http://www.faz.net/-gum-81xqs

Toter Reemtsma-Entführer : Tappte Wolfgang K. in eine Falle?

  • Aktualisiert am

Für die portugiesischen Behörden ist der Fall klar gelagert: Wolfgang K., einer der Reemtsma-Entführer, reiste an die Algarve und beging Suizid. Deutsche Ermittler zweifeln an dieser Version. Sie wollen die Leiche neu obduzieren.

          Der Hamburger Rechtsmediziner Klaus Püschel und Beamte des Landeskriminalamts werden in Portugal die Leiche des an der Reemtsma-Entführung beteiligten Wolfgang K. untersuchen. Die portugiesischen Behörden hätten ein entsprechendes Rechtshilfeersuchen der Hamburger Staatsanwaltschaft bewilligt, sagte die Sprecherin der Behörde, Nana Frombach. Nach Angaben der „Bild“-Zeitung wird ein Ermittler noch im April an die Algarve reisen.

          K.s Leiche war am 10. Februar 2014 im Meer vor Portugal entdeckt worden. Erst ein Jahr später war das bekanntgeworden. Die portugiesische Polizei vermutet, dass der 72 Jahre alte K. von einer Klippe gestürzt ist und geht von einem Selbstmord aus, das Landeskriminalamt Hamburg hält jedoch ein Tötungsdelikt für möglich. Die Staatsanwaltschaft führt ein Todesermittlungsverfahren. „Wir sind daran interessiert, das Verfahren abzuschließen und zu klären, ob es ein Fremdverschulden gab.“

          K. war 1996 an der Entführung des Hamburger Millionen-Erben Jan Philipp Reemtsma beteiligt. Er gehörte zu der vierköpfigen Bande um Thomas Drach, die den Sozialwissenschaftler in einem Verlies in Garlstedt bei Bremen festgehalten hatte. Nach 33 Tagen ließen die Täter Reemtsma für umgerechnet rund 15,3 Millionen Euro frei. Vom Großteil des Geldes fehlt bis heute jede Spur. Der Entführer war Ende Mai 1996 in der spanischen Stadt Murcia festgenommen worden. Bei seiner Festnahme hatte er versucht, sich das Leben zu nehmen. Am 14. Februar 1997 verurteilte ihn das Hamburger Landgericht zu einer Haftstrafe von zehneinhalb Jahren.

          Hinweise durch „Aktenzeichen XY … ungelöst“?

          Die Hamburger Polizei will den mysteriösen Tod des Reemtsma-Entführers Wolfgang K. auch mit Hilfe der ZDF-Fernsehsendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ aufklären, die am Mittwoch ausgestrahlt wird. „Uns interessieren insbesondere seine letzten Reisebewegungen und die Kontakte, die er unterhalten hat“, sagte ein Sprecher der Hamburger Polizei. „Uns fehlen die letzten Monate. Mit wem hat er sie verbracht?“

          K. war zuletzt in Hamburg-Steilshoop gemeldet. Am 6. Februar 2014 soll er nach Sagres in Südportugal gereist sein. Nach portugiesischen Medienberichten landete er in Faro und fuhr mit einem Mietwagen die 115 Kilometer nach Sagres. Dort soll er sich ein kleines Appartement gemietet haben. Vier Tage später war er tot. Bei der Leiche waren keine Papiere oder persönliche Gegenstände gefunden worden; im Blut wurden rund vier Promille Alkohol festgestellt, obwohl er nicht getrunken habe. Nach Angaben des leitenden Ermittlers habe K. keinen Bezug zu Portugal gehabt, es sei also unklar, warum er mit einem One-Way-Ticket an die Algarve reiste. In der Zeit im Gefängnis hatte er nach LKA-Ermittlungen Morddrohungen erhalten.

          Quelle: fsi./dpa

          Weitere Themen

          Feuertornado fegt über Waldbrand hinweg Video-Seite öffnen

          Portugal : Feuertornado fegt über Waldbrand hinweg

          Ein portugiesischer Feuerwehrmann hat bei einem Einsatz wegen schwerer Waldbrände einen Feuertornado gefilmt. Solche Wirbelwinde sind sehr selten und können bei starken Bränden entstehen.

          Topmeldungen

          Austrittsverhandlungen : Die positive Brexit-Erzählung

          Einen Durchbruch bei den Verhandlungen gab wieder nicht – aber eine etwas bessere Stimmung. Für alle Fälle gehen die Briten aber schon das „No Deal“-Szenario durch.
          Martialische Auftritte wie im September in Estland sind noch möglich, aber die Verteidigungsbereitschaft der Nato lässt zu Wüschen übrig.

          Geheimer Nato-Bericht : Allianz nicht verteidigungsfähig?

          Das Verteidigungsbündnis sei einer Auseinandersetzung mit Russland nicht gewachsen, heißt es in einem geheimen Nato-Bericht, aus dem der „Spiegel“ berichtet. Das liege vor allem an dem Niedergang seit dem Kalten Krieg.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.

          Folgende Karrierechanchen könnten Sie interessieren: