22.10.2001 · Abenteuer Mars, nächster Teil. Die Forschungssonde Odyssey soll am Dienstag eine stabile Umlaufbahn um den Planeten einschlagen. Einen Misserfolg kann sich die Nasa nicht erlauben.
Für Daniel S. Goldin wäre es ein wunderbarer Abschluss seiner fast zehnjährigen Arbeit. Rund drei Wochen bevor der noch amtierende Chef der amerikanischen Raumfahrtbehörde Nasa in den selbst gewählten Ruhestand tritt, soll die Marssonde "Odyssey" am Dienstag in eine Umlaufbahn um den Roten Planeten einschwenken. Für Goldin wäre dies nicht nur eine Genugtuung am Ende einer langen Amtszeit, sondern auch eine Beruhigung. Denn Wohl und Wehe von Goldins Nachfolger wird eng mit dem Erfolg des ambitionierten Marsprogramms verbunden sein. Im Jahr 2018 soll der erste Mensch unseren Nachbarplaneten betreten.
Wie ambitioniert dieses Ziel ist, zeigt die Statistik. Von 30 Missionen, die drei Staaten in den vergangenen 40 Jahren in Richtung Mars losschickten, war nur ein Drittel erfolgreich. Zuletzt erschütterte 1999 der 300-Millionen-Dollar-Verlust der Schwestersonden "Polar Lander" und "Climate Orbiter" auf Grund von Flüchtlingskeitsfehlern sowohl das Marsprogramm als auch die grundlegende Strategie der Nasa. Ab sofort sollte es nicht mehr heißen "schneller, besser, billiger", wie die von Goldin formulierte Losung lautete. Stattdessen will man sich künftig mehr Zeit lassen, sorgfältiger arbeiten. Das macht die Forschung insgesamt langwieriger, deutlich teurer, aber auch erfolgreicher, da so teure Fehler vermieden werden können - so die Hoffnung. Die Nasa steht also unter Erfolgsdruck. Die öffentlichen Gelder sind seit jeher knapp, und der von Präsident Bush ausgerufene "Krieg gegen den Terror" wird weitere immense Mittel verschlingen.
Erste Mission nach neuen Maßstäben
Die "Odyssey" ist die erste Sonde, die die Nasa nach den neuen Richtlinien auf ihren 200 Tage und 460 Millionen Kilometer langen Weg geschickt hat. Soll ein bemannter Flug zum Roten Planeten nicht noch für lange Zeit ein Traum bleiben, so müssen die kommenden Missionen erfolgreich sein, damit endlich die Vorbereitungen vorankommen. Die "Odyssey" soll das Strahlungsniveau auf dem Mars messen, die vorhandenen chemischen Elemente und Mineralien analysieren und die Geologie des Planeten erforschen. Kurz: Sie soll die Bedingungen ermitteln, unter denen die ersten Astronauten auf der kalten Steinkugel überleben müssten.
Außerdem soll die Sonde nach Wasserspuren im Frostboden der roten Kugel suchen. Dies nicht nur, um zu beweisen, dass dort eine Grundlage für mögliches Leben existiert, sondern auch um die Möglichkeiten einer Besiedlungen unseres Nachbarplaneten zu prüfen. Gefrorene, unterirdische Wasservorkommen würden nicht nur erste Schritte auf dem Mars, sondern auch das Erreichen noch viel größerer Ziele erleichtern: die Besiedlung oder gar das Terraforming, also die Umformung der kalten und dürren Welt mit dünner Atmosphäre in eine Art zweite Erde.
Kommandosequenz läuft bereits
Doch bis dahin muss noch so manche Sonde zum Mars fliegen. Immerhin: Bisher scheint die "Odyssey" gut zu funktionieren. Zu spektakulären Bildern des Hubble Teleskops eines globalen Mars-Sturms lieferte die Sonde bereits die Messwerte aus der Atmosphäre. "Das Raumschiff, die Bodensysteme und das Team sind bereit für den Eintritt in den Marsorbit", gibt sich Matthew Landano, "Odyssey"-Projektmanager beim Jet Propulsion Laboratory der Nasa in Pasadena, optimistisch.
"Die Kommandosequenz für den Eintritt in den Orbit haben wir am 15. Oktober aktiviert", so Landano weiter. Wenn alle Kommandos sitzen, wird die "Odyssey" am Dienstag ihr Haupttriebwerk zünden. Dadurch wird die Sonde gebremst und in eine eiförmige Umlaufbahn um Mars gezogen. In den folgenden Monaten wird sich die Sonde mehrfach an der Atmosphäre des Planeten reiben und durch dieses so genannte Aerobraking ihre Umrundungszeit von 19 auf zwei Stunden verkürzen. Aus 400 Kilometer Höhe soll die "Odyssey" dann ihre Daten sammeln.
20 Minuten banges Warten
Dies alles natürlich nur, wenn alle programmierten Manöver klappen. Etwa 20 Minuten lang wird der Forschungssatellit nach dem Zünden des Triebwerks im Schatten des Mars' sein. Erst wenn es dann wieder Kontakt zur Erde gibt, weiß die Missionskontrolle, ob ihr Gefährt noch auf Kurs ist - oder ob die "Odyssey" ihrem Namen zum Leidwesen der Nasa alle Ehre gemacht hat.