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Forest Whitaker : „Normalerweise spiele ich in komplexeren Filmen mit“

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Humanitäres Engagement als „Geschenk an mich selbst“: Whitaker 2013 bei einem Pressetermin Bild: Reuters

Forest Whitaker hat Polizisten und Gauner verkörpert, einen samuraihaften Auftragskiller und Idi Amin. Persönlich aber kann man sich kaum einen zurückhaltenderen Menschen vorstellen. Eine Begegnung zum Gespräch über seinen neuen Actionfilm „96 Hours – Taken 3“.

          Wenn Forest Whitaker in einer Hotelsuite an einem großen runden Tisch sitzt, sieht der Tisch klein aus. Zur Begrüßung sagt der Hüne ein routiniertes „How are you?“ Er streckt die riesige Hand aus, doch sein Händedruck ist kaum zu spüren. Am Handgelenk trägt er ein Buddha-Armband.

          Whitaker, 53, im Besitz eines Oscars, ist in Berlin, um über den Actionfilm „96 Hours – Taken 3“ zu sprechen, in dem er einen Detektiv spielt, der Liam Neeson das Leben schwermacht. In Hollywood kennt man Whitaker als gentle giant, als sanften Riesen, dessen oft extreme Filmcharaktere nicht weiter von Whitaker, dem Privatmenschen, entfernt sein könnten. Er spricht mit ruhiger, fast leiser Stimme und neigt den Kopf freundlich zur Seite, wenn er auf eine Frage wartet. Eine seiner frühen denkwürdigen Rollen: Jody, der britische Soldat in „The Crying Game“, der in die Fänge der I.R.A. gerät und seinen Kidnapper auf so rührende, lustige Weise davon abzubringen sucht, ihn zu töten, dass man die Szene kaum wieder vergisst. Damals, in den achtziger Jahren ff., war Whitaker im Filmgeschäft einer aus vielleicht einem Dutzend markanter schwarzer Darsteller; er glänzte in Jim Jarmuschs „Ghost Dog – Der Weg des Samurai“ und Clint Eastwoods „Bird“, besetzte prägnante Nebenrollen („Die Farbe des Geldes“, „Good Morning, Vietnam“, „Prêt-à-Porter“, „Panic Room“), war im vielgelobten Polizeidrama „The Shield“ zu sehen, aber auch in einiger amerikanischer Dutzendware.

          Kinotrailer : „96 Hours – Taken 3“

          Dann aber, mit 45, katapultierte sich Whitaker endgültig in den Olymp seiner Kunst. Nach 20 Jahren im Showgeschäft bekam er 2007 den Academy Award, für den Film „Der letzte König von Schottland“, in dem er den ugandischen Diktator Idi Amin spielte, der einen jungen schottischen Arzt überzeugt, erst sein Leibarzt, später sein persönlicher Berater zu werden. Das Monster Amin versteckt Whitaker zu Beginn des Films hinter einer Charmeoffensive, hinter Augenrollen und Honigkuchengrinsen. Er brüllt bei einer Rede „Uganda! Uh, yeah!“, dass es jedem Zuhörer ins Herz fahren muss. Ein paar Szenen später wirbt er um den jungen Arzt wie um eine Geliebte, die sich ziert. Er spielt Schlange und Kaninchen mit seinem Opfer, das nicht weiß, dass es eines ist. Es war Forest Whitakers irrem Spiel zu verdanken, dass nicht nur der Arzt Idi Amins unmoralisches Angebot annimmt, sondern auch der Zuschauer.

          Er lebt zurückgezogen und seit 30 Jahren vegetarisch

          Seine Dankesrede bei der Verleihung des Oscars war dann das Gegenteil von „Endlich bekomme ich, was mir schon so lange zusteht“. Der Preis beweise, dass die Träume eines Jungen aus South Central L.A., der als Kind Filme nur vom Rücksitz des Autos seiner Familie im Drive-in-Kino sah, wahr werden können, wenn man an sie glaubt. Das klingt gelesen leicht kitschig, war es auf der Bühne nicht; noch heute kann man auf Youtube sehen, wie sehr dem Publikum Whitakers leicht stockendes Geständnis zu Herzen ging. Zu Beginn seiner Dankesworte hatte er einen Spickzettel mit den Worten aus der Jacketttasche gezogen, er habe sich was notiert „für den Fall, dass ich überwältigt bin, und das bin ich“.

          Eine gewisse ernsthafte Zurückhaltung scheint typisch für diesen ältesten Sohn eines Versicherungsvertreters zu sein, der in Texas geboren wurde, der in Kalifornien aufwuchs, den sein Vater am liebsten auf die Militärakademie nach West Point geschickt hätte, der aber durch ein Football-Stipendium die Chance bekam, Gesang an der University of California zu studieren, und später ins Schauspielfach wechselte. Als 2013 „Der Butler“ ins Kino kam, eine lose Verfilmung der Lebensgeschichte des schwarzen Hausangestellten Eugene Allen, der im Weißen Haus acht Präsidenten diente, erschien Hauptdarsteller Whitaker auf dem Cover des afroamerikanischen Magazins „Ebony“. So was ist sonst seine Sache nicht; er war noch nie in einer Modestrecke eines Hochglanzmagazins zu sehen, macht keine Werbung, wird nie mit braunen Papiertüten beladen auf dem Parkplatz amerikanischer Biosupermärkte fotografiert. Er lebt mit seiner Ehefrau Keisha und den vier Kindern (Ocean, Autumn, True, Sonnet) zurückgezogen in Los Angeles. Whitaker ist seit 30 Jahren Vegetarier und bezeichnet sich selbst als „sehr spirituell“. Er verzichtet auf die Inszenierung seiner Person. Das gilt selbst, wenn man ihn danach fragt, wie jetzt in Berlin; dann sagt er: „Ich konzentriere mich auf meine Arbeit. Nicht mehr, nicht weniger.“

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