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Samstag, 11. Februar 2012
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Amtseinführung Albert II. will Monaco unabhängiger machen

12.07.2005 ·  „Er wird ein wunderbarer Fürst“, jubelte mancher Monegasse am Tag der Amtseinführung von Albert II. In Monaco wird sich nun einiges ändern. Der neue Fürst will politische Entscheidungen beschleunigen und mehr Unabhängigkeit fürs Fürstentum.

Von Michaela Wiegel
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Im größten französischen Privatfernsehsender TF1 hat Albert II. den Zeremonienreigen zu seinem Amtsantritt als Fürst von Monaco begonnen. Der 47 Jahre alte Junggeselle verkündete zur besten Sendezeit seine Vorsätze für das Amt, auf das er sich seit Jahren im Schatten des übermächtigen Vaters vorbereitet hatte. Zum Wunsch nach "Kontinuität" gesellt sich die Hoffnung auf Veränderung. "Monaco gleich Geldwäsche": das soll künftig nicht mehr gelten, versprach Albert. "Kontinuität heißt nicht, unbeweglich und sklerotisch zu bleiben", sagte der neue Fürst. Der zweite Akt im "avenement" des neuen Souveräns spielte sich am Dienstag in dem mit den rot-weißen Nationalflaggen geschmückten Zwergenreich an der Cote d'Azur ab. Anders als im umgebenden Frankreich kommt der katholische Kirche hier der Rang einer Staatsreligion zu, und so wurde die Amtseinführung Alberts mit einer Messe in der Kathedrale nahe dem Fürstenpalast zelebriert.

In der Kathedrale liegen Alberts Mutter, die 1982 mit dem Auto verunglückte ehemalige Schauspielerin Grace Kelly, und sein am 6. April gestorbener Vater Rainier III. begraben. Als "Kommunion mit dem monegassischen Volk" bezeichnete Albert den Empfang, den er am Nachmittag auf dem Palastvorplatz für seine Untertanen bereitete.

Neuer Fürst kritisiert alte Entscheidungsfindung

Wie es die Tradition will, hat Albert II. den Rücktritt aller Berater entgegengenommen, die oftmals jahrzehntelang die Amtsgeschäfte unter Rainier III. bestimmt hatten. Es wird erwartet, daß die meisten nicht wieder berufen werden. Im Gespräch mit der Zeitungsbeilage "Le Monde II" fand Albert kritische Worte für die Entscheidungsprozesse im Fürstenpalast. "Das System war sehr schwerfällig, die Kommunikation unzureichend und kompliziert. Seine Berater beschützten meinen Vater auf übertriebene Weise, weil sie seine Vorbehalte kannten, den Leuten offen zu begegnen. Sie haben die Schwerfälligkeit damit verstärkt", sagte Albert. Aus Sorge, den Fürsten zu stören, seien viele Dossiers liegengeblieben oder nur langsam bearbeitet worden. "Anders als ich schreckte der Fürst davor zurück, sein Telefon zu benutzen, und rief fast nie den Ministre d'Etat oder seine Berater an, was ihm viele Mißverständnisse erspart hätte", sagte Albert. Rainier III. habe sein Kabinett nicht in regelmäßigen Abständen sehen wollen, was dazu führte, daß die seltenen Kabinettssitzungen immer Stunden dauerten. "Ich organisiere lieber drei Sitzungen, die eine Dreiviertelstunde oder eine Stunde pro Woche in Anspruch nehmen", sagte Albert. Er habe veranlaßt, daß keine Sitzung mehr als eineinhalb Stunden dauere. "Das ist um so leichter, als wir uns am Telefon sprechen oder bei einem tete-a-tete sehen können."

Der Fürst kündigte an, daß nach der Verfassungsänderung und dem neuen Staatsvertrag mit Frankreich im Jahr 2002 in diesem Herbst die Revision der Konvention von 1930 abgeschlossen werden wird. Die Konvention bestimmte unter anderem, daß Monaco an alle Schlüsselstellen der monegassischen Verwaltung französische Beamte berufen muß. Die Revision hat zum Ziel, diese Abhängigkeit von Frankreich zu vermindern. "Der Ministre d'Etat, der ihrem Premierminister entspricht, wird nicht mehr automatisch aus einer Liste von drei Namen ausgewählt, die von der französischen Regierung verfaßt wurde", kündigte Albert II. an. Auch einflußreiche Posten wie die des Staatsanwalts, des Direktors für die öffentliche Sicherheit oder für die Justiz seien nicht mehr für Franzosen reserviert. "Wir steuern auf eine größere Autonomie und Souveränität hin", sagte Albert. Der neue "Ministre d'Etat" im Rang des Regierungschefs ist allerdings wieder ein Franzose, der frühere Pariser Polizeipräfekt Jean-Paul Proust.

Albert versuchte auch französische Ängste vor einer zu großen Unabhängigkeit Monacos zu beschwichtigen. "Die Reform bedeutet nicht, daß das Fürstentum künftig auf Franzosen verzichten wird." Albert von Monaco hat seinen Untertanen zu seinem Amtsantritt auch versprochen, bald eine Familie zu gründen. "Aber erlauben Sie mir, daß ich mich in meinem eigenen Rhythmus entwickele", sagte er. Sein beinahe zweijähriger Sohn Alexandre aus einer Verbindung mit einer aus Togo stammenden Stewardess wurde nicht zur Amtseinführungszeremonie geladen. Seinem Sohn werde nichts fehlen, sagte Albert dazu im Fernsehen, aber er solle abseits der Medien aufwachsen. Auf weitere Forderungen nach Anerkennung seiner Vaterschaft werde er "zu gegebener Zeit" zurückkommen.

Prinzessin Caroline mit Tränen in den Augen

Doch bevor das Fürstentum in seine neue Epoche tritt, feierte es am Dienstag zunächst seinen neuen Fürsten. Erzbischof Bernard Barsi segnete bei einer Danksagungs-Messe in der weißen Kathedrale von Monaco den vor ihm knienden neuen Herrscher. „Das ist ein Augenblick des Glücks nach dem Schmerz“ sagte der Präsident des monegassischen Nationalrats, Stéphane Valéri, bei der anschließenden Gartenparty. Erst wenige Tage zuvor hatte die Trauerzeit um den 81 Jahren alten Rainier, der mehr als ein halbes Jahrhundert über den „Felsen“ an der Côte d'Azur geherrscht hatte.

Albert hatte die Feier seiner Machtübernahme als „eine Art Kommunion mit der monegassischen Bevölkerung“ gewollt. Das ganze kleine Reich war festlich in den rotweißen Landesfarben geschmückt. Mehr als 800 Einwohner kamen zur Messe in die Kathedrale. „Wir danken dem Herrn, daß die Kontinuität der Dynastie gewahrt bleibt“, sagte der Erzbischof. Er wünschte Albert Mut und Energie auch in schweren Stunden seines Lebens.

Prinzessin Stéphanie ergriff nach der Segnung Alberts Hand. Der Fürst ergriff daraufhin auch die Hand seiner zweiten Schwester Caroline von Hannover, die mit ihrem Gatten Ernst August Prinz von Hannover gekommen war. Beim Verlassen des Gotteshauses hatte Caroline Tränen in den Augen. Albert preßte die Kiefern zusammen, um seine Emotionen unter Kontrolle zu halten.

Manchem fehlte der alte Glanz

Einige Dutzend Menschen verfolgten die Messe draußen auf einer Großleinwand. Doch manchen Alteingesessenen fehlte der große Glanz, zumal Albert im einfachen schwarzen Anzug gekommen war. „Bei der Hochzeit von Grace und Rainier gab es noch richtige Kostüme und ein großes Zeremoniell“, klagte ein Monegasse. Das alte Fürstenpaar ist in der Krypta der Kathedrale beigesetzt.

Die Feier für die Monegassen mit Messe, Fanfaren, Feuerwerk und einem Tanzabend am Hafen hatte rein symbolischen Charakter. Eine Krönung oder Thronbesteigung gab es nicht. Albert hatte die Regierungsgeschäfte in den Tagen vor dem Tod des Vaters übernommen und ihn bereits am Todestag, dem 6. April, als Fürst abgelöst. Am Nationalfeiertag des reichen Kleinstaates will Albert am 19. November den Beginn seiner Herrschaft noch einmal mit einer internationalen Zeremonie feiern.

Quelle: F.A.Z., 13.07.2005, Nr. 160 / Seite 9 mit Material von dpa
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