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Veröffentlicht: 06.06.2015, 15:37 Uhr

Ahnenforschung „Wir brauchen einen Anker“

Der Autor A.J. Jacobs fand heraus, dass er mit Daniel Radcliffe und Präsident Obama verwandt ist. Heute Abend schmeißt er das größte Familienfest aller Zeiten – mit mehr als tausend Cousinen und Cousins.

von Anne Haeming
© A.J. Jacobs Als weiteres prominentes Familienmitglied freut sich Jacobs über die Mad-Men-Darstellerin Christina Hendricks.

Wenn A.J. Jacobs von seinem Laptop aufschaut, sieht er an der Wand ein Foto von sich im Methusalem-Alter. Mit einer App hat er sich tiefe Falten verpasst und dunkle Tränensäcke. Jacobs, selbst 47 Jahre alt, erinnert sich damit an seine eigene Vergänglichkeit. Selbstoptimierung und Selbsterforschung sind seit Jahren seine Hauptthemen. Der Redakteur beim Magazin „Esquire“ hat Bestseller darüber geschrieben, wie er ein Jahr lang nach den Regeln der Bibel lebte oder versuchte, der gesündeste Mensch der Welt zu werden. Sein aktuelles Projekt ist eine Nummer größer: Er hat anderthalb Jahre lang seinen Familienwurzeln hinterherrecherchiert - und organisiert am ersten Juniwochenende in New York, was er „das größte Verwandtentreffen aller Zeiten“ nennt.

Danke, dass Sie sich die Zeit nehmen, jetzt, wo die Vorbereitungen für Ihre Familienfeier auf Hochtouren laufen . . .

Für die Familie habe ich immer Zeit, Cousine!

Moment – wir sind verwandt?

Na ja, alle Menschen haben die gleichen Vorfahren, wir sind also blutsverwandt. Wir haben die gleichen Ururururur. . . und das noch 7000 Mal wiederholen. . .-Großeltern. Ich glaube nicht buchstäblich an die biblische Geschichte von Adam und Eva, aber es ist wissenschaftlich erwiesen, dass die DNA eines Urelternpaares in allen Menschen steckt. Und ich bin überzeugt, dass wir alle eine direkte Verbindung zwischen unseren Familien finden können - auch wenn sie sehr lang sein mag, so was wie: Sie sind die Ururururenkelin des Neffen der Schwägerin von der Großtante der Frau meines Großgroßgroßcousins.

Das ist so komplex, dass man ohne Genealogie-Zweitstudium kaum durchsteigt. Was ist Ihr Trick?

Ganz einfach: Cousins ersten Grades haben gemeinsame Großeltern, Cousins zweiten Grades gemeinsame Urgroßeltern und so weiter. Der entfernteste Verwandte, den man haben kann, ist ein Cousin 70. Grades. Gar nicht so viel, finde ich.

Sie bereiten gerade das größte Verwandtentreffen aller Zeiten vor. Wer kommt am Samstag alles?

Wir haben über 1000 Tickets verkauft. Cousin Daniel Radcliffe kommt auch. Aber eingeladen waren alle - der größte Stammbaum, zu dem ich gehöre, umfasst immerhin 240 Millionen Menschen. Wissenschaftlich können wir dank DNA-Tests so präzise wie nie analysieren, mit wem wir verwandt sind. Ich weiß nun etwa, dass die Schauspielerin Mila Kunis und ich zur gleichen Genomgruppe gehören: H7. Ist doch toll, wenn man weiß, dass man so mit Menschen verbunden ist, die man verehrt: George Clooney, Lady Gaga, Nelson Mandela, man findet immer einen Pfad.

Sind nicht Freunde das neue Familienmodell?

Stimmt, kulturell entwickeln wir uns gerade in die entgegengesetzte Richtung: Das Konzept von Familie ist offener geworden, jenseits aller DNA. Wir haben Leihmütter, Samenspender - in Großbritannien ist es seit Anfang des Jahres legal, dass Babys drei Elternteile haben, wenn etwa bei der Mutter ein Gendefekt entdeckt wurde, den man dann mit dem gesunden Gen einer anderen Frau austauscht.

Ein Konzept, das Ihrer Blutsverwandtschaftsthese widerspricht.

Nein, weil wir eh alle verwandt sind, können wir uns die Familie aussuchen. Ich will zeigen, dass alle zur Familie gehören, um dieses Stammesdenken zu beenden. 

Ihr Riesenprojekt begann, als Sie eine E-Mail von einem Typen bekamen, der schrieb: Hey, ich bin ein Verwandter 12. Grades. Haben Sie sich gefreut?

Ich dachte zuerst, er sei einer dieser Internetbetrüger und wolle an mein Geld. Aber als ich ein bisschen recherchierte, fand ich heraus, dass es längst ein riesiges weltumspannendes Stammbaum-Projekt gab, mit vielen Online-Datenbanken und zig Mitgliedern, die die Namen ihrer Familienzweige einstellten, unterstützt von Wissenschaftlern und Rechercheuren. Ich dachte: Wow, das scheint ja ein echtes Thema zu sein - darüber schreibe ich mein nächstes Buch.

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