http://www.faz.net/-gum-94inz

Betroffener von Zugunglück : „Wir waren die Letzten, die rauskamen“

Unglück in Meerbusch: Wie kam es zu dem Zusammenstoß? Bild: dpa

Tobias Vogel saß in dem Zug, der am Dienstagabend bei Meerbusch verunglückte. Im Interview spricht er über die Reaktion des Fahrers und das quälende Warten nach dem Aufprall. Er sagt: „Ich will wissen, was da genau passiert ist.“

          Herr Vogel, Sie waren am Dienstagabend auf dem Heimweg von Köln nach Meerbusch, als der Zug, in dem Sie saßen, auf einen Güterzug auffuhr. Etwa 50 Menschen wurden verletzt. Wie haben Sie den Unfall erlebt?

          Sebastian Eder

          Redakteur im Ressort Gesellschaft bei FAZ.NET.

          Ich arbeite in Köln und fahre täglich mit dem Zug hin und her. Am Dienstag war ich im hintersten Abteil. Der Zug hat zuerst auf offener Strecke angehalten, was nicht ungewöhnlich ist, weil die Strecke an der Stelle zweispurig wird, da warten die Züge aufeinander, um aneinander vorbeizufahren. Es ging weiter, dann wurde plötzlich sehr heftig gebremst. Von einem Aufprall haben wir hinten aber nichts mitbekommen, es war kein Knall oder so zu hören. Trotzdem hat es auch hinten ein paar Leute, die schon aufgestanden waren, durch die Gegend geworfen.

          Wie haben Sie erfahren, was passiert ist?

          Jemand vom Personal ist durch alle Abteile gelaufen, hat es erklärt und uns beruhigt. Dann wurde es etwas quälend, weil es so lange gedauert hat, bis wir aus dem Zug raus konnten. Eine Oberleitung war ja abgerissen, der Zug stand unter Strom, deswegen konnten die Retter lange nicht an den Zug ran. Es sind aber alle sehr ruhig geblieben, haben per Handy ihren Leuten Bescheid gegeben, dass es ihnen gut geht, sich unterhalten und auf den Smartphones herumgespielt. Das Licht ging zwar noch, aber sonst gab es keinen Strom mehr, es konnten also auch keine Durchsagen gemacht werden. Bei uns war das größte Problem, dass irgendwann viele auf Toilette mussten. Aber in den vorderen Abteilen war die Lage wesentlich schlimmer, das haben wir dann später gesehen.

          Es gibt widersprüchliche Informationen über das Verhalten des Zugführers: In manchen Berichten heißt es, er habe nach der Vollbremsung das Fahrerhäuschen verlassen, die Menschen in den vorderen Abteilen gewarnt und aufgefordert, nach hinten zu gehen. Sekunden später sei es zum Aufprall gekommen.

          Ja, genau das habe ich auch von mehreren Leuten gehört, die in den vorderen Abteilen waren. Wir standen ja nachher lange zusammen, als wir endlich aus dem Zug raus waren. Wir wurden untersucht und mussten uns registrieren. Der Fahrer kam aus dem Führerhäuschen und hat alle aufgefordert, schnell nach hinten zu gehen, wurde da erzählt.

          Zugunglück in NRW : Regionalexpress krachte in Güterzug

          Wie lang hat es gedauert, bis Sie aus dem Zug raus waren?

          Der Unfall war gegen 19.30 Uhr, um viertel nach elf waren wir draußen, glaube ich. Priorität hatte es erst mal, die Schwerverletzten zu versorgen, auch alle leichter Verletzten wurden mit weißen Bändchen markiert und priorisiert behandelt. Wir waren die Letzten, die rauskamen. Das war alles sehr gut organisiert.

          Wir telefonieren gerade, während Sie mit dem Auto nach Köln zur Arbeit fahren. Werden Sie erst einmal keinen Zug mehr betreten?

          Doch, ich hatte auch schon Autounfälle und fahre noch Auto. Ich setze mich da ganz normal wieder rein. Aber heute wollte ich mal etwas länger schlafen, ich war erst um ein Uhr Zuhause. Außerdem ist die Strecke gesperrt.

          Die Bundesstelle für Eisenbahn-Unfalluntersuchungen hat am Mittwoch erklärt, dass der Personenzug den Abschnitt nicht hätte befahren dürfen, die Bundespolizei hat Ermittlungen aufgenommen. Werden Sie die Aufarbeitung des Unfalls verfolgen?

          Auf jeden Fall, ich will wissen, was da genau passiert ist – und was man unternimmt, damit es nicht nochmal passiert.

          Quelle: FAZ.NET

          Weitere Themen

          Schwerer Unfall im Gotthardtunnel Video-Seite öffnen

          Schweiz : Schwerer Unfall im Gotthardtunnel

          Bei einem schweren Unfall im Gotthardtunnel in der Schweiz sind zwei Menschen ums Leben gekommen. Der knapp 17 Kilometer lange Tunnel musste für Stunden gesperrt werden.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Trumps verbotene Wörter : Triggerwarnung für Republikaner

          Die amerikanische Regierung erklärt bestimmte Worte für unerwünscht, bestreitet aber, dass es sich um Zensur handelt. Tatsächlich dient die Anweisung vor allem dazu, rechtskonservative Abgeordnete zu besänftigen.

          Umstrittene Sandwesten : Auf Sand vertraut

          Seit Jahren tragen Kinder in deutschen Schulen schwere Westen, damit sie stillsitzen. Interessiert hat das keinen. Bis jetzt.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.