19.08.2010 · Um russische Spione in Amerika geht es im Film „Salt“. Aber eigentlich dreht sich alles um Hauptdarstellerin Angelina Jolie. Natürlich auch in Berlin. Dort hat der Agenten-Thriller soeben Premiere gefeiert.
Von Alard von Kittlitz, BerlinVor dem Hotel Adlon hat sich eine Menschentraube gebildet, größtenteils Touristen, die mitbekommen haben, dass gleich Angelina Jolie auftauchen soll (August Diehl kommt auch). Jolie ist am Mittwoch in Berlin, um ihren neuen Film „Salt“ vorzustellen. Eigentlich fehlen nur noch Kranke und Invalide - dann hätte der Auflauf vor dem Eingang etwas von einer bevorstehenden Wunderheilung.
Auch die Journalisten, die im Wintergarten auf die Pressekonferenz warten, sind gespannt. Sie rätseln, welche von ihren vielen Kindern „Angelina“ mitgebracht hat. Alle Klatschmagazine sind da, sogar eine Dame, die für das Bundeswehrmagazin arbeitet. Ein Österreicher hat sich den Wikipedia-Artikel zu Jolie ausgedruckt.
Wohlüberlegt und hochsympathisch
Dann erscheinen August Diehl und Angelina Jolie auf der Bühne, die Journalisten klatschen. Damit man die beiden unterscheiden kann, hat man zwei Schilder aufgestellt, auf denen „Angelina Jolie“ und „August Diehl“ steht. Angelina Jolie sieht aus wie eine exzellente Kopie ihrer selbst, detailgetreu konstruiert mit allen Tätowierungen. Sie hat noch immer den Pony aus dem Film, trippelt auf sehr hohen Pumps auf die Bühne und nickt freundlich zur Begrüßung. All ihre Antworten: wohlüberlegt und hochsympathisch.
Der deutsche Schauspieler hingegen wirkt ein wenig abwesend. Ein Journalist sagt, dass während der Dreharbeiten zu „Salt“, in dem es um russische Schläfer in Amerika geht, russische Schläfer in Amerika auftauchten. Jolie sagt, sie hätte das auch vorher schon für möglich gehalten. Diehl orakelt, es sei nicht ausgeschlossen, dass es in Amerika russische Spione geben könnte. Er ist gerade Vater geworden und hat vielleicht keine Zeit für Nachrichten. Jolie erzählt gern von ihrem Doppelleben als Schauspielerin und Mutter.
„Was halten Sie von Castingshows?“
Wie die Agentin im Film oder noch härter würde sie kämpfen, wenn jemand ihre Kinder anginge. Berlin sei toll, so kinderfreundlich. Brad und sie wechselten sich mit dem Drehen ab, so könne man stets bei den Kindern sein. Heroisch auch, dass ihr das freundliche Lächeln nie von den berühmten Lippen weicht, obwohl sie alle Fragen („Wie gehen sie mit den Meldungen aus der Klatschpresse um?“) schon hundert Mal gehört hat. Bei den überflüssigen („Was halten Sie von Castingshows?“) hebt sie nicht einmal die Augenbrauen. Als das Verhör nach einer halben Stunde beendet wird, ist der Applaus für sie angebracht.
Alard von Kittlitz Jahrgang 1982, Redakteur in der Politik der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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