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Vornamen in Island : Du darfst nicht Harriet heißen

  • -Aktualisiert am

Raus aus Reykjavik: Wer sich in Island Harriert oder Duncan nennen will, sollte besser den Abflug machen Bild: picture alliance / dpa

Island hat ein eigenes Gesetz für die Vornamen seiner Einwohner. Es gibt sogar eine offizielle Liste mit erlaubten Namen. Harriet gehört nicht dazu – auch wenn bisher mindestens ein Mädchen so hieß. Die Familie probt den Aufstand.

          Sie heißen Harriet? Dann sollten Sie lieber nicht versuchen, in Island einen Ausweis zu beantragen, denn Sie würden wahrscheinlich scheitern – so wie es der zehn Jahre alten Harriet Cardew passiert ist.

          In Amerika, Großbritannien und so ziemlich allen anderen Ländern der Welt ist Harriet ein normaler Vorname, in Island aber ist er verboten. Seit 1996 gibt es in Island ein Namensgesetz. Es hat 28 Artikel mit Vorschriften zu Vor-, Nach- und Beinamen. So muss jeder Einwohner Islands mindestens einen, maximal jedoch drei Vornamen haben. Diese müssen sich an die Nominativ-, Genitiv-, Dativ- und Akkusativendungen anpassen lassen. „Das war das Problem bei Harriet“, sagte ihr Vater Tristan Cardew dem Guardian“. Außerdem gibt es ein eigenes Komitee, dass die Namensgebung überprüft – und eingreift, wenn ein Name nicht den Richtlinien entspricht. 1853 weibliche und 1712 männliche Vornamen werden von der Regierung in Island akzeptiert.

          200 Isländer heißen Mädchen oder Junge

          Harriet und ihr Bruder Duncan (dessen Name übrigens auch nicht erlaubt ist) leben in Island, sie sind sogar isländische Staatsbürger. Trotzdem tragen sie die Namen Stúlka und Drengur – isländisch für Mädchen und Junge. Rund 200 Personen haben diese Namen, berichtet The International Business Times. Darunter sind Kinder, die von ihren Eltern noch keinen Namen bekommen haben, aber auch Personen, deren Namen in Island nicht erlaubt sind.

          Für Harriet begann das Ungemach damit, dass ihr Ausweis abgelaufen war. Als ihre Eltern einen neuen beantragen wollten, legte das Namenskomitee Widerspruch ein. Die Begründung: Sie brauche einen isländischen Namen. Inzwischen hat das Mädchen vorübergehend einen englischen Pass, doch die Familie kämpft dafür, dass ihr Name auch in ihrem isländischen Pass stehen darf. Laut dem Anwalt der Familie verletze das Verbot Harriets Grundrechte.

          Es wäre nicht das erste Mal, dass die Entscheidung über den Vornamen erst vor Gericht fällt. Im vergangenen Jahr klagte ein 15 Jahre altes Mädchen gegen das Namensverbot. Sie heißt Blaer, wurde in offiziellen Dokumenten jedoch nur Stúlka genannt. Den Prozess gegen die isländische Regierung hat sie gewonnen. Auch Jón Gnarr, der frühere Bürgermeister von Reykjavik, nennt das Gesetz „unfair, dumm und gegen die Kreativität.“

          Eine Möglichkeit haben die Cardews, um Harriets Vornamen doch noch in ihren Ausweis eintragen zu lassen – sie müssten ihr nur einen isländischen Zweitnamen geben. „Dafür ist es jetzt etwas zu spät“, sagt ihr Vater. „Wollen die uns hier nicht?“

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