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50 Jahre Wehrpflicht „Es herrschte kein Kasernenhofton“

26.04.2007 ·  Mit einem Gelöbnis wird an diesem Donnerstag in Augustdorf der 50. Jahrestag des Einzugs der ersten Wehrpflichtigen gefeiert. Auch Hugo Fischer trat damals als Panzerschütze seinen Dienst an. Im Interview blickt er zurück.

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Mit einem Gelöbnis wird an diesem Donnerstag in Augustdorf der 50. Jahrestag des Einzugs der ersten Wehrpflichtigen gefeiert. Auch Hugo Fischer trat damals seinen Dienst an. Der Panzerschütze im F.A.Z.-Interview. „Unsere Ausbilder hatten mich nachhaltig beeindruckt. Da herrschte kein Kasernenhofton.“

Herr Fischer, wie war das damals, als Sie vor 50 Jahren als Panzerschütze den Wehrdienst antraten? Waren die Verwandten stolz?

O ja! Als ich in der Uniform nach Hause kam, wurde ich rumgereicht. Tante Luise wollte mich sehen, dann ging es weiter zu Tante Martha. Und von der Oma gab es ein paar Mark.

War Ihnen so kurz nach dem Krieg nicht mulmig zumute? Waren Sie für die Wiederbewaffnung?

Ja, ich war dafür. Um sich im Notfall verteidigen zu können. Ich kann mich noch gut an die Musterung im Januar 1957 erinnern. Wir waren zu viert, ich war als Einziger tauglich. „O je, jetzt haben sie dich“, haben die anderen gelästert. Die Schlappsäcke. Von meinen Bekannten hat mich keiner schief angeguckt. Schau es dir halt an, haben sie gesagt.

Und? Waren Sie enttäuscht?

Im Gegenteil. Am ersten Tag waren schon unsere Betten bezogen. Auf den Tischen in der Stube lagen Tischdecken. Es gab sogar Blumenvasen.

Wie in einem Hotel?

Na ja, das änderte sich dann doch rasch. Es ist schon eine Herausforderung, zu fünft auf einer Stube zu wohnen. Fünf komplett unterschiedliche Charaktere - das dauert, bis da Harmonie reinkommt.

Schnarcher?

Das auch. Einer schnarchte, einer hatte Schweißfüße. Und ein Kamerad hatte nie zuvor seine Schuhe geputzt. Er hat eine halbe Tube Schuhcreme auf die Stiefel geschmiert. Daheim hatte das die Mama immer erledigt. Ein Einzelkind, zum ersten Mal von zu Hause weg. 14 Tage hat er nur geweint.

Hatten Sie selbst Heimweh?

Eigentlich nicht. Zumal es für mich nicht so weit bis nach Hause war. Zunächst war ich in der Lüneburger Heide stationiert. Nach sieben Wochen wurden wir dann nach Augustdorf bei Paderborn verlegt. Von dort war es nicht mehr weit bis zu meinen Eltern nach Dortmund. Es gab noch keine Heimschläfer. Aber am Wochenende war ich meistens zu Hause.

Auf dem Foto posieren Sie neben dem Panzermodell M 47. Saßen Sie da auch mal drin?

Mit dem Ding haben wir das Panzerfahren gelernt. Zum Glück sind wir nie auf den Feind getroffen, mit dem M 47 war nicht viel zu gewinnen. Heute ist die Ausrüstung eine ganz andere. Die Wehrpflichtigen haben feinste Stiefel und ganz tolle Panzer. Nehmen Sie den Leopard 2. Der hat 1500 PS und fährt 70 Stundenkilometer. Mit dem kann man gar nicht danebenschießen.

Wie wichtig war das Politische damals? Machte Ihnen der Ost-West-Konflikt Sorgen?

Wir hatten keinen Politikunterricht. Aber über die Entwicklung nach dem Volksaufstand in Ungarn wurden wir täglich informiert. Nach der Wende habe ich einmal einen früheren Soldaten der NVA getroffen. Der hat mir erzählt, dass sie sogar am Wochenende im Gebüsch lagen und auf uns warteten. Da lagen wir im Freibad. Die waren heiß, aber bei uns schien die Sonne.

Und nach dem Wehrdienst sind Sie der Bundeswehr treu geblieben.

Unsere Ausbilder hatten mich nachhaltig beeindruckt. Da herrschte kein Kasernenhofton. Die haben ganz ruhig mit uns gesprochen. Darum habe ich mir vorgenommen: Das willst du auch. Ich bin Berufssoldat geworden und nach 33 Jahren als Stabsfeldwebel in den Ruhestand getreten.

An diesem Donnerstag wird in Augustdorf der 50. Jahrestag des Einzugs der ersten Wehrpflichtigen mit einem Gelöbnis gefeiert. Werden Sie da sein?

Natürlich. Ich war gerade in der Kaserne. Da herrscht ein Rummel, so etwas habe ich noch nicht erlebt. Vielleicht treffe ich ja alte Kameraden. Zu den allerersten habe ich leider keinen Kontakt mehr. Aber mit ein paar Kollegen bin ich im Kegelklub „Unter Uns“. Heute ziele ich nur noch auf Kegel.

Die Fragen stellte Rainer Schulze.

Quelle: F.A.Z., 26.04.2007, Nr. 97 / Seite 9
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