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André Hellers Show : Afrika? Afrika!

Alles neu: Von den Artisten und Tänzern der ersten Show sind in der zweiten Auflage nur noch wenige dabei Bild: dpa

Aktionskünstler André Heller geht mit einer Neuauflage seiner alten Show auf Tournee. Das Niveau der afrikanischen Tänzer und Artisten ist diesmal noch höher.

          Post aus Afrika. Die Mails haben André Heller aus der Elfenbeinküste, aus Guinea, Nigeria, Burkina Faso und manch anderem afrikanischen Land erreicht. Schlangenmenschen, Jongleure, Handstand-Artisten schickten dem österreichischen Aktionskünstler Videos von ihren Kunststücken und bewarben sich für „Afrika! Afrika!“. Dabei gab es diese Show gar nicht mehr.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Tourneen durch Deutschland und Österreich mit zeitweise zwei Zelten zugleich sowie Gastspielen in europäischen Großstädten wie Amsterdam, Barcelona und Paris lief das mit etwa vier Millionen Besuchern wohl bisher erfolgreichste Zirkus-Spektakel made in Germany nach einer gescheiterten Tournee in England auf Grund. Heller war da schon ausgestiegen.

          Ein Mythos auf dem Schwarzen Kontinent

          Nun steht der Magier in den Maimarkt-hallen in Mannheim und lässt die afrikanischen Artisten wieder tanzen. „Afrika! Afrika!“ ist von den Toten auferstanden. Am 1. Oktober feiert das Remake Premiere im Festspielhaus Baden-Baden. Dann geht es mindestens ein halbes Jahr lang auf Tournee durch Deutschland und Österreich. Was aber hat Heller von seinem Vorsatz abgebracht, nie zweimal in denselben Fluss zu steigen? Es war die viele Post aus Afrika, sagt er. Und die vielen Anrufe von Georges Momboye, der „Afrika! Afrika!“ choreographiert hatte. „Nimm die Show wieder auf“, bat Momboye ein ums andere Mal und verwies auf die vielen jungen Artisten, die ihre Hoffnung auf Heller und seine Produktion setzten.

          Ließ sich gerne bitten: Aktionskünstler André Heller aus Österreich
          Ließ sich gerne bitten: Aktionskünstler André Heller aus Österreich : Bild: dpa

          Tatsächlich ist „Afrika! Afrika!“ auf dem Schwarzen Kontinent ein Mythos geworden. Über die Show mit ausschließlich schwarzen Artisten und Tänzern sei enorm viel berichtet und geredet worden zwischen Kapstadt und Kairo, sagt Momboye, der in den vergangenen Jahren Artistik-Workshops in Afrika abgehalten und zwei Zirkusschulen mitbegründet hat. Es habe zahlreiche junge Afrikaner gegeben, die nach dem Anschauen der Show auf Video ohne Anleitung und Trainer sich selbst Kunststücke beigebracht hätten mit dem Ziel, in Deutschland bei „Afrika! Afrika!“ Karriere zu machen. Denn ein Engagement dort bedeute nicht nur Anerkennung, sondern ein geregeltes Einkommen, von dem in Afrika ganze Familien mit bis zu 30 Mitgliedern leben könnten.

          Die neuen Artisten haben ein noch höheres Leistungsniveau

          „Wer bin ich, dass ich solche Hoffnungen enttäuschen dürfte“, sagt Heller. So habe er sich schließlich dazu entschlossen, die Show wiederzubeleben. Doch weil ein Heller nicht gerne fade Kopien herstellt, hat er „Afrika! Afrika!“ ganz neu inszeniert: mit anderen Künstlern und mit einer veränderten Ästhetik. Nun ist auf der Rückseite der Bühne eine LED-Leinwand aufgebaut, die gestochen scharfe, oft surreale Bilder liefert, die der Show einen avantgardistischen Anstrich geben. „Wer ist zum ersten Mal dabei?“, fragt Heller vor der Probe die in der Maimarkthalle versammelten Künstler. Von den etwa 70 Mitwirkenden heben fast alle die Hand. Zu den wenigen Verbliebenen aus der alten Truppe zählt der Wassermann Dickson Oppong, der zehn breite Schüsseln aus Ton gleichzeitig rotieren lässt und in den Tiefen seines Bauches einen halben See gespeichert hat, der in Form von Wasserfontänen aus seinem Mund tritt. „Dickson ist einzigartig“, sagt Heller. „Auf ihn konnte ich nicht verzichten.“

          Ansonsten stehen fast nur neue Artisten auf der Bühne. Die großgewachsene Schlangenfrau etwa hat sich ihre Künste selbst beigebracht, indem sie sich im Internet Videos von anderen Kontorsionisten ansah und deren Tricks nachahmte. Die Entwicklungshilfe, die dank „Afrika! Afrika!“ afrikanischen Talenten in Form einer Abgabe von einem Euro pro Eintrittskarte zugutekam, hat sich ausgezahlt. Das Leistungsniveau der neuen Artisten liegt deutlich höher. Geblieben ist die alte Spielfreude, die jede Jonglage, jeden Sprung, jeden Balanceakt in einen Tanz verwandelt. Das wirkt sogar auf Meister Heller ansteckend. Wie einst Tewje der Milchmann beginnt er in den Mai-Hallen nach jiddischer Klezmer-Art zu tanzen. „Du musst damit unbedingt ins Programm“, schlägt ihm Choreograph Momboye begeistert vor. Lachend wehrt Heller ab.

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