12.02.2007 · Mehr als zwei Drittel der Deutschen sind glücklich. Das ergab eine Studie des Allensbach-Instituts. Richtig glücklich fühlten sich Menschen mit einer schönen Kindheit, guten Beziehung und vertrauenswürdigen Freunden. Und wer sind die glücklichsten Prominenten?
Mehr als zwei Drittel der Deutschen fühlen sich nach einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach relativ glücklich. 84 Prozent der rund 1700 Befragten erlebten oft oder immer wieder glückliche Momente, vor allem im Urlaub, beim Verliebtsein oder wenn sie Zeit mit guten Freunden verbringen, teilte die Zeitschrift „emotion“ am Montag in Berlin mit. Sie war Auftraggeber der Umfrage. Trendforscher Matthias Horx hält die Deutschen im Vergleich zu anderen Nationen jedoch immer noch für Glücksmuffel. Viele Bundesbürger seien noch zu passiv und sicherheitsbetont, um an ein selbst geschaffenes Glück zu glauben.
Die Umfrage zum individuellen Glücksempfinden lief zwischen dem 6. Oktober und 8. November 2006. Auf einem Bogen konnten die Interviewpartner zu 19 Fragen rund ums Glück bis zu 20 Antworten ankreuzen. Auf die Frage nach Quellen des Glücks sind unter anderem aufgelistet: eine Familie, Gesundheit, ein Beruf, der Freude macht oder eine glückliche Partnerschaft.
Individuelle Glücksdefinition
Im Ergebnis haben sich mit 77 Prozent die meisten der Befragten für „lieben und geliebt werden“ als individuelle Glücksdefinition entschieden, dicht gefolgt von Zufriedenheit (72 Prozent) und der Fähigkeit, sich über die kleinen Dinge des Lebens zu freuen (62 Prozent). Richtig glücklich fühlten sich laut Umfrage Menschen, die eine schöne Kindheit erlebten, Lebensfreude aus ihrer Partnerschaft ziehen, gesund sind und vertrauenswürdige Freunde haben.
Erfolg im Beruf oder ein erfülltes Sexualleben spielt laut Umfrage dagegen nur für jeden dritten Befragten eine große Rolle. Nur ein Fünftel glaubte, dass viel Geld glücklicher macht. Nach Meinung der Allensbach-Forscherin Renate Köcher unterschätzen die Deutschen Kinder als Glücksquelle.
Schumacher vor Graf
In Ostdeutschland fielen die Antworten auf die Glücksfragen durchweg negativer aus als im Westen. Die Interviewer erklären sich die Unterschiede mit dem anhaltenden Strukturwandel mit hoher Arbeitslosigkeit und Überalterung.
Der siebenfache Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher und Ex-Tennisstar Steffi Graf gelten in den Augen der Normalbürger im Übrigen als die glücklichsten Prominenten, gefolgt von Günter Jauch. Bundesfamilienministerin Ursula von der Leyen oder Kanzlerin Angela Merkel (beide CDU) landen dagegen auf den unteren Rängen.
Glückszustand der Deutschen stabil
Trendforscher Matthias Horx hält den Glückszustand der Deutschen trotz der positiven Grundstimmung für labil. „Angstüberwindung ist nicht unsere Sache“, sagte er. Deswegen sei die Idee des selbstgeschmiedeten Glücks weniger verbreitet als zum Beispiel in Skandinavien. „Die Deutschen sind zwar relativ zufrieden, aber sie denken immer noch, dass es mit der Welt total bergab geht“, ergänzte Horx. Das sei eine apokalyptische und fast autistische Haltung.
Laut Studie haben Frauen sowie gut gebildete und jüngere Menschen in Deutschland ein ausgeprägteres Glücksgefühl als die ältere Generation und Menschen mit einem Einkommen unter 1250 Euro im Monat.
Die Glücksforschung ist eine junge Wissenschaft, die positive Grundhaltungen abfragt, anstatt sich auf negatives Empfinden zu konzentrieren. Sie kann zu erstaunlichen Ergebnissen führen. So sollen die Einwohner eines Südsee-Archipels zu den glücklichsten Menschen der Welt zählen: Sie glauben nicht an den Staat, verschenken beständig Schweine und lieben das Bungee-Springen von Kokospalmen.