07.02.2008 · Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch erwägt eine Schadensersatzklage gegen den Staat Österreich, falls sich die Hinweise auf ein Versagen der Polizei in ihrem Fall als korrekt erweisen. Sie hätte möglicherweise bereits Jahre vor ihrer Flucht gerettet werden können.
Das österreichische Entführungsopfer Natascha Kampusch erwägt eine Schadensersatzklage gegen den Staat Österreich, falls sich die jetzt bekanntgewordenen Hinweise auf ein Versagen der Polizei in ihrem Fall als korrekt erweisen. Kampusch hätte möglicherweise bereits Jahre vor ihrer Flucht gerettet werden können.
Der ehemalige Leiter des österreichischen Bundeskriminalamtes, Herwig Haidinger, soll im Innenausschuss behauptet haben, dass Hinweisen direkt nach der Entführung der damals Zehnjährigen nicht nachgegangen wurde und dies später vom Ministerium vertuscht wurde