Die Familie ist auf dem Heimweg aus dem Frankreich-Urlaub. Die Eltern, zwei kleine Töchter und ihr Hund haben an der Ardèche Ferien gemacht und brausen auf der Autobahn zurück nach Mainz. Während der Vater gerade einen Brummi überholt, ist die dreijährige Lena aus dem Kindersitz gekrabbelt und hat die unverriegelte Schiebetür des Nissan geöffnet. Bei Tempo 110 müssen die entsetzen Eltern miterleben, wie ihre Tochter aus dem Wagen auf die dreispurige Autobahn stürzt.
Direkt hinter der Familie fährt Nicolas Laberthonnière mit seinem Lkw. Der Brummi-Fahrer sieht etwas auf die Straße fallen, ein Puppe vielleicht, aber dafür ist es zu groß. Er begreift und legt eine Vollbremsung ein. Sein 40-Tonnen-Fahrzeug kommt anderthalb Meter vor Lena zum Stehen.
Vollsperrung der Autobahn
Der Fahrer im Lkw hinter Laberthonnière schaltet ebenso überzeugend: er weicht auf die mittlere Spur aus, bremst und blockiert dort die Fahrbahn. Ein Pkw-Fahrer macht die A7 bei Montelimar schließlich auf der dritten Spur ganz dicht. Alle Nachfolgenden haben wundersamerweise den Sicherheitsabstand eingehalten, niemand fährt auf.
Nicolas Laberthonnière steigt aus und rennt zu dem verunglückten Mädchen. „Die Kleine war bei Bewusstsein, aber sie weinte und hatte einen großen Bluterguss am Kopf“, berichtete der Fernfahrer danach. Wenige Augenblicke später kamen die in Tränen aufgelösten Eltern dazu. Der Held des Tages hinderte die erschrockene Mutter zwei Mal daran, ihre Tochter in den Arm zu nehmen. Eine Verletzte dürfe möglichst nicht bewegt werden, erklärte der Brummi-Fahrer kategorisch. Stattdessen habe er die Eltern auf Englisch aufgefordert, mit der Kleinen zu sprechen, um sie beruhigen. "Die kleine Lena verdankt ihr Leben einer Ansammlung von Wundern", fügt er hinzu.
Fast unverletzt
Und Lena? Sie blieb wie durch ein Wunder fast unverletzt. Außer dem Bluterguß erlitt sie nur Hautabschürfungen und einen Riesenschreck. Sie bleibt aber bis zum Montag zur Beobachtung im Krankenhaus. "Ohne die Lkw-Fahrer", so ein Polizist, "hätte das alles in einer Katastrophe enden können".