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Mittwoch, 19. Juni 2013
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Medizin Hoffnung für Krebspatientinnen

 ·  Im Kampf gegen den Krebs ist belgischen Ärzten eine Premiere geglückt: Erstmals ist ein Baby auf die Welt gekommen, dessen Mutter sich einer Transplantation von Eierstockgewebe unterzogen hat.

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Im Kampf gegen den Krebs ist belgischen Ärzten eine Premiere geglückt: Erstmals ist ein Baby auf die Welt gekommen, dessen Mutter sich einer Transplantation von Eierstockgewebe unterzogen hat. Mit dieser Methode könnte schon bald die Gebärfähigkeit von unfruchtbar gewordenen Frauen wieder hergestellt werden, berichten die Wissenschaftler in der jüngsten Ausgabe des Medizinjournals „The Lancet“.

Eine 32jährige Belgierin brachte am Donnerstag in der Saint-Luc-Uniklinik in Brüssel ein gesundes, 3,7 Kilogramm schweres Mädchen zur Welt. Die Frau hatte sich wegen der Erkrankung am so genannten Hodgkins-Lymphom, einem Lymphknotenkrebs, im Alter von 25 Jahren einer komplizierten Chemotherapie unterziehen müssen, durch die ihre Fruchtbarkeit bedroht war. Die Ärzte hatten ihr jedoch vorsorglich die Eierstöcke herausoperiert, um eine spätere Schwangerschaft zu ermöglichen.

„Zehn Jahre Forschung gekrönt“

Durch die Geburt des Mädchens würden „zehn Jahre Forschung gekrönt“, erklärte die Saint-Luc-Klinik. „Es ist ein echtes Wunder für uns Eltern“, sagte die 32-jährige Mutter Ouarda Touirat. Die Behandlung der Belgierin erfolgte durch ein Team um den Gynäkologen Jacques Donnez, der von einer „Botschaft der Hoffnung“ für alle
Tumorpatientinnen sprach.

Mit dieser Methode könnten Frauen auf eine spätere Schwangerschaft hoffen, die „in jungen Jahren mit einer Krebserkrankung konfrontiert sind oder einen Fehler an den Eierstöcken haben“, erklärte Donnez. Die Eierstöcke der Patientin waren tiefgefroren aufbewahrt worden. Ihre Menstruation setzte fünf Monate nach der Rückimplantation des Eierstockgewebes ein, nach elf Monaten wurde sie auf natürlichem Wege schwanger.

Schwangerschaft auf natürliche Weise?

„Es ist nicht 100-prozentig klar, ob die Frau nur wegen der Behandlung schwanger geworden ist“, gibt der Endokrinologe Dr. Kutluk Oktay von der New Yorker Cornell Universität zu bedenken. Drei Jahre nach der Chemotherapie sei es möglich, daß eine Patientin wieder auf natürliche Weise Eizellen produziere.

Die Wissenschaftler in Belgien hätten es versäumt, das transplantierte Gewebe täglich zu überprüfen, um festzustellen, ob die letztendlich befruchtete Eizelle auch wirklich aus dem Transplantat gekommen sei. Sie hätten die Eizelle auch vorher im Labor befruchten und später in die Gebärmutter einsetzen können, um sicher zu sein, daß die Frau sie nicht auf natürlichem Weg produziert habe, sagte Oktay.

Nur an Affen getestet

Es gebe mehrere Hinweise darauf, daß die Schwangerschaft nur mit Hilfe des transplantierten Gewebe möglich geworden sei, schreiben dagegen die Wissenschaftler der Universität Löwen in „The Lancet“. In dem verbliebenen Eierstockgewebe hätten sie nach der Chemotherapie keine Eizellen mehr entdecken können. Es war das erste Mal, das ein solcher Eingriff an einem Menschen vorgenommen wurde. Er war zuvor an Affen getestet worden

Die Chemotherapie kann die Fruchtbarkeit von Krebspatienten beeinträchtigen. Das gilt auch für Männer. Während es für Männer jedoch relativ leicht ist, das Problem durch Einfrieren ihres Spermas zu lösen, ist die Entnahme von Eizellen weit komplizierter, zumal sie eine Hormonbehandlung erfordert, die häufig mit der Krebstherapie nicht vereinbar ist. Über den Fall der Belgierin war Ende Juni bei einer Fachtagung in Berlin berichtet worden.

Revolution in Reproduktionsmedizin

Experten zufolge könnte die Verpflanzung von Eierstockgewebe nicht nur für krebskranke Frauen eine große Hoffnung bedeuten. Ähnlich der künstlichen Befruchtung könnte die Therapie eine kleine Revolution in der Reproduktionsmedizin auslösen, weil es damit theoretisch möglich wird, die Menopause von Frauen um Jahre hinauszuschieben und das Gespenst der beharrlich tickenden „biologischen Uhr“ aus den Köpfen vieler Frauen zu vertreiben. Nach einer Eierstocktransplantation könnte eine Frau möglicherweise noch mit 50 Jahren oder später auf natürliche Weise schwanger werden.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AP und AFP
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