10.12.2004 · Kenianerin erhält Friedensnobelpreis in Oslo / Einsatz für Umwelt, Demokratie und Bürgerrechte
vL. STOCKHOLM, 10. Dezember. Die kenianische Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai hat am Freitag in Oslo politische Führer, vor allem in Afrika, dazu aufgerufen, den "demokratischen Freiraum" auszuweiten. Frieden könne es nur mit guten Regierungen geben. Lösungen für Konflikte und die Überwindung der Armut in Afrika müßten in erster Linie aus Afrika selbst heraus kommen. Die Afrikaner müßten ihre Regierungen an Werte wie Gerechtigkeit, Integrität und Vertrauen erinnern. Der Leiter des norwegischen Nobelkomitees, Ole Danbolt Mjøs, hob Wangari Maathais langjährigen Einsatz für die Umwelt, für Demokratie und Bürgerrechte hervor.
Bei der Feier im Rathaus von Oslo wies die 64 Jahre alte Frau Maathai auf die enge Wechselwirkung zwischen der Bewahrung der Umwelt und dem Frieden hin. Viele teilten die Welt in Schubladen ein, ohne deren inneren Zusammenhang zu sehen. Auch Friedensforscher sähen aber zunehmend Abhängigkeiten zwischen Umwelt und Frieden. Die von Frau Maathi vor 30 Jahren gegründete "Grüngürtelbewegung" hat mehr als 30 Millionen Bäume gepflanzt, um der Abholzung weiter Landstriche in Afrika entgegenzuwirken. Bäume seien in Afrika zum Symbol geworden für den demokratischen Kampf und den Frieden, sagte die Biologin, Hochschullehrerin und stellvertretende Umweltministerin Kenias. Wangari Maathai ist der siebte Friedensnobelpreisträger aus Afrika und die erste afrikanische Frau, die den Preis bekommt. Der Preis werde, so hoffe sie, afrikanische Frauen und Mädchen ermutigen, ihr Potential zu erkennen und zu nutzen.
Frau Maathai dankte in ihrer Rede den Ländern, die ihre Arbeit angeregt hätten - ihrem Heimatland Kenia, den Vereinigten Staaten und Deutschland, wo sie Tiermedizin studiert hat. Sie wies aber auch darauf hin, daß viele Entwicklungshelfer in drei Jahrzehnten wenig ausgerichtet hätten. Jetzt wendeten sie sich ab und sagten, Afrika müsse seine Probleme selber lösen. Zu oft hätten Hilfsgelder korrupte Politiker bereichert, statt dem Volk zu helfen. Frau Maathai rief alle Geber und die Weltbank dazu auf, Hilfe nur zu leisten, wenn die Empfänger eine gute Regierungsführung sicherten. Sie ging auch auf ihre Meinung zur Ursache der Immunkrankheit Aids ein, für die sie kritisiert worden war. Sie habe nie gesagt, daß der Virus "von weißen Menschen oder weißen Mächten" entwickelt worden sei, um afrikanische Völker zu zerstören. Solche Ansichten seien "unsinnig und destruktiv".
Mit der Verleihung des Friedensnobelpreises an Frau Maathai weitete die Nobelstiftung in Oslo ihren Friedensbegriff aus. Die Bewahrung der Umwelt sei ein Weg zum Frieden, sagte Mjøs. Bisher wurden in den gut hundert Jahren der Verleihung meist Bürgerrechtler und Politiker ausgezeichnet. Am Freitag erhielten mehr Frauen als je zuvor Nobelpreise, nämlich drei der zwölf Preisträger. In Stockholm hatte der schwedische König Carl Gustav die Nobelpreise für Medizin, Chemie, Physik und Wirtschaft überreicht. Die Trägerin des Literaturnobelpreises, die Österreicherin Elfriede Jelinek, nahm wegen ihrer Krankheit nicht an den Feiern teil.