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Wien Lebenslang für „Schleckeria“-Morde

Im Prozess gegen Estibaliz C., die zwei ihrer Männer ermordete, zeichnet die Gutachterin ein bedrückendes Bild. Das Gericht verurteilt die Angeklagte zu lebenslanger Haft.

© REUTERS Vergrößern Letzter Verhandlungstag: Estibaliz C. wird in den Verhandlungssaal geführt.

Die Eisdielenbetreiberin Estibaliz C., die gestanden hat, zwei Männer erschossen und zerstückelt zu haben, muss lebenslang in Haft. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass die 34 Jahre alte Frau ihren deutschen Ex-Mann und ihren Freund erschoss, die Leichen zerstückelte und in ihrem Keller einbetonierte. Die Frau mit mexikanisch-spanischer Doppelstaatsbürgerschaft soll ihre Strafe in einer Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher verbüßen. Das hatte die psychiatrische Gutachterin empfohlen. Aus ihrer Sicht liege „eine weitere Tatbegehung“ nahe. Die Psychiaterin, Adelheid Kastner, schrieb der Frau eine „gravierende, umfassende, vielgestaltige Persönlichkeitsstörung“ zu. Eher als die plakativen Vorhaltungen der Staatsanwaltschaft („eiskalte, brandgefährliche Frau“) schienen die Ausführungen der Psychiaterin plausibel zu machen, wie ein Mensch wie diese äußerlich zarte und hübsche Frau zu solch grässlichen Taten imstande sein konnte.

Stephan Löwenstein Folgen:

Zu Beginn des Prozesses am Straflandesgericht Wien, der nur insgesamt vier Verhandlungstage in Anspruch nehmen sollte, hatte die in Mexiko geborene Frau mit auch spanischer Staatsangehörigkeit umfassend ausgesagt. Sie schilderte, wie sie im April 2008 ihren ersten Ehemann Holger H., einen Deutschen, von hinten in den Kopf schoss, während er am Computer saß. Zu dem Zeitpunkt war sie bereits von ihm geschieden, er weigerte sich jedoch offenbar, bei ihr auszuziehen. Im November 2010 traf es dann den zweiten Mann, Manfred H., mit dem sie gut zwei Jahre zusammengelebt hatte. Ihre Taten schilderte sie dabei, als sei sie wie fremdgesteuert gewesen oder habe unter einer Art Zwang gehandelt. Die Beziehung mit Manfred H., aus der sie nicht habe herauskommen können, beschrieb sie mit dem Bild: „Das ist so, als ob Sie ein Plastiksackerl über dem Kopf haben. Da müssen Sie einfach raus.“ Mit einer Kettensäge zerstückelte sie die Leichname und betonierte sie in Wannen ein, um sie so im Keller zu verbergen. Durch einen Zufall entdeckten Handwerker 2011 die Leichenteile, Estibaliz C. wurde bald darauf auf der Flucht in Italien gefasst. Wie aus einer vor Gericht verlesenen Aussage des italienischen Polizisten, der sie als erster vernahm, hervorging, war sie von Anfang an geständig.

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Gutachterin Kastner schloss eine Geisteskrankheit wie Schizophrenie aus. In bedrückender Ausführlichkeit zeichnete sie ein psychologisches Bild, das sie in neun Sitzungen während der Untersuchungshaft gewonnen habe. Estebaliz C., die wie an den Prozesstagen zuvor ein schlichtes, kurzes graues Kleid trug, hörte dem überwiegend mit gesenktem Kopf und auf die Knie gestützten Armen zu. Es war das Bild einer sehr intelligenten Persönlichkeit, die aber von Haus aus der Forderung nach Unterwerfung ausgesetzt war und die ihr Gefühl der Minderwertigkeit mit übersteigertem Narzissmus kompensierte. Sie habe also ihre Bedürfnisse absolut über die anderer gestellt.

Überwölbend über allen ihren Beziehungen habe der Wunsch nach einem Kind gestanden. Dafür sei sie bereit gewesen, alle möglichen, auch sexuellen Wünsche ihrer Partner zu befriedigen. Wenn ihre Männer aber ihren Part in dem „Quid-pro-quo“-Geschäft nicht erfüllt hätten, habe sie die Beziehung nicht einfach beenden können, das habe sie „nicht gelernt“. Statt dessen habe sie sich in Tötungsphantasien ergangen - wie schon in einem früheren Fall in ihrer Heimatstadt Barcelona, wo es aber nicht zur Ausführung kam. Es sei nicht die Lieblosigkeit von Holger H. gewesen, die sie zur Tötung veranlasst habe, sondern dass er „einfach da“ gewesen sei. Planmäßig habe sie viermal geschossen. Dass sie dann zur Kettensäge griff, sei nicht Ausdruck besonderer Grausamkeit gewesen, sondern Pragmatismus: Der Leichnam sei zu schwer für sie gewesen. Zunächst habe sie ihn fünf Tage im Zimmer liegenlassen, mit allen damit verbundenen Folgen; „dann fasst man das nicht mehr an“. Bei der zweiten Tat habe Frau C. dann das Zimmer sorgfältig ausgekleidet, um sich vor dem „Sprühregen organischen Materials“ zu schützen. Auch den Beton habe sie diesmal planvoll zuvor gekauft. Eine Affekthandlung sei auszuschließen. „Frau C. hat gelernt. Aber nicht, wie man sich von der Tat abhält, sondern wie man es effizient macht.“

Quelle: F.A.Z.

 
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