Nachdem der erste Freudenrausch verflogen ist, debattieren die Briten die nüchterne Frage, wer eigentlich die Rechnung für die Traumhochzeit des mutmaßlich übernächsten Königs William und seiner Braut Catherine Middleton bezahlt, die nächstes Jahr am Freitag nach Ostern die ganze Welt vor die Fernsehschirme ziehen wird. Die Königin hat zwar wissen lassen, sie übernehme die Sache. Aber erstens weiß niemand, wie hoch die Rechnung für das Mieten einer Abtei, die Bewirtung von 2000 Gästen, für Straßensperren und Flitterwochen tatsächlich ausfällt. Und zweitens ist die Monarchin momentan selbst ziemlich klamm.
Seit Jahren schon lebt Elisabeth II., was ihre offiziellen Bezüge betrifft, quasi von der Hand in den Mund. Denn die Zivilliste, die praktisch das Haushaltsgeld darstellt, das die Königin aus den Händen des Finanzministers für ihre laufenden Kosten erhält, ist seit zwanzig Jahren auf die feste Summe von 7,9 Millionen Pfund pro anno fixiert; momentan sind das rund neun Millionen Euro. Einstmals, zu Beginn der neunziger Jahre, waren 7,9 Millionen Pfund eine stattliche Stange Geld. Der Buchhalter der Königin, der unter dem Titel „Hüter der königlichen Privatschatulle“ firmiert, konnte daraus beträchtliche Rücklagen bilden. Das war durchaus beabsichtigt, um die Bezüge des Staatsoberhauptes nicht ständig neu aushandeln zu müssen.
Ersparnisse aufgezehrt
Doch mittlerweile sind die Kosten für den Haushalt so stark gestiegen, dass die Ersparnisse im nächsten Jahr aufgezehrt sein werden. Und 2012, ausgerechnet im Jahr des diamantenen Thronjubiläums Elisabeths, die 1952 Königin wurde, würde im Etat der britischen Krone eine Lücke von so dramatischem Ausmaß klaffen, dass, in kaufmännischen Maßstäben gemessen, das Wort „Konkurs“ bequem hineinpasste.
Dass es so weit kommen konnte, hat Elisabeth II. ihrem entfernten Vorgänger William III. zu verdanken, der vor mehr als 300 Jahren als erster Monarch das Verfügungsrecht über das Vermögen der Krone weitgehend an das Parlament verlor. Das geschah kurz nach der „Glorious Revolution“ des Jahres 1688 und somit in einem Moment, in dem der neue König William, der vom protestantischen Adels-volk aus den Niederlanden beschafft worden war, sich zu allerlei Zugeständnissen bereitgefunden hatte - eben weil er auf den englischen Thron klettern wollte. Seither wandern sämtliche Einkünfte aus dem Grundbesitz, der einst unmittelbar dem König gehörte, also aus vielen Wäldern und Ländereien, aber auch aus wertvollen Londoner Grundstücken, in die Staatskasse. Aus dieser wiederum bezieht der Monarch sein Fixum.
Elisabeth II. hat es in jüngerer Zeit an Sparmaßnahmen nicht fehlen lassen, um Regierung und Untertanen zu demonstrieren, dass sie auch in mageren Jahren ihrer königlichen Vorbildfunktion gerecht werde. Die Zahl der Gartenpartys auf dem Rasen des Buckingham Palace wurde von sieben auf sechs vermindert. Ersparnis: rund 120.000 Euro. Der Posten „Computer und Informationstechnik“ wurde auf rund 240.000 Euro halbiert. Passend fügte sich da die Nachricht ein, Prinz Philip, der Gatte der Königin, habe seinem Schneider eine vierzig Jahre alte Hose, einst dem Prinzgemahl angemessen, mit der Bitte zugesandt, das Beinkleid etwas enger zu fassen, weil sich die Mode doch inzwischen geändert habe.
Renovierungsbedarf höher als die Mittel
An Kleidung wird im Buckingham Palace überhaupt seit je gespart. Die stets wechselnden Pastellkostüme, in denen sich die Königin bei offiziellen Anlässen zeigt, mögen auf den ersten Blick das Gegenteil vermuten lassen. Doch sind bei Neueinstellungen für den rund 400 Kräfte zählenden Hofstaat nicht nur die beruflichen Qualifikationen der Gärtner, Köche und Buchhalter bedeutsam, sondern auch deren Körpergröße. Denn bei hohen Protokoll-Anlässen, ausländischen Staatsbesuchen etwa, müssen fast alle Bediensteten, vom Chauffeur bis zum Zimmermädchen, in rotgoldene Prachtlivreen schlüpfen. Weil deren Anfertigung mehrere Tausend Pfund das Stück verschlingt, sollen sie möglichst viele Bedienstete auftragen.
