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Menschen : Ein Herrenfriseur vom alten Schlag

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Paul Rüther in seinem antiken „Herrensalon anno 1930” Bild: dpa

Tönen und Föhnen können Sie gleich vergessen, wenn Sie im „Herrensalon anno 1930“ bedient werden wollen. Friseurmeister Rüther hält strikt an der Tradition fest - nur Kondome gibt's keine mehr.

          Es war einmal vor langer, langer Zeit - genauer gesagt: 1947 - da waren Friseure nicht nur für Haare zuständig, sondern auch fürs Zähneziehen, und Kondome verkauften sich unter dem Ladentisch besser als jedes Haarwasser. Inzwischen hat sich im Friseurwesen einiges getan, aber es gibt einen, der strikt an der Tradition festhält.

          Paul Rüther ist wahrlich ein Friseurmeister alten Schlages: Zweimal pro Woche steht er im Dortmunder „Herrensalon anno 1930“ und lebt 70-jährige Friseurgeschichte. Umgeben von altmodischen Waschtischen, Leuchtröhren und hölzernen Frisierstühlen, inmitten von Ondulier-Eisen und vorsintflutlichen Haarschneidemaschinen schwingt er Schere und Rasiermesser wie anno dazumal. Warmes Wasser? Telefon? Nicht hier. Tönen oder Fönen? „So'n Schnickschnack gab's früher auch nicht“.

          Wella & Co. sind hier verpönt

          Klare Worte. Wer hierher kommt, will einen soliden Trockenhaarschnitt, gelegentlich eine anständige Rasur und die entsprechenden Pflegeprodukte: Trockenshampoo, Kölnisch Wasser oder Eis-Kopfwasser. „Das ist mit Menthol, da kriegen Sie'n kühlen Kopp im Sommer“, weiß der Meister. Wella, Gliss Kur und Co. sucht der Kunde hier vergeblich.

          Zusammengetragen hat diese museale Fundgrube Rüthers Chef Lothar Haeck, der den Herrensalon vor sechs Jahren eingerichtet hat und seinen ehemaligen Angestellten Rüther damit aus dem Ruhestand zurück lockte. Dort wirkt der 69-Jährige jetzt wie in alten Zeiten - wenn er auch Zähne und Kondome mittlerweile anderen überlässt. Geändert haben sich nur die Preise: Was früher 80 Pfennig kostete, liegt heute bei 8 Euro - und damit immer noch vergleichsweise günstig.

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