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Liebesgeschichte Schwarz-weiße Romanze

15.09.2006 ·  Eine ungewöhnliche Liebesgeschichte aus der Tierwelt: Auf dem Münsteraner Aasee hat sich ein Trauerschwan in einen Plastikschwan verliebt. Der „schwarze Peter“, wie ihn die Münsteraner nennen, läßt seine riesige Freundin nicht mehr aus den Augen.

Von Katrin Hummel, Münster
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Er ist schwarz, sie ist weiß. Er ist klein, sie ist groß. Er ist ein Mann, sie eine Frau, er begehrt, sie verwehrt. Beide gemeinsam halten Schulklassen und Busgesellschaften in Atem, zeigen sich japanischen und amerikanischen Kamerateams und sorgen ganz nebenbei auch noch dafür, daß bei Yachtschulbesitzer Peter Overschmidt die Kasse klingelt. Er nämlich ist ihr rechtmäßiger Besitzer, und wenn er morgens ins Büro kommt und sieht, daß jener andere um sie buhlt, denkt Overschmidt: „Der Tag ist mein Freund.“

Dabei begann alles so traurig: Vor zwei Jahren erweiterte Overschmidt seinen Tretbootverleih auf dem Münsteraner Aasee um zwei große Kunststofftretboote in Schwanenform: eine 1,50 Meter große Schwanendame mit dazugehörigem Erpel. Beide lagen des Nachts Seit' an Seit' am Steg, bis der Erpel eines Morgens ausgebrannt neben seiner Liebsten vorgefunden wurde. Fortan fristete die Kunststoffschönheit ihre Nächte einsam und allein weit draußen auf dem See, vor Ungemach geschützt, an einer Boje vertäut.

Ihr Anblick wird es gewesen sein, der jenen anderen auf den Plan rief: einen schwarzen Trauerschwan, der seit Mitte Mai in tiefer Ergebenheit seine Bahnen um die majestätisch Dümpelnde zieht und sich weder zum Ende der Brutzeit noch mit dem Beginn der Balzzeit von ihr losgesagt hat. Eine starke Bindung habe er wohl zu dem Tretboot aufgebaut, sagt Wolfgang Fiedler, Vogelkundler am Max-Planck-Institut für Ornithologie in Radolfzell, und das sei nicht ungewöhnlich für einen wie ihn.

Er schläft sogar neben ihr

Eigentlich sei er in Australien zu Hause, in Deutschland komme er nur als Parkvogel vor, und aus einem Park sei er vermutlich auch entwichen. Weil hierzulande in freier Natur keine Schwarzschwäne aufzufinden sind und auf dem Aasee auch keine anderen Schwäne leben, suche er sich, was in der Natur gar nicht so selten passiert, „das Zweitpassendste, um seine Triebe auszuleben“. Konkret bedeutet das: Der schwarze Peter, wie er von dem Münsteranern genannt wird, umkreist seine Herzdame eigentlich rund um die Uhr. Nach Beobachtung des Yachtschulbesitzers schläft er sogar neben ihr.

Was aber, wenn Peter Overschmidt seinen Geschäften nachgehen und die kühle Blonde vermieten will? „Er ist uns hinterhergeschwommen und wir haben ihn mit Knäckebrot gefüttert“, sagt Ute Klaes, Grundschullehrerin aus Havixbeck, die mit ihrem sechsjährigen Sohn Jan regelmäßig über den Aasee schippert. Einmal schlug das Drama zu, als von einem anderen Tretboot aus leckerere Kekse verteilt wurden - da nämlich habe Peter seiner Angebeteten den Bürzel gezeigt und sich fortlocken lassen. „Man merkte dann richtig, daß er uns suchte“, sagt Ute Klaes. „Er war unruhig und schwamm hin und her, und dann quäkte er, als habe er seine Mutter verloren.“ Ganz schön anstrengend, einer unerfüllten Liebe rund um die Uhr hinterherzujagen. Und so ist der Galan insbesondere an den Wochenenden, wenn die Tretbootschönheit ausgebucht ist, ziemlich k.o. vom vielen Schwimmen.

Wie lange die Romanze noch dauern wird, kann - wie bei den meisten Beziehungen - niemand sagen. Nur so viel steht fest: Trauerschwäne leben normalerweise monogam - und sie verschmähen weiße Schwäne. Bei der Wahl der Ersatzobjekte, die sie anbalzen, sind sie allerdings äußerst flexibel. So ist es nach Angaben von Vogelkundler Fiedler nicht auszuschließen, daß Peter sich bei fortdauernder Frustration auch mal an eine einfache schwarze Boje heranschmeißen wird.

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Jahrgang 1968, Redakteurin im Ressort „Gesellschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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