Der Vollständigkeit halber sind allerdings staatliche Kostenerstattungen für Staatsbesuche und andere Pflichten, welche die Monarchin in ihrer Funktion als Staatsoberhaupt erfüllt, zu den Einkünften der Zivilliste hinzuzuzählen. Außerdem überweist das Kulturministerium jährlich einen Betrag von umgerechnet gut 17 Millionen Euro an die Königin. Dieser Posten ist für Unterhalt und Renovierung der offiziellen Residenzen gedacht: Buckingham Palace, Windsor Castle, Holyrood House in Edinburgh. Doch die Paläste verfallen mittlerweile rascher, als sie mit diesen Mitteln repariert werden können. Im Buckingham Palace soll es Zimmer geben, die seit dem Dienstantritt Elisabeths II., also seit 59 Jahren, noch kein einziges Mal renoviert worden sind.
Fast hätte die neue, seit Mai amtierende Regierung aus Konservativen und Liberaldemokraten die finanzielle Lage der Krone noch verschlimmert. Immerhin kündigte sie Einsparungen von „durchschnittlich 25 Prozent“ in fast allen Regierungsressorts an. Kürzungen solchen Ausmaßes wäre der königliche Haushalt hilflos gegenübergestanden, zumal zuvor schon drastische Gehaltskürzungen verfügt worden waren: Christopher Geidt, der Privatsekretär und wichtigste Mitarbeiter der Königin, sah sein Salär beispielsweise von umgerechnet gut 180.000 Euro auf gut 170.000 im Jahr schrumpfen.
300 Millionen aus den Krongütern
So wäre womöglich bloß der Verkauf einiger der goldenen Staatskarossen übriggeblieben, bei denen es sich allerdings um Geschenke dankbarer oder weniger dankbarer Kronländer wie Australien oder Irland handelt - die Iren würden womöglich in ihrer gegenwärtigen Lage den Erlös ihrer Kutsche gleich für sich selbst verlangen.
Aber zum Glück hatte der neue Finanzminister Osborne eine pfiffige Idee. Er schlug dem Hüter der Privatschatulle nämlich vor, bei den Bezügen der Königin den Umweg über die Staatskasse wegzulassen und stattdessen den royalen Haushalt aus einem festen Anteil der Einnahmen des Kronbesitzes zu finanzieren. Die Krongüter liefern, überwiegend aus Mieten und Pachten, im Jahr umgerechnet rund 300 Millionen Euro an Einnahmen an den Fiskus ab. Erhielte Elisabeth einen bescheiden klingenden Anteil von 15 Prozent im Jahr, also rund 45 Millionen Euro, wäre ihre Haushaltsführung wieder auf einigermaßen stabile Fundamente gestellt. Außerdem gibt es noch weiteres Grundvermögen, zusammengefasst in der Duchy of Lancaster, über dessen Erlöse die Queen als persönliches - zu versteuerndes - Einkommen verfügen kann.
Aus öffentlichen Zuschüssen wird Elisabeth die Hochzeitskosten für ihren Enkelsohn William jedenfalls kaum bestreiten können - auch wenn die Brauteltern schon beflissen wissen ließen, sie wollten einen Teil der Aufwendungen tragen. Allerdings wäre selbst die Geste, den Preis des Brautkleides zu begleichen, für die gutgestellten Middletons riskant: Das Hochzeitskleid, das Prinzessin Diana vor 29 Jahren trug, würde, auf das heutige Preisniveau umgerechnet, etwa 30 000 Euro kosten. Es hatte aber auch eine acht Meter lange Schleppe.
Mir kommen die Tränen.
Jürgen Wenz (satyrffm)
- 02.12.2010, 13:59 Uhr
Klarer Fall: Die Medien müssen zur Kasse gebeten werden!
Hermann F. Sack (Collobriere)
- 02.12.2010, 14:59 Uhr
Hochzeitskosten
Klaus D. Wolf (LaoK)
- 02.12.2010, 17:02 Uhr
rührend...
beate geibel (emmapeel)
- 03.12.2010, 03:26 Uhr