An seinen großen Tag vor drei Jahren erinnert sich Harianto Wijaya noch sehr gut. Damals wurde er als erster Green-Card-Besitzer in Deutschland über Nacht zu einer Person der Zeitgeschichte. Aus der Hand des damaligen Arbeitsministers Walter Riester (SPD) nahm der Indonesier die Arbeitserlaubnis für IT-Spezialisten außerhalb der EU in Empfang, die zum August 2000 eingeführt wurde. „Es war schon super, in der Presse in ganz Deutschland erscheinen zu dürfen“, erzählt Wijaya heute. Auch in den Folgemonaten wollten in- und ausländische Medien immer wieder über den smarten Indonesier berichten. Seine Green Card ist mittlerweile im Haus der Geschichte in Bonn ausgestellt. Doch der Computer-Spezialist wird vermutlich schon im nächsten Jahr Deutschland verlassen.
Seit drei Jahren arbeitet Wijaya bei der Firma AixCom in Aachen. Geschäftsführer Martin Steppler kannte ihn schon von der Technischen Universität in Aachen, wo der Indonesier von 1995 bis 1999 in nur neun Semestern Informatik studiert und sein Diplom mit der Note 1,0 gemacht hatte. Im Frühjahr 1999 war für Steppler klar, daß er für Wijaya irgendwie eine Aufenthaltserlaubnis bekommen mußte. Das Arbeitsamt lehnte zwar zunächst ab, verwies aber auf die für den Sommer geplante Einführung der Green Card. Daß Wijaya als erster Inhaber dieser Arbeitserlaubnis ausgewählt wurde, war schließlich eine echte Überraschung.
Promotion im Auge
Bei AixCom hat Wijaya einen Prototyp für die drahtlose Bürokommunikation entwickelt. Seit zwei Jahren arbeitet er zudem an der RWTH Aachen an seiner Promotion, die er spätestens Anfang nächsten Jahres abschließen will. Mit dem Doktortitel in der Tasche will der Indonesier dann relativ bald Deutschland verlassen. Der Grund: Seine Green Card wird allenfalls bis Mitte 2005 verlängert, da sie maximal auf fünf Jahre ausgestellt wird. „Wenn ich ohnehin schon weiß, daß ich nicht verlängern kann, werde ich nicht bis zum letzten Moment warten“, sagt Wijaya und fügt hinzu: „Nach drei Jahren muß ich jetzt an meine Zukunft denken.“ Der 28-Jährige hat bereits konkrete Pläne: „Ich werde wohl nach Amerika gehen, wenn sich eine gute Chance bietet. Die Vereinigten Staaten sind immer noch der Hit.“ In den Vereinigten Staaten gibt es die Green Card unbefristet. Zudem besteht die Möglichkeit, die amerikanische Staatsbürgerschaft zu erwerben.
Vor drei Jahren war Wijaya in Deutschland eine Art Pionier. Seinem Vorbild folgten insgesamt rund 15.000 ausländische IT-Spezialisten. Seit dem Start der Initiative wurden damit im Durchschnitt 425 Green Cards pro Monat vergeben. Rund 3.800 Inhaber kamen aus Indien, 1.900 aus Russland, Weißrussland, der Ukraine und den baltischen Staaten, mehr als 1.000 aus Rumänien.
Befristung als Handicap
Wijaya hält die zeitliche Befristung der Green Card auf maximal fünf Jahre für ein Handicap. Nach Ablauf der Zeit wanderten die hochqualifizierten IT-Spezialisten in andere Länder ab - nach Amerika, Indien oder Australien. Das Hauptproblem aber: „Viele gute Leute kommen gar nicht erst her“, ist sich Wijaya sicher.
Schon in zwei Monaten will sich der Computer-Experte nur noch um seine Doktorarbeit kümmern, ganz zum Bedauern von AixCom-Geschäftsführer Steppler. Ruhe genug hat Wijaya mittlerweile, denn die Medien fragen nur noch selten bei ihm an. Und bei Behördengängen wird er längst nicht mehr so oft erkannt wie noch vor zwei Jahren. Auch Ex-Arbeitsminister Riester hat seit der feierlichen Überreichung der Green Card nichts mehr von sich hören lassen.
„Viele nette Leute kennengelernt“
Deutschland ist Wijaya ans Herz gewachsen. „Ich habe hier sehr viele nette Leute kennengelernt“, erzählt er und fügt hinzu: „Ich nehme viele schöne Erinnerungen mit.“ Die einzige Möglichkeit für ihn, dauerhaft in der Bundesrepublik zu bleiben, wäre ein Zuwanderungsgesetz. Doch das läßt bekanntlich auf sich warten. Und extra eine deutsche Frau heiraten will der IT-Spezialist schon mal gar nicht. „Ich habe eine Freundin. Aber sie kommt nicht aus Deutschland“, verrät er lächelnd.