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Zwei Prozesse in Dessau-Roßlau : Morde aus Verachtung

  • Aktualisiert am

Einer der beiden wegen Mordes an einem Obdachlosen Angeklagten im Verhandlungssaal mit seiner Anwältin Bild: dpa

In Sachsen-Anhalt begannen am Mittwoch zwei Mordprozesse mit insgesamt drei Angeklagten, aber nur einem Motiv: tiefe innere Verachtung für ihre wehrlosen Opfer. Zwei Angeklagte sollen einen Obdachlosen, der dritte eine Rentnerin getötet haben.

          Vor dem Landgericht Dessau-Roßlau in Sachsen- Anhalt am Mittwoch beginnen zwei Mordprozesse mit insgesamt drei Angeklagten, die alle tiefe innere Verachtung für ihre wehrlosen Opfer empfunden haben sollen. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht den Angeklagten lebenslange Haft.

          Der erste Fall vor der 6. Strafkammer: Wegen gemeinschaftlichen Mordes an einem 50 Jahre alten Obdachlosen müssen sich zwei Männer im Alter von 34 und 23 Jahren verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen vor, in der Nacht zum 1. August 2008 in einer Parkanlage vor dem Hauptbahnhof in Dessau das Opfer mit brachialer Gewalt getötet zu haben. Sie hätten beim Anblick des Obdachlosen „aus tiefer innerer Miss- und Verachtung beschlossen, gemeinsam den Mann zu töten“, sagte Oberstaatsanwalt Christian Preissner. Demnach haben sie den Mann, der, völlig nüchtern, wie gelegentlich auf einer Parkbank übernachten wollte, massiv geschlagen und getreten. „Beide fielen über ihn her.“ Als der Obdachlose „in Todesangst“ verletzt auf dem Boden lag, soll ihm der 23 Jahre alte Angeklagte einen 5,1 Kilogramm schweren Papierkorb aus Metall mit voller Wucht mehrfach auf den Kopf geschlagen haben.

          „Beide Angeklagte ließen erst von ihm ab, nachdem sie den sicheren Eindruck hatten, dass der Mann gestorben war“, sagte der Oberstaatsanwalt. Der 34 Jahre Angeklagte gab zu, den Obdachlosen mit der Faust ins Gesicht geschlagen zu haben, an Details könne er sich aber nicht erinnern, weil er betrunken war. Der 23 Jahr alte Angeklagte habe aber auf den Obdachlosen mit dem Papierkorb eingeschlagen, sagte er und belastete damit den Mitangeklagten. Dieser, ebenfalls kräftig und mit Kurzhaarfrisur, schwieg indes zu den Vorwürfen der Anklage - und grinste. Dem bereitete der Vorsitzende Richter Manfred Steinhoff ein Ende, als er den rechtlichen Hinweis gab, dass möglicherweise auch eine besondere Schwere der Schuld bei einer Verurteilung wegen Mordes in Betracht kommen könnte. Beide Angeklagten sind in Untersuchungshaft.

          Der zweite wegen Mordes an einem Obdachlosen Angeklagte
          Der zweite wegen Mordes an einem Obdachlosen Angeklagte : Bild: dpa

          „Gefühl der totalen Übermacht“

          Der zweite Fall vor der 2. Strafkammer: Wegen Mordes aus niedrigen Beweggründen an einer 72 Jahre alten Frau ist ein 20 Jahre alter Mann angeklagt. Zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft, er habe sie „aus tiefer innerer Verachtung“ getötet, wollte sich der kräftige junge Mann mit der markanten Kurzhaarfrisur zunächst nicht äußern. Laut Anklage war er in der Nacht zum 14. August 2008 gegen 2.30 Uhr in Greppin im Landkreis Anhalt-Bitterfeld zufällig auf die Rentnerin getroffen, die er kannte. Die Frau lag aus unerklärlichen Gründen auf der Fahrbahn. Der Angeklagte habe bei dem Anblick auch „aus dem Gefühl der totalen Übermacht heraus beschlossen, sie zu töten“, sagte Staatsanwältin Heike Kropf. Er habe der wehrlosen Frau massiv gegen den Kopf getreten. Sie starb auf dem Weg in ein Krankenhaus.

          „Ihr Gesicht hat man kaum noch erkannt“, sagte die Verlobte des Angeklagten als Zeugin. Die junge Frau war bei der Tat den Angaben zufolge nicht dabei. Ihr Verlobter habe sie aus dem Bett geklingelt, weil er Hilfe für die Rentnerin holen wollte, sagte sie. Laut Gericht soll er aber in Briefen aus der Untersuchungshaft gegenüber seiner Lebensgefährtin eingeräumt haben, die Rentnerin umgebracht zu haben. „Ich würde es ihm nicht zutrauen“, sagte indes die Verlobte und Mutter des gemeinsamen Jungen über den Angeklagten vor Gericht. Die Prozesse werden im Februar fortgesetzt.

          Quelle: FAZ.NET mit dpa

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