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Mars Ankunft in einer Oase der Phantasie

 ·  Der Planet Mars fasziniert die Menschen seit Jahrhunderten. Gibt es dort Leben, gibt es Wasser? Die „canali“, die Giovanni Schiaparelli im Jahr 1877 entdeckte, gaben viel Anlaß für Spekulation.

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Für die Behauptung, das Universum sei unendlich groß und beherberge wohl eine Vielzahl bewohnter Welten, wurde Giordano Bruno im Jahr 1600 auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Immanuel Kant hat 1755 in seiner "Allgemeinen Naturgeschichte und Theorie des Himmels" dagegen ungestraft die Vermutung geäußert, die meisten unter den Planeten seien gewiß bewohnt.

Als Giovanni Schiaparelli im Jahr 1877 feine, schnurgerade Linien auf dem Mars entdeckte, die er als "canali" bezeichnete und für technische Systeme von Marsbewohnern hielt, stand für zahlreiche Astronomen fest: Auf dem Roten Planeten gibt es intelligente Lebewesen. Die Meinung war verbreitet, der Mars sei eine Welt wie die Erde - mit heftigen Gewittern und Stürmen, Vulkanausbrüchen und gesellschaftlichen Unruhen.

Doch längst hat sich Ernüchterung breitgemacht. Die Marskanäle entpuppten sich als optische Täuschungen, und jahreszeitliche Verfärbungen erwiesen sich als die Folge von gelegentlichen Staubablagerungen statt einer Ausbreitung und des anschließenden Rückzugs von Pflanzendecken. Mit erloschenen Vulkanen, riesigen Schluchten und ausgetrockneten Flußbetten ist der Mars zumindest in unserer Zeit ein toter Planet - auf dem es allerdings zahlreiche Veränderungen gibt, wie einige der Bilder auf dieser Seite zeigen. Im Frühling verschwindet der Frost auf Dünen in den Polargebieten und läßt sie dunkler erscheinen, oder Windhosen hinterlassen unregelmäßige, dunkle Spuren im Gelände.

Ankunft in einer Oase der Phantasie

Könnte es sein, daß trotzdem einst wenigstens Mikroorganismen auf dem Planeten existierten? Solche Fragen zu klären ist Aufgabe dreier Marssonden, von denen die erste, die europäische "Beagle 2", in der kommenden Nacht auf unserm kosmischen Nachbarn landen soll.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung
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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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