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Kunststreit in Mannheim : Wo soll nur das Loch hin?

Wem gehört das „Mannheimer Loch“? Bild: dpa

Eine Künstlerin streitet mit der Stadt Mannheim um ein Kunstwerk. Ihre Installation – Löcher durch mehrere Decken – soll Umbauarbeiten zum Opfer fallen. Das will sie nicht hinnehmen.

          Ihr Himmelbett durfte Nathalie Braun Barends auf den Markusplatz in Venedig und sogar vor dem Palast der Grimaldis in Monaco aufbauen. Auf Fotos ist sie in ihrem Himmelbett zu sehen, wie sie eine Brücke macht und den Bauch in Richtung Himmel streckt. „Age-Dream-Projekt“ nennt sie die Installationen, zu denen sie mit gymnastischen Übungen ihren Beitrag leistet.

          Rüdiger Soldt

          Politischer Korrespondent in Baden-Württemberg.

          „Ich will Brücken bauen, die Menschen zum Träumen animieren“, sagt die Künstlerin. In Italien, in Belgien, in Heidelberg, in München, überall sei ihr Projekt gut angekommen. Nur mit Mannheim, der Stadt im Norden Baden-Württembergs mit dem herben Charme, konnte sie noch immer keinen Frieden schließen. Seit Jahren streiten sich die Künstlerin und die Stadt Mannheim über zwei etwa zehn Jahre alte Installationen der Kunsthalle: „HHole“ im Athene-Trakt und „PHaradise“ im Billing-Bau. „HHole“ zog sich durch mehrere Stockwerke; nun ist der Athene-Trakt wegen Umbauarbeiten nicht zugänglich, die Installation abgebaut. Für den neuen Anbau abgerissen wurde nur der Mitzlaff-Bau daneben.

          Nathalie Braun Barends, die den holländischen Seefahrer Willem Barents, den Entdecker des gleichnamigen Meeresgebiets, zu ihren Vorfahren zählt, kämpft für den Erhalt ihrer Installationen und droht der Stadt Mannheim mit Schadenersatzforderungen von mindestens 250.000 Euro. Sollten 14 weitere Bilder, die sie der Kunsthalle als Leihgabe gegeben hat und deren Verbleib unklar ist, sich nicht wieder auffinden, verlangt sie Schadenersatz von weiteren 300.000 Euro.

          Umstritten ist auch, wer eigentlich Eigentümer der zwei Installationen ist, weil hierüber vom früheren Leiter der Mannheimer Kunsthalle, der seine Geschäfte regelmäßig aus dem heutigen Café „Dolceamaro“ führte, keine Klarheit geschaffen wurde. In Bezug auf das Urheberrecht argumentiert die Stadt, sie könne als Eigentümerin der Installationen diese Kunstwerke vernichten, sie dürfe sie nur nicht entstellen. Die Klägerin bestreitet, dass die Stadt im „alleinigen Besitz“ der Installationen ist; außerdem sei sie verpflichtet, die Kunstwerke zu erhalten. Vor allem die Stadt und die Kunsthalle haben ein großes Interesse daran, den Rechtsstreit vor einer Zivilkammer des Mannheimer Landgerichts endlich beizulegen. Denn die Auseinandersetzung schadet dem Image Mannheims und der Kunsthalle.

          Eigentlich sollte die Entscheidung fallen

          Am Freitag wurde abermals in Saal 5 verhandelt. Eigentlich sollte eine Entscheidung fallen. Doch die Kammer will noch klären, wo die 14 Kunstwerke geblieben sind, die 2007 angeblich an die Art Basel ausgeliehen wurden und deren Verbleib nun unklar ist. Deshalb soll für die nächste Verhandlung im März der ehemalige Kunsthallen-Chef als Zeuge gehört werden, der 2007 nach heftiger öffentlicher Kritik abgesetzt wurde. Auch die jetzige Kunsthallen-Chefin Ulrike Lorenz und zwei Kuratoren sollen befragt werden. Der Anwalt der Künstlerin hat zudem einen Antrag auf Wiedereröffnung der mündlichen Verhandlung gestellt, weil seine Mandantin bei einem Besuch der Kunsthalle entdeckt haben will, dass die Installation „PHaradise“ durchaus noch vorhanden ist. „Ich frage mich“, so der Anwalt, „ob die Stadt überhaupt nachweisen kann, dass „PHaradise“ auf keinen Fall wieder hergestellt werden kann und dass „HHole“ rückgebaut wurde.“

          In der ganzen Republik ist der Streit über das „Mannemer Loch“ mittlerweile zum Synonym für die Unfähigkeit einer Stadtverwaltung geworden, eine Kunsthalle ordentlich zu führen. „Es geht in diesem Rechtsstreit um einen Baustopp und die mögliche Wiederherstellung der Werke“, sagt Thomas Drosdowski, Leiter des Rechtsamts der Stadt, nach der Verhandlung. „Wir sind weiter optimistisch, Recht zu bekommen. Es wäre uns aber lieber, wenn der Spuk mal ein Ende hätte.“

          Am Mittag besucht Nathalie Braun Barends die Baustelle und schaut in die Baugrube, wo einst der Mitzlaff-Bau stand. Die Künstlerin trägt über einer Cordhose einen Rock, der einst ein Regenschirm war. Sie wird von Massimiliano Salino begleitet, einem Verwandten aus Italien, der über den Streit ein Buch schreiben will und die Künstlerin mit matt lackiertem R-Klasse-Mercedes von Ausstellungsprojekt zu Ausstellungsprojekt fährt. In Mannheim durfte sie ihr Himmelbett noch nicht aufstellen. „Vielleicht gelingt es mir ja hier im Rosengarten, und ich kann die Leute zum Träumen bringen.“

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