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„American Pie: Das Klassentreffen“ : Das bittersüße Aroma des Apfelkuchens

Der nette Perverse und die niedliche Nymphomanin: Jason Biggs (Jim) und Alyson Hannigan (Michelle) Bild: dapd

Vor 13 Jahren machte „American Pie“ sie zu den heißesten Jungstars Hollywoods. Nun spielen sie wieder ihre alten Rollen. Das verdient Mitleid – und Bewunderung.

          Klassentreffen: Allein das Wort kann wohligen Grusel auslösen. Alte Freunde wiedersehen, aber auch Leute, mit denen man aus gutem Grund nichts mehr zu tun hatte. Ein bisschen „Mein Haus – mein Job – meine Frau“, das übliche Vergleichen eben: Wer hat schon graue Haare? Wer trägt die besseren Schuhe? Und dann stellt man manchmal fest, dass man nach all den Jahren sofort wieder in seine alte Rolle zurückfällt. Das kann, aber muss nicht schlimm sein. Ernüchternd freilich ist es, wenn man erkennt, dass man seither keine bessere mehr gespielt hat.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          „American Pie: Das Klassentreffen“ heißt der Film, der diese Woche in die Kinos kommt, und wer heute Ende zwanzig ist oder Anfang dreißig, der wird wissen, worum es darin geht. „American Pie“ war 1999 einer der erfolgreichsten Filme in Amerika und bei uns im Jahr 2000 der erfolgreichste Kinofilm überhaupt; manche nennen es einen Kultfilm. Erzählt wurde von vier Jungs und ihrem linkischen Bemühen, bis zum Abschlussball die Jungfräulichkeit zu verlieren, und wenn das Genre der Highschool-Komödie hier schon nicht neu erfunden wurde, so wurde es doch wachgeküsst - sofern man im Zusammenhang mit „American Pie“ von so etwas Unschuldigem wie einem Kuss sprechen möchte. Abgefedert wurden die deftigen Scherze durch ein wenig Romantik, eine ordentliche Portion Moral und ein süßes Hohelied auf die Freundschaft. 800 Millionen Dollar haben „American Pie“ und die beiden Nachfolger „American Pie 2“ (2001) sowie „American Wedding“ (2003) insgesamt eingespielt.

          Hinter „American Pie“ steckt aber noch eine zweite Geschichte. Die Geschichte von ein paar jungen Leuten, Jungs und Mädchen, die über Nacht zu Stars wurden, zum hoffnungsvollen Nachwuchs Hollywoods. Davon, wie man den schnellen Ruhm verkraftet – und sein langsames Verblassen. Neun Jahre nach dem jüngsten und 13 Jahre nach dem ersten Teil der Reihe sind nun nahezu alle Darsteller von 1999 wieder vereint; es ist ein Klassentreffen auch für sie. Und sogar einer der Produzenten des neuen Films, Chris Moore, hat eingeräumt, dass es für manche von ihnen „bittersüß“ sei, noch einmal in ihre alten Rollen zu schlüpfen – weil sie in ihrer Karriere nichts mehr zustande gebracht haben, was ähnlich erfolgreich gewesen wäre wie „American Pie“.

          Entschlossen, das „Pie“-Image zu bedienen

          Ein Nachmittag in Berlin-Mitte: Den Salon im Nobelhotel betreten vier junge Männer. So viele Schauspieler auf einmal zu interviewen, ist nicht ganz einfach; erst recht nicht, wenn sie, wie diese vier hier, entschlossen scheinen, ihr „Pie“-Image zu bedienen, stets bereit, das Gespräch komplett aus dem Ruder laufen zu lassen. Da wird um Pointen gekämpft, mit Ausdrücken herumgeworfen, die man unmöglich drucken kann, und gern mal laut gerülpst.

          Erschwerend kommt hinzu, dass man ständig versucht ist, die Schauspieler mit ihren Rollennamen anzureden. Stifler ist da, der Super-Proll. Oz, die Sportskanone, und der Schnösel Finch. Und natürlich Jim – gespielt von Jason Biggs –, der eigentliche, tragisch-komische Held, dessen aberwitzige Sexpannen von seinem enervierend gutwilligen Dad (Eugene Levy in einer der lustigsten Vaterrollen der Filmgeschichte) im Männergespräch aufs peinlichste breitgewalzt werden.

          Jason, kann der plötzliche Ruhm für einen jungen Schauspieler auch eine Belastung sein? „Es ist surreal und verrückt. Es arbeiten immerzu Mächte gegen dich, die versuchen, deine Welt auf den Kopf zu stellen. Es hängt alles davon ab, wie man damit umgeht. Und mit wem man sich umgibt.“

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