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Alexander Luzius Ziermann : „Ich erhebe die Landschaft“

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Alexander Luzius Ziermann umgeben von Außenspiegeln Bild:

Der Frankfurter Künstler Alexander Luzius Ziermann installiert 2506 Auto-Außenspiegel in außergewöhnlichen Landschaften auf allen Kontinenten zu einem Symbol fürs Licht. Im Interview spricht er über seine derzeitige Spiegel-Installation auf Lanzarote.

          Herr Ziermann, Sie sind auf Lanzarote und haben gerade Ihre Installation „Signatur des Lichts“ aufgebaut. Erledigt?

          Ja, in jedem Wortsinn. Wir haben eine sagenhafte Odyssee mit unglaublichen Schwierigkeiten und schlaflosen Nächten hinter uns.

          Sie installieren 2506 Auto-Außenspiegel in außergewöhnlichen Landschaften auf allen Kontinenten zu einem Symbol fürs Licht, dem Zeichen „Luzius“. Seit 2009 waren sie damit in der Wüste Namib in Namibia. Warum jetzt Lanzarote?

          Wegen des Kontrasts des schwarzen Lava-Sandes zur Wüste von Namibia. Ich suche prägnante Landschaften, die sich voneinander unterscheiden. Die nächste Station ist Irland. Da wird’s grün.

          Glamour aus Außenspieglen: Auf der schwarzen Lava-Asche Lanzarotes entfaltet selbst Schrott eine luzide Wirkung

          Wird auch diese Installation von einem Satelliten aus fotografiert?

          Hoffentlich! EADS ist informiert und will es aus dem Weltall fotografieren.

          Woher stammt das Luzius-Zeichen, in dem die Spiegel angeordnet sind?

          Das habe ich kreiert. Ich habe einen Teil meiner Unterschrift extrahiert und grafisch aufbereitet. Die vertikale Linie steht für das Licht, das von oben scheint, und für die Längengrade. Die horizontale Linie steht für die Fläche, auf die das Licht trifft, und die Breitengrade, das geschwungene Oval für die Dynamik der Drehung der Erde um ihre stärkste Lichtquelle, die Sonne. Die beiden Punkte symbolisieren Sonne und Mond.

          Klingt fast religiös!

          Nein, ich bin kein spiritueller Weltverbesserer.

          Wo genau auf der Insel haben Sie Ihre Installation aufgebaut?

          Am Mirador del Rio, in der Nähe des Aussichtspunktes, von dem man auf La Graciosa blicken kann. Man guckt also nun über die Installation aufs Meer und auf die kleinste Kanarische Insel.

          Seitdem Sie vor einigen Jahren versucht haben, Ihre Bronzeskulptur „Spermatit“ in der Antarktis zu versenken, was das Umweltbundesamt zu verhindern wusste, sind Sie unter Naturschützern bekannt. Hatte denn die Regionalregierung von Lanzarote nichts gegen Ihre Idee?

          Wir wollten es erst in El Golfo aufstellen, im Südwesten der Insel. Eine Gemeinderätin hatte das alles klar gemacht. Auch der Insel-Präsident war begeistert, weil er sich Unterstützung für seinen Wahlkampf erhoffte. Aber die Umweltgesetze hier sind so strikt, dagegen ist Deutschland eine Bananenrepublik! Die Umweltpolitiker wendeten ein, mit meinen Spiegeln könnte in der Schutzzone die Gefahr bestehen, dass die Vögel in der Luft gebraten würden.

          Sie standen also vor dem Scheitern?

          Ja. Aber die Spiegel waren schon im Schiffs-Container von Namibia unterwegs. Und so habe ich durch Glück einen noch besseren Platz gefunden. Dieses Feld ist nicht in einer Schutzzone, ich brauchte also nur den Bauern fragen.

          Und der war begeistert?

          Erst einmal hat er komisch geguckt. Ich brauchte 2500 Quadratmeter. Ganz bauernschlau, hat er gemerkt, dass ich unter Druck bin. Während eines Fernseh-Interviews kam er noch mal, um den Preis zu erhöhen. Jetzt muss ich 1500 Euro für vier Wochen bezahlen.

          Ihre Begründung für die Aktion ist ein wenig, nun ja, rätselhaft. Sie schreiben, die Installation „symbolisiert Licht, signiert Landschaft, um sie damit begrifflich zu einem Kunstwerk der Schöpfung zu erheben“. Wollten Sie nicht vielleicht nur ein witziges Kunstwerk schaffen?

          Nein, nicht nur. Ich erhebe die Landschaft zu einem bewusst Geschaffenen, also zu einem Kunstwerk. So wie ein Bild signiert wird, so signiere ich hier Landschaft – über das Licht, das alles sichtbar macht.

          Wo haben Sie eigentlich die vielen Außenspiegel gefunden ?

          Auf Schrottplätzen in ganz Deutschland, von Rosenheim bis zum Ruhrpott, von Berlin bis München, in Namibia gab es auch noch ein paar. Und Schrotthändler sind nicht so nett wie Krankenschwestern!

          Werden die Spiegel auch befestigt?

          Nein, die legen wir einfach hin. In Namibia hatten wir einen sagenhaften Sturm, aber die Spiegel haben sich kein bisschen bewegt. Und weil hier der Sand noch tiefer ist als in Namibia, kann ich die schön justieren.

          Piloten blenden Sie damit nicht?

          Nein. Es blinken ohnehin je nach Winkel immer nur einige Spiegel.

          Und wie reagieren die Lanzaroteños auf Sie?

          Sehr positiv. Die Kellner vom Aussichtspunkt kommen vorbei, und die Touristen beglückwünschen mich.

          Ist Ihr Vorname Luzius eigentlich ein Künstlername?

          Nein, ich bin getauft auf Alexander Luzius: Mein Patenonkel hieß Alexander, meine Patentante Luzia. Nomen est omen: Luzius ist der „zum Licht hin Geborene“. Ich habe eben eine besondere Beziehung zum Licht.

          Die Fragen stellte Alfons Kaiser.

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