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Mattlack : Luxus-Design oder Ghetto-Chic

Teure Sonderausstattung: Mattlack Bild: dpa

Sportwagen und Luxuslimousinen mit matter Lackierung sind gefragt. Die Meinungen darüber, ob das nun schick oder gewöhnlich aussieht, gehen auseinander. Fakt ist: Die samtigen Lackierungen sind aufwendig und teuer.

          Groß und schwarz gleiten sie durch die Straßen. Das Umgebungslicht scheinen sie zu schlucken. Man sieht sie jetzt immer öfter, die matt lackierten Sportwagen und Luxuslimousinen mit samtiger Oberfläche. Cool oder prollig? Auf gute oder schlechte Art martialisch? Gehobener Firmenwagen oder nur Ghetto-Chic? Die Meinungen gehen auseinander beim neuesten automobilen Machtmenschen-Accessoire seit Erfindung der getönten Scheibe.

          Die Geschichte des Mattlacks im modernen Automobildesign ist noch ziemlich kurz. „Wir haben vor fünf Jahren auf der Frankfurter Automesse IAA ein Z4-Coupé in Mattlack vorgestellt“, sagt BMW-Sprecher Friedbert Holz. „In der Ofenrohrfarbe Mattsilber.“ Man habe damals die Reaktion des Publikums testen wollen. Und die fiel eindeutig aus: „Die Leute haben uns fast die Tür eingerannt. Die sind um das Auto herumgeschlichen und haben zu hunderten die Händler angerufen.“ Vergeblich, denn das Z4-Coupé war ein Ausstellungsstück. Inzwischen bietet BMW den Mattlack als Option für zwei Modelle an, nämlich den M3 und den M6. Der Aufpreis ist happig: Rund 3500 Euro kostet das matte Finish als Sonderausstattung beim M3-Coupé. „Wir müssen das verlangen“, sagt Holz. „Der Aufwand ist so hoch.“

          Mercedes-Benz zeigte das erste Sondermodell mit Mattlack im Jahr 2004, nämlich den Armani-CLK. Dann folgten Sondermodelle der G-Klasse, auf der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) 2007 ein Sondermodell des SLK und 2009 ein Sondermodell des CLS. Den Trend zum Mattlack sieht man auch bei dem schwäbischen Autobauer. Deshalb soll er künftig auch im Rahmen des Serienprogramms angeboten werden. „Kunden mit hoher Designaffinität und einem ausgeprägtem Bedürfnis nach Individualität“ stehen laut Ralf Stadelmaier von Mercedes-Benz im Fokus. „Und Kunden emotionaler Fahrzeuge wie Sportwagen, Coupés, Roadster und Cabrios.“

          „Silberfeil“ machte matt Furore

          Ein frühes Mercedes-Erfolgsmodell ist es übrigens, das unlackiert und damit mattsilbern für Aufsehen sorgte. Bei internationalen Rennen mussten deutsche Autos die Rennfarbe Weiß tragen, aber bei nationalen Rennen spielte die Lackierung keine Rolle. Beim Eifelrennen gewann 1934 ein Mercedes namens W 25, fortan nur „Silberpfeil“ genannt. Und natürlich gibt es eine Legende, die sich um die Entstehung des silberfarbenen Wagens rankt: Die internationale Sportbehörde hatte zuvor das maximal zulässige Gewicht auf 750 Kilogramm festgelegt, doch der Mercedes wog 751 Kilogramm. Der Rennleiter seufzte, „nun sind wir die Gelackmeierten!“, was wiederum den Piloten Manfred von Brauchitsch auf die Idee gebracht haben soll, den weißen Lack abzuschleifen. Über Nacht wurde der weiße Pfeil silbern, und seine Außenhaut bestand aus genietetem Aluminium - kühl und funktional. Eine schöne Geschichte, aber vermutlich stimmt sie nicht. Es gibt Belege, dass der W 25 schon vorher silbern war. Ob der Silberpfeil also aus ästhetischen Gründen unlackiert blieb, um das spartanisch Rohe und rein technische dieses Wagens zu betonen, bleibt bis auf weiteres ungeklärt.

          Die Verarbeitung moderner Mattlacke ist ein anspruchsvoller Prozess, da ist es mit ein bisschen Schleifen nicht getan. „Bei den Mattlacken handelt es sich um eine Komposition aus einem Mattierungsmittel und einem Zwei-Komponenten-Klarlack“, erklärt Stadelmaier. „Im Produktionsprozess erfordern diese Magno-Karosserien und -Anbauteile ein sehr sorgfältiges Handling, weil eine Politur von möglichen Lackfehlern nicht möglich ist.“

          Bisher nur für geringe Stückzahlen

          Deshalb wurde Mattlack bisher nur für geringe Stückzahlen eingesetzt. Doch bei den Lackherstellern entwickelt man das Verfahren schon weiter. Bei BASF-Coatings, einem Hersteller matter Lacke für Fahrzeuge, registriert man ebenfalls eine steigende Nachfrage nach der neuen Ästhetik. „Durch die scheinbar stumpfe Oberfläche strahlt er eine Art Kunststoffoptik aus“, sagt BASF-Farbdesignerin Eva Höfli. „Insbesondere Silbertönen verleihen matte Klarlacke eine hochtechnische und kühle Qualität.“

          Hinzu kommt die martialische Anmutung, die vor allem jüngere Leute interessiert – wie man auch an matt lackierten Fahrrad- oder Motorrad-Helmen sieht. Bei der Tuningwerkstatt Brabus hingegen kann man keine ans Alter oder den sozialen Status gebundene Vorliebe erkennen. Weiterentwicklungen gehen am ehesten in Richtung weitere Farben. Derzeit ist die matte Lackierung dort nur in Silber und Schwarz erhältlich. Wenn das Verfahren günstiger wird, hätte man auch bei BMW durchaus Interesse, den Mattlack auch für die Einser- oder Dreier-Serie anzubieten, aber das ist noch Zukunftsmusik.

          Höhere Folgekosten

          Auch die Folgekosten können für den stolzen Besitzer eines matt lackierten Wagens höher sein. „Die Pflege ist nicht aufwendiger. Aber im Falle eines Unfalls muss man deutlich mehr hinlegen“, sagt BMW-Sprecher Holz. Kleinstreparaturen sind nicht möglich. Bei einem Kratzer, zum Beispiel am Kotflügel, muss das gesamte Teil neu lackiert werden.

          Nicht gerade ein Boom ist der Mattlack dagegen bei Audi. Dort lagert man solche Individualisierungswünsche an das Tochterunternehmen Quattro GmbH aus, das alle Farben in Mattlack darstellen kann. Auch bei Abt Tuning sieht man keinen grassierenden Trend: „Im Moment kommen eher wieder die Brauntöne“, meint Sprecher Florian Büngener. Und wenn schon eine matte Optik, dann nicht als Lack: „Die meisten Kunden lassen das Auto bekleben. Man weiß ja nie, wie lange der Trend hält. Außerdem schützt die Folie den Lack.“ Deutlich billiger ist das Bekleben des kompletten Autos mit Folie auch, und den Unterschied sieht ohnehin nur der Fachmann.

          Quelle: F.A.Z.

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