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Freitag, 10. Februar 2012
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Leiche auf Hochsitz entdeckt Tagebuch des Verhungerns

12.02.2008 ·  Die Arbeit verloren, die Ehe gescheitert, die Tochter sagte sich von ihm los: Es war wohl die blanke Verzweiflung, die einen 58-Jährigen in den Wald trieb. Einen Hochsitz wählte er als letzte Zuflucht. Zurück blieb ein erschütterndes Tagebuch.

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Es war ein grausiger Fund, den zwei Jagdpächter am Freitag im Solling (Weserbergland) machten. Bei Reparaturarbeiten an einem Hochsitz in der Nähe des niedersächsischen Ortes Uslar entdeckten sie eine mumifizierte Leiche. Der 58 Jahre alte Mann aus Hannover war offenbar verhungert und lag wahrscheinlich schon seit Dezember tot dort oben. Wirklich grausig erscheinen aber vor allem die Umstände seines Hungertodes: Der Arbeitslose war vermutlich verzweifelt, hungerte sich allem Anschein nach bewusst zu Tode. Seinen Leidensweg hielt er in einem Tagebuch fest.

Die Jagdpächter fanden die Leiche auf einer Schaumstoffmatratze liegend. Neben ihm lagen eine Art Tagebuch, DIN A5 mit dunkelblauem Plastikeinband, und eine rucksackähnliche Tasche. Die Tagebucheintragungen legen nahe, dass der Mann nicht mehr weiterleben wollte. Nach einem Bericht der „Hessisch/Niedersächsischen Allgemeinen“ hat sich der Hannoveraner mit Absicht zu Tode gehungert. Die Polizei wollte zu dem Fall bisher keine näheren Angaben machen, geht aber von einem Selbstmord aus und bestätigte die Details aus dem Zeitungsbericht.

24 Tage ohne Nahrung

Demnach soll der Mann im Spätherbst mit seinem Fahrrad in den Solling gefahren sein. Er war früher im Außendienst tätig, kannte deswegen das Gebiet, das eines der größten zusammenhängenden Waldgebiete und höchsten Mittelgebirge in Norddeutschland ist, wohl gut. Doch schon seit einiger Zeit war der Mann arbeitslos. Seit Oktober vergangenen Jahres bekam er offenbar auch kein Arbeitslosengeld mehr. Seine Ehe war in die Brüche gegangen. Auch seine Tochter hatte sich von ihm losgesagt. Aus lauter Verzweiflung hatte sich der Mann daher einfach auf sein Fahrrad gesetzt und war losgefahren.

In seinem Waldversteck dokumentierte er akribisch sein Dahinsiechen. Er schreibt von 24 Tagen ohne Essen. Er hatte Schmerzen. Nur ab und zu trank er ein wenig Wasser. Einmal sei er beinahe entdeckt worden: Ein kleines Mädchen wollte den Hochsitz hochklettern. Im letzten Moment wurde sie allerdings noch von ihrem Vater zurückgehalten.

Der letzte Eintrag in dem kleinen Büchlein datiert dem Bericht zufolge vom 13. Dezember. Darin heißt es: „Nach meinem Tode ist das Heft an meine Tochter zu übergeben.“ Die Polizei will diesem Wunsch nun nachkommen. Schließlich sei das Tagebuch eine Art Nachlass, sagte ein Sprecher.

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa
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