http://www.faz.net/-gum-16ja5

Lena Meyer-Landrut im Gespräch : „Und dann war ich plötzlich weiter“

Lena Meyer-Landrut: Man kann sie einfach gern haben Bild:

In kurzer Zeit wurde aus einer Schülerin unser Star für Oslo. Seither bricht sie alle Rekorde und verzückt eine ganze Nation. Man kann sie einfach gern haben. Muss man auch? Ein Portrait.

          Man kann sie einfach gern haben. Muss man auch? Irgendwie schon. Wie sie sich da auf dem Sofa fläzt, in schwarzer Gymnastikhose, grauem Sweat-Shirt, die dunklen Haare hochgesteckt. Um den Hals trägt sie ein Lederband mit schwarzem Kreuz, dazu eine lange Silberkette. Sie gähnt ungeniert. War ein bisschen viel an diesem Tag und überhaupt – in der letzten Zeit. Noch im Januar war sie nur eine von vielen hoffnungsfrohen Abiturientinnen in Deutschland. Im Februar schon die Favoritin für „eine nationale Aufgabe“ (Stefan Raab). Im März: Unser Star für Oslo. Seither ist sie Rekord-Chart-Stürmerin (mit auf Anhieb drei Liedern unter den Top-Fünf), die bekannteste Achtzehnjährige des Landes und – nach Meinung nicht nur britischer Wettbüros – heiße Kandidatin für den ersten Platz beim Grand Prix in Norwegen. Im April folgte das Abitur, danach nahm sie in nur einer Woche ihr erstes Album „My Cassette Player“ auf. An einem Teil der Lieder hat sie mitgeschrieben, meist übers Telefon mit ihrem Mentor Stefan Raab. Nun ist Mai – und für Lena Meyer-Landrut hat der große Endspurt für das Finale des 55. Eurovision Song Contest begonnen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          „Hallo, ich bin Lena“, sagt sie zur Begrüßung. Selbstbewusst duzt sie ihr Gegenüber – und wirkt doch ein wenig unsicher. Vorsichtig ist sie sowieso. Zu viel will sie keinesfalls von sich preisgeben. Selbst das Buch, in dem sie gerade noch gelesen hat, dreht sie um, als wolle sie den Titel verbergen. Wer weiß, was sonst in der Zeitung steht. Ein Fotograf ist nicht zugelassen, die Zeit, als es noch Bilder des ungeschminkten Backfisches gab, sind vorbei.

          „Bin ich dir zu stressig?“

          Lena ist bekanntermaßen schlagfertig, und sie kann spontan die schrägsten Sachen sagen. „Bin ich dir zu stressig?“, fragt sie nach einer Weile und lacht. Dann fügt sie leicht ironisch hinzu, dass sie ja nur so schnell rede, weil sie die Fragen schon alle zu kennen meine. Allerdings kann sie durchaus auch schweigen. Wer ihr im Gespräch zu nahe kommt, den speist sie kalt lächelnd (das kann sie: kalt lächeln!) mit einem: „Dazu sage ich nichts“ ab. Privates ist tabu. Dass viele das bedauern, versteht sie – natürlich. Andererseits habe sie „keinen großen Output“ an Privatsphäre, den sie geben könnte. „Und eigentlich hat’s ja auch keinen zu interessieren.“

          Muss man auch? Irgendwie schon.

          Ihre Zurückhaltung erinnert sehr an Stefan Raab, der zum derzeit alles bestimmenden Faktor in Lena Meyer-Landruts Leben geworden ist. Der Moderator, der nicht immer zimperlich mit seinen Mitmenschen umgeht, selbst aber höchsten wert auf die Privatheit seines Privatlebens legt, weiß wie kaum ein anderer, musikalische Talente zu entdecken und zu fördern. Er fungiert dann als Freund, Berater und ist – zusammen mit seiner Firma Brainpool TV – ein geradezu unüberwindlicher Schutzwall, hinter dem sich nun auch Lena sicher und geborgen fühlen kann. Seit Wochen schon ist sie in einem Hotel in Köln zu Hause, die meiste Zeit des Tages verbringt sie in der Brainpool-Zentrale im Stadtbezirk Mülheim.

          „Und dann war ich plötzlich weiter

          Offenbar war Lena schon ein Fan von Stefan Raab, lange bevor sie sich das erste Mal begegneten. Eine Freundin hatte ihr im vergangenen Jahr eine Eintrittskarte für „tv total“ geschenkt. Wenig später entdeckte sie auf der Internetseite von Raabs Pro-Sieben-Sendung das Logo zu „Unser Star für Oslo“. „Ich hab’s angeklickt und mich dann sofort angemeldet, ohne groß darüber nachzudenken.“ Eine Woche später sei sie schon zum Casting gefahren. „Und dann war ich plötzlich weiter.“ Eingeweiht hatte sie zunächst nur ihre Mutter, die von der Idee zwar nicht begeistert war („weil sie Castings, die man sonst so kennt, für nicht gut befand“) und darum die Reise von Hannover nach Köln auch nicht bezahlte. „Inzwischen“, sagt die „USFO“-Gewinnerin verschmitzt, „hat sie ihre Meinung aber geändert.“

          Weitere Themen

          Arbeit am Akkord

          ESC-Kandidaten im Camp : Arbeit am Akkord

          Die sechs Kandidaten für den deutschen Vorentscheid zum Eurovision Song Contest stehen fest. Im Songwriting-Camp arbeiten sie intensiv an neuen Liedern für den Wettbewerb. Aber wie gewinnt man den ESC eigentlich?

          Hauptsache, Mensch

          Herbert Grönemeyer im Gespräch : Hauptsache, Mensch

          Er ist einer der erfolgreichsten deutschen Sänger: Herbert Grönemeyer spricht über sein neues Album „Tumult“, über die Fehler von Mesut Özil und Angela Merkel sowie über vergebliche Anrufe bei dem legendären Produzenten Rick Rubin.

          Anita, Yoko und me, too

          Marianne Faithfull im Gespräch : Anita, Yoko und me, too

          Marianne Faithfull ist einundsiebzig Jahre alt. Mit siebzehn wurde sie ein Star, jetzt erscheint „Negative Capability“, ihr 21. Album. „Es war furchtbar“, sagt sie über die sechziger Jahre im Pop. Ein Gespräch.

          Topmeldungen

          Migranten aus Mittelamerika klettern am 29. Oktober auf den Anhänger eines Lastwagens, während eine Karawane von Menschen ihren langsamen Marsch zur amerikanischen Grenze fortsetzt.

          Flüchtlingstreck nach Amerika : Endstation Mexiko?

          Tausende Menschen schieben sich aus Honduras durch Mexiko in einer langen Karawane Richtung Amerika. Doch Donald Trumps Drohung zeigt bei den ersten Flüchtlingen Wirkung.
          Quirinale: Sitz der italienischen Regierung.

          Euro-Tief : Italien schwächt den Euro

          Der Wechselkurs der Gemeinschaftswährung fällt auf den niedrigsten Stand seit Juni 2017. Am Markt herrscht Einigkeit: Schuld daran ist Italien. Und das Verhalten der populistischen Regierung in Rom verheißt auch für die Zukunft nichts Gutes.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.