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Veröffentlicht: 01.12.2014, 12:06 Uhr

Textilproduktion Die Zeit der Freiwilligkeit ist vorbei


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Zusicherungen sind nutzlos, wenn Kontrolle fehlt

Für die Endfertigung gibt es inzwischen immerhin ein von den Unternehmen eingeführtes Überprüfungssystem namens BSCI (Business Social Compliance Initiative). Das ist eine Datenbasis, die Lizenzen, Arbeitnehmerrechte, Löhne und vieles andere regelmäßigen Audits und Trainings unterzieht. Aus China, Bangladesch, Indien, Laos, Kambodscha und Myanmar sind dem BSCI inzwischen 142 Anbieter beigetreten. Hunderte Personen arbeiten in den Audit-Teams. Sie überwachen und schulen, damit Regelungen auch im Produktionsalltag eingehalten werden. Aber es dient nur dem Einhalten schon existierender Regeln und findet nur in der Endstufe des Herstellungsprozesses statt.

Kritische Konsumenten haben also einen Einfluss, weil Unternehmen das Einkaufsverhalten der Kunden und ihren schnellen Informationsaustausch im digitalen Zeitalter fürchten müssen. Aber die Unternehmen der letzten Wertschöpfungsstufe wissen wenig über frühere Stufen. Schriftliche Zusicherungen, zum Beispiel, dass in der Produktion der Baumwolle keine Kinder arbeiten, reichen nicht aus, wenn sie niemand kontrolliert.

Der frühere EU-Handelskommissar Karel de Gucht wies nach dem Einsturz des Gebäudekomplexes Rana Plaza in Dhaka im April 2013 einen besseren Weg. Der Einsturz mit mehr als 1000 Toten und zahlreiche Brände vorher waren für ihn der Anlass, mit dem Verlust von Privilegien als Least Developed Country zu drohen und einen Nachhaltigkeitspakt mit dem Staat Bangladesch und der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu schließen. Dieser Pakt umfasste unter anderem die Reform des Arbeitsrechts, 200 zusätzliche Prüfer bis Ende 2013 für Inspektionen der Fabrikgebäude, eine Verbesserung der Gebäudesicherheit, die Teilnahme am Better Work Program der ILO und die Anwendung der Vereinbarung über Brandschutz und Gebäudesicherheit, die über 65 führende internationale Unternehmen unterzeichnet haben. Tatsächlich sind all diese Dinge auch auf den Weg gebracht.

Von einer guten Praxis zum Wettbewerbsvorteil

Wir müssen von Unternehmen erwarten, dass sie über die gesamte Produktionskette für die Einhaltung der Menschenrechte sorgen. Nachdem die globale Produktion lange ziemlich freien Lauf hatte, muss man nun Rahmenbedingungen für die faire und umweltverträgliche Produktion schaffen, die von den großen Konzernen und dem Mittelstand verwirklicht werden können. Da reichen weder ein „Aktionsbündnis“ noch Unternehmen, die nur in der letzten Wertschöpfungsphase für Audits und Zertifizierungen sorgen.

Nur über den EU-Binnenmarkt können wir diese Regelungen schaffen und Unternehmen zwingen, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Der europäische Gesetzgeber muss durch eine Transparenz-Richtlinie für die Offenlegung der gesamten Lieferkette sorgen. So wird die Einhaltung der Menschenrechte in allen Stufen kontrollierbar - und eine gute Praxis wird zum Wettbewerbsvorteil.

Bio-Siegel auch für Textilien sinnvoll

Der europäische Außenhandel kann von der Baumwollproduktion bis zur Endfertigung die Einhaltung von Standards zum Gegenstand von Entwicklungshilfeprojekten, Krediten und Handelsabkommen machen. Mit Hilfe der ILO und anderer Organisationen können Listen entstehen von Ländern oder Unternehmen, die menschenrechtliche, soziale oder ökologische Standards implementiert haben. Bessere Klagemöglichkeiten von Arbeiterinnen in der EU gehören dazu, ebenso eine Haftung von Unternehmen, wenn sie ihre Sorgfaltspflichten verletzen.

Nicht zuletzt sollte die EU nicht nur bei Lebensmitteln, sondern auch bei Textilien Fair-Trade- und Bio-Produkte fördern. In den Vereinigten Staaten ist zum Beispiel GOTS schon als Siegel für ökologisch hergestellte Textilien anerkannt. Die Zeit der Freiwilligkeit auf nationaler Ebene ist vorbei. Die nationale Politik muss den Mut haben, solche Initiativen auf die europäische Tagesordnung zu setzen.

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