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Anneliese Uhlig ist tot : Die Frau, die sich Goebbels widersetzte

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Anneliese Uhlig als Sängerin Barbara Sydow in dem Film „Kriminalkommissar Eyck“ von 1940 Bild: akg-images

Die Schauspielerin und Journalistin Anneliese Uhlig wollte nicht für die Nazis spielen und setzte damit ihre Karriere als Ufa-Star aufs Spiel. Sie ist in ihrem Haus in Kalifornien gestorben. Ein Nachruf.

          Am 1. August sollte es eine Hommage zu Anneliese Uhligs Geburtstag geben, der sich am 27. August zum 99. Mal jährt. Den Termin hatte ich vor einigen Wochen mit dem Filmmuseum Frankfurt ausgemacht, möglichst zeitnah, denn Anneliese Uhlig ging es nicht mehr so gut. Sie selbst freute sich riesig, dass in Deutschland an sie erinnert werden sollte und sogar ihr liebster Film „Solistin Anna Alt“ eingespielt würde.

          Am 16. Juni schickte sie per Mail noch ihre Grußworte, am 17. Juni ist sie dann abends in ihrem Haus in Santa Cruz in Kalifornien für immer eingeschlafen. An ihrem Geburtstag soll sie im Pazifik bestattet werden.

          Bis kurz vor ihrem Tod saß Anneliese Uhlig noch an ihrem Schreibtisch und arbeitete am Computer – die große Dame des Ufa-Films und der drei Karrieren. Kennzeichen: Fleiß, Intelligenz, Zivilcourage. Eine außergewöhnliche Biografie.

          Viele Filme mit den großen Kollegen dieser Zeit

          Ihr Lebensweg führte sie von Essen, wo sie 1918 geboren wurde, zur Schauspielausbildung nach Berlin. Dort wurde sie von Thea von Harbou, der zweiten Ehefrau von Regisseur Fritz Lang, entdeckt. 1937 debütierte sie mit der Hauptrolle in „Manege“ an der Seite von Attila Hörbiger und unter der Regie von Carmine Gallone.

          1938 stand sie im Schillertheater in Berlin auf der Bühne („Der Richter von Zalamea“ von Calderón) und ging auf eine mehrmonatige Europatournee unter der Leitung von Heinrich George. Danach folgten gleich mehrere Filme mit den großen Kollegen dieser Zeit: Willy Birgel, Gustav Diessl, Hans Söhnker, Will Quadflieg. In ihren Filmen („Die Stimme aus dem Äther“, Regie Harald Paulsen; „Kriminalkommissar Eyck“, Regie Boleslav Barlog oder „Der Vorhang fällt“ mit Gustav Knuth) verkörperte sie hintergründige und verdächtige Frauen. Schon mit 20 Jahren galt sie so als die „geborene Dame“.

          Es folgten Bühnenrollen etwa in Goldonis „Diener zweier Herrn“ mit Joachim Gottschalk und René Deltgen. Anneliese Uhlig gehörte bald zur Spitzengarnitur der deutschen Schauspieler. Doch als sie 1940, mit 22 Jahren, die Avancen des Propagandaministers Joseph Goebbels, dem Schirmherrn des deutschen Films, abwies und ihm ihr „Nein“ ins Gesicht schleuderte (er darauf: „So werden sie natürlich keine Karriere machen“), rächte er sich, indem er sie für den deutschen Film sperrte.

          1943 wurde sie nach Deutschland zurückbeordert

          Durch Vermittlung ihrer besten Freundin, der bekannten Kammersängerin Maria Cebotari, gelang ihr aber die Verpflichtung im italienischen Film. Dort fand sie sich als Protagonistin unter der Regie von Carlo Ponti (dem späteren Ehemann von Sophia Loren) in einem gemeinsamen Filmprojekt („La Fornarina“) mit der aus Deutschland verjagten Goebbels-Geliebten Lída Baarová wieder. Nach ihrem fünften italienischen Film wurde sie aber 1943 kriegsdienstverpflichtet nach Deutschland zurückbeordert und bei der Truppenbetreuung eingesetzt.

          Dank ihrer Italienischkenntnisse war sie vor Kriegsende eine Zeit lang als Dolmetscherin und Gesellschafterin für die sich in Deutschland befindliche Familie des entmachteten Mussolini in einem bayrischen Schloss beschäftigt. Zugleich konnte sie noch in einigen Hauptrollen in weiteren Erfolgsfilme brillieren, etwa in „Der Majoratsherr“ mit Willy Birgel und in ihrer „schönsten Rolle in einem deutschen Film“, wie sie in ihrer Autobiografie schrieb, in „Solistin Anna Alt“ mit Will Quadflieg. Ihr letzter Film vor Kriegsende war „Frau über Bord“ von Wolfgang Staudte und mit Heinrich George.

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