http://www.faz.net/-gum-99v1c

David Goodall, australischer Wissenschaftler und Professor, lächelt in die Kamera. Bild: dpa

Im Alter von 104 Jahren : Australischer Professor nimmt vor Suizid Abschied von Verwandten

  • Aktualisiert am

Der Fall eines australischen Professors, der im Alter von 104 Jahren seinen Suizid in der Schweiz plant, hat weltweit für Aufsehen gesorgt. David Goodall ist jetzt in Frankreich angekommen, um seine letzten Tage bei Verwandten zu verbringen.

          Vor seinem geplanten Suizid in Basel hat sich der 104 Jahre alte David Goodall im Kreis von Verwandten im französischen Bordeaux von der langen Reise aus Australien erholt. „Er ist guter Dinge“, sagte Philip Nitschke, Direktor der Sterbehilfe-Organisation Exit International, am Sonntag.

          Frustriert über seine Altersschwäche hatte sich der bekannte australische Wissenschaftler zum Sterben auf den Weg in die Schweiz gemacht. David Goodall will sich mit Hilfe eines Vereins, der Sterbewilligen tödliche Medikamente für einen Suizid besorgt, in Basel das Leben nehmen. „Goodall ist bei vollem Verstand“, versicherte Philip Nitschke, der die Reise aus Perth organisierte. Goodall ist seit Jahrzehnten Mitglied des Vereins.

          Exit International brachte über eine Crowdfunding-Kampagne umgerechnet gut 15.000 Euro zusammen, um für Goodall und eine Begleiterin Flugtickets in der Business-Klasse buchen zu können.

          Der australische Botaniker Goodall habe laut Nitschke befürchtet, an der Ausreise gehindert zu werden, nachdem er öffentlich gemacht hatte, dass er zum Sterben in der Schweiz reisen wollte. Sein Fall hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Er entspanne sich nun in Bordeaux und verabschiede sich von dort lebenden Verwandten. Goodall wollte am Montag nach Basel reisen. Dort würden weitere Angehörige aus den Vereinigten Staaten erwartet, sagte Nitschke. Als Todestag sei der 10. Mai vorgesehen. Ob Goodall tatsächlich einen tödlichen Medikamentencocktail erhält, entscheidet sich nach einer Untersuchung seiner Urteilsfähigkeit.

          „Nur, wenn zwei Ärzte überzeugt sind, dass er 100-prozentig klar in seinem Wunsch ist, findet die Begleitung statt“, sagte Erika Preisig, Ärztin und Gründerin des Vereins Lifecircle, der auch Goodall bei seinem Vorhaben unterstützt. Lifecircle spricht wie ähnliche Organisationen von „Freitodbegleitung“, nicht von Suizid. Der Verein hat 2017 nach ihren Angaben 73 Menschen in den Tod begleitet. Preisig setzt sich für eine Legalisierung der Sterbehilfe in aller Welt ein. „Ich bin der Meinung: Jeder, der älter als 85 ist, soll ohne Rechtfertigung sterben dürfen“, sagte sie.

          Kritische Stimmen und der Anstoß einer Debatte

          Gegner wie der Verein Christdemokraten für das Leben sind gegen Sterbehilfe. Angehörige könnten Sterbehilfe aus Kostengründen missbrauchen, andere Wege der Leidensminderung könnten zugunsten der „bequemeren“ Lösung verworfen werden, so die Argumentation.

          Die deutsche Stiftung Patientenschutz ist ebenso gegen jede Form organisierter Suizidhilfe. Dies wurde in Deutschland per Gesetz 2015 auch unter Strafe gestellt. „Es gibt keine objektiven Kriterien für das Leiden“, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch am Sonntag. „Das wissen die Suizidhelfer und betreiben eiskalte Propaganda mit den Lebensmüden. Deshalb muss organisierte Selbsttötung in Deutschland weiterhin verboten sein.“

          Goodall war drei mal verheiratet und hat Familie auf verschiedenen Kontinenten. Der Wissenschaftler hat noch bis vor wenigen Monaten an der Universität gearbeitet. Nach einem Sturz und mit rapide verschlechtertem Augenlicht sah er seine Lebensqualität stark eingeschränkt, wie er in Interviews sagte. Er verabschiedete sich in Perth am Flughafen vor laufenden Kameras von seinen Verwandten. Er lud die Medien ein, anhand seines Falls die Debatte um selbstbestimmtes Sterben voranzubringen.


          Hilfe bei Suizidgedanken

          Wenn Sie daran denken, sich das Leben zu nehmen, versuchen Sie, mit anderen Menschen darüber zu sprechen. Es gibt eine Vielzahl von Hilfsangeboten, bei denen Sie – auch anonym – mit anderen Menschen über Ihre Gedanken sprechen können.

          Das geht telefonisch, im Chat, per Mail oder persönlich.

          Die Telefonseelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar. Die Telefonnummern sind 0 800 / 111 0 111 und 0 800 / 111 0 222.
          Der Anruf bei der Telefonseelsorge ist nicht nur kostenfrei, er taucht auch nicht auf der Telefonrechnung auf, ebenso nicht im Einzelverbindungsnachweis.

          Ebenfalls von der Telefonseelsorge kommt das Angebot eines Hilfe-Chats. Die Anmeldung erfolgt auf der Webseite der Telefonseelsorge. Den Chatraum kann man auch ohne vereinbarten Termin betreten, mit etwas Glück ist ein Berater frei. In jedem Fall klappt es mit einem gebuchten Termin.

          Das dritte Angebot der Telefonseelsorge ist die Möglichkeit der E-Mail-Beratung. Auf der Seite der Telefonseelsorge melden Sie sich an und können Ihre Nachrichten schreiben und Antworten der Berater lesen. So taucht der E-Mail-Verkehr nicht in Ihren normalen Postfächern auf.

          Weitere Themen

          Tausende protestieren in Schottland gegen Trump Video-Seite öffnen

          Edinburgh : Tausende protestieren in Schottland gegen Trump

          Einen Tag nach den Massenprotesten in London gegen Donald Trump haben auch im schottischen Edinburgh tausende Menschen gegen den amerikanischen Präsidenten demonstriert. Zum Abschluss seiner Großbritannien-Reise hält sich Trump in seiner Luxus-Golfanlage im schottischen Turnberry auf.

          Topmeldungen

          Handelsstreit mit Amerika : Eine neue düstere Wirklichkeit

          Die nächste Eskalationsstufe im Handelsstreit mit Washington scheint auf Messers Schneide zu stehen. Die EU rüstet sich für mögliche Importzölle auf europäische Autos. Aber auch viele Amerikaner sind besorgt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.