit seinem Instrumentenkoffer aufbrach. Er hatte sich beworben beim „Arab Youth Philharmonic Orchestra“, einem Projektorchester, das sich jedes Jahr an einem anderen Ort für Proben und Konzerte trifft. Hamid hatte seine Unterlagen eingeschickt, nahe der Grenze gab es Handyempfang und Internet aus der Türkei, das syrische Netz war vom Regime gekappt. Dann erhielt er die Einladung, das Orchester zu begleiten zum „Young Euro Classic Festival“ nach Berlin. Doch dafür brauchte er ein Visum.

          Die deutsche Botschaft in Syrien hatte lange geschlossen. Die Fahrt in den Libanon oder nach Jordanien wäre viel zu weit gewesen, quer durch umkämpftes Gebiet. In die nahe Türkei traute sich Hamid nicht, zu schlecht waren seine Erfahrungen mit den bärtigen Islamisten der Dschabhat-al-Nusra-Front, die mehrere der syrischen Grenzposten kontrollierten. Und so fuhr er von Amude aus nach Arbil in Kurdistan, gut 300 Kilometer in den nördlichen Irak.

          Beim deutschen Konsulat dort bekam Hamid sein Visum, ein paar Tage nur musste er warten. Doch in der Zwischenzeit wurde die Grenze zwischen dem Irak und Syrien dichtgemacht. Hamid konnte nicht zurück. Er fand Unterschlupf bei Bekannten, ein paar Nächte hier, ein paar Nächte da. An Proben war nicht zu denken. Sein Fagott blieb im Koffer; fast fünf Monate lang, bis er Ende Juli endlich in ein Flugzeug steigen konnte. Von Arbil nach Wien und weiter.

          Explosionen hallten bis in die Proberäume der Universität

          In Berlin traf Hamid dann die anderen Mitglieder des Orchesters: 57 junge Musiker, aus Ägypten, aus Tunesien, aus Bahrein, aus Palästina, aus dem Irak - und 17 Syrer. Viele von ihnen kannte er schon. Er hatte mit ihnen in Damaskus an der Hochschule für Musik studiert, mit ihnen in Orchestern und kleineren Besetzungen gespielt. Bis der Krieg die Musik aus Syrien vertrieb.

          Bild: Pein, Andreas

          Hassan, der Cellist, spielte nach seinem Universitätsabschluss in Damaskus im Syrischen Staatsorchester und gab Cello- und Theorieunterricht an der Universität in Homs. Mehrmals wöchentlich pendelte er, fünf, sechs, sieben Stunden im Bus. Doch die Fahrten wurden immer gefährlicher. Homs war Hochburg der Proteste und bald Schlachtfeld zwischen Rebellen und Regime. Explosionen hallten bis in die Proberäume der Universität. Immer weniger Schüler kamen in den Unterricht. Zwei von Hassans Freunden wurden von Banden entführt, die die Kriegswirren ausnutzten, um Lösegeld zu erpressen.

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