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CDU-Politiker kritisiert : Nehmen Jugendämter und Gerichte zu vielen Familien die Kinder weg?

  • Aktualisiert am

Die Zahl der Inobhutnahmen von Kindern und Jugendlichen in Deutschland ist deutlich gestiegen. Bild: dpa

Zum Kindeswohl darf das Jugendamt Minderjährige in Obhut nehmen lassen. Das passiert immer öfter. Ein Abgeordneter hinterfragt, woran das liegt, und fordert Aufklärung.

          Der CDU-Familienexperte Markus Weinberg hat eine unabhängige Kommission zur Aufarbeitung gravierender Missstände in der Kinder- und Jugendhilfe gefordert. In einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ klagte der Bundestagsabgeordnete über „viele Fälle von nicht nachvollziehbaren Inobhutnahmen“ und Sorgerechtsentzügen.

          Er sei inzwischen überzeugt, „dass es sich nicht mehr um wenige Einzelfälle besonders versagender Eltern und schwieriger Kinder handelt“. Vielmehr sei anzunehmen, dass es sich dabei um ein systembedingtes oder strukturelles Problem handeln könnte, sagte Weinberg. Deswegen müsse eine beim Bund angesiedelte Unabhängige Kommission die Erfahrungsberichte von betroffenen Eltern, Kindern und Betreuern auswerten.

          „Im Verfahren gedemütigt“

          Kinder und Jugendliche hätten ihm immer wieder erzählt, dass ihr Wunsch und ihr Wille bei den Entscheidungen, wo und wie sie leben wollen, missachtet werde, sagte Weinberg. Viele Eltern fühlten sich in Familiengerichts- oder Jugendamtsverfahren gedemütigt und genötigt. „Jedes einzelne Fehlurteil, jedes einzelne unter Fehleinschätzungen leidende Kind ist unser Auftrag, das System zu überprüfen“, forderte Weinberg.

          Tatsächlich steigt die Zahl der Kinder und Jugendlichen, die von den Jugendämtern aus ihren Familien genommen werden, seit Jahren stetig. Ein großer Teil der 84.230 im vergangenen Jahr in Obhut genommenen Kinder und Jugendliche ging der Zeitung zufolge auf minderjährige unbegleitete Flüchtlinge zurück. Aber selbst wenn diese Gruppe herausgerechnet werde, sei die Zahl der Inobhutnahmen rasant gestiegen – von 26.155 im Jahr 1996 auf 39.295 zehn Jahre später. Als häufigster Grund wird Überforderung von Eltern angegeben.

          Entwicklung soll untersucht werden

          Weinberg forderte eine Prüfung, ob diese Zunahme an Erziehungsversagen und Überforderung liege, an erhöhter Wachsamkeit der Behörden oder an einer Absenkung der Eingriffsschwelle. Ähnlich wie in der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs müsse Betroffenen und Insidern die Gelegenheit gegeben werden, vor der neu einzusetzenden Kommission ihre Erfahrungen vertraulich zu schildern.

          Jugendämter können sogenannte vorläufige Maßnahmen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen als Hilfe in akuten Krisen- oder Gefahrensituationen durchführen – etwa auf Bitten der Kinder oder bei Gefahr für das Kindeswohl. Bis eine Lösung gefunden ist, werden die Minderjährigen in Obhut genommen und können auch in einem Heim oder bei einer Pflegefamilie untergebracht werden.

          Quelle: bard./AFP

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