04.10.2004 · Die amerikanischen Forscher Linda Buck und Richard Axel haben den diesjährigen Nobelpreis für Medizin erhalten. Sie haben erforscht, wie der menschliche Geruchssinn funktioniert.
Den Medizin-Nobelpreis erhalten in diesem Jahr zwei amerikanische Forscher für Arbeiten zur Aufklärung des Geruchssinns. Das teilte das Karolinska Institut am Montag in Stockholm mit.
Richard Axel und Linda B. Buck hätten das Rätsel gelöst, wie der Mensch rund 10.000 verschiedene Gerüche unterscheiden und sich daran erinnern kann, begründete das Nobel-Komitee seine Entscheidung.. „Der Geruchssinn war lange der rätselhafteste unserer Sinne“, hieß es der Würdigung. Die beiden diesjährigen Preisträger hätten dieses Rätsel in einer Pioniertat, die in einer langen Reihe intensiver Studien bestand, gelöst. Die höchste Auszeichnung für Mediziner ist in diesem Jahr mit umgerechnet 1,1 Millionen Euro (10 Millionen Schwedischen Kronen) dotiert. Verliehen werden die Auszeichnungen traditionell am 10. Dezember - dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel.
Erkenntnisse von 1991
Der 58jährige Richard Axel von der Columbia Universität New York und die 57jährige Linda B. Buck vom Hutchinson Krebsforschungszentrum in Seattle erhielten den Preis zu gleichen Teilen zuerkannt. Ihre bahnbrechenden Erkenntnisse über die Funktionsweise des Geruchssinns veröffentlichten sie 1991 gemeinsam. Darin zeigten sie erstmals auf, daß nicht weniger als rund 1000 Gene für die korrekte Funktion unserer Geruchs-Rezeptoren verantwortlich sind - das entspricht etwa drei Prozent der menschlichen Gene. Jedes der Gene ist eine Bauanleitung für genau einen spezialisierten Geruchsrezeptor.
Über diese Rezeptoren in der Nasenschleimhaut gelangen die Geruchssignale in bestimmte Zellknäuel (Glomeruli olfactori) im Riechkolben. In dieser Schaltstelle werden gleichartige Signale gesammelt, an die jeweils passende Nervenzelle und dann an die Hirnrinde weitergegeben. Dort entsteht aus der Kombination der Geruchseindrücke dann das spezifische und immer wieder abzurufende Geruchsmuster - wie eine Art Patchwork-Decke. Auf diese Art können Menschen sich ihr Leben lang an einen von Oma gebackenen Geburtstagskuchen, den Duft von Flieder oder den Gestank verdorbener Muscheln erinnern - insgesamt rund 10.000 verschiedene Gerüche sind auf diese Art zu erkennen.
Seit der gemeinsamen Veröffentlichung setzen die beiden Wissenschaftler die Erforschung des Geruchssinns getrennt fort und haben in mehreren, oft parallelen Studien das olfaktorische System entschlüsselt und erklärt - von der molekularen Ebene bis hin zur Organisation der Zellen.
„Größter Nutzen für die Menschheit“
Im vergangenen Jahr hatten Paul C. Lauterbur (USA) und Peter Mansfield (Großbritannien) den Medizinnobelpreis erhalten. Sie hatten die Kernspintomographie mitentwickelt, mit der die inneren Organe des Menschen exakt und schonend abbildet werden können.
Den Preis für Medizin oder Physiologie soll nach dem Willen des 1895 verstorbenen Stifters alljährlich derjenige erhalten, dessen Forschung in diesem Bereich „der Menschheit den größten Nutzen gebracht“ hat. Die Ehrung für die medizinische Forschung ist eine von fünf, mit denen Nobel den Einsatz zu Gunsten der Mitmenschen über seinen Tod hinaus fördern wollte. Die Empfänger der Preise für Physik, Chemie, Literatur und Frieden werden in den kommenden Tagen bekanntgegeben. Ferner wird der Träger des erst später gestifteten Wirtschaftsnobelpreises bestimmt; diese Auszeichnung wurde 1968 von der Schwedischen Reichsbank im Einvernehmen mit der Nobel-Stiftung geschaffen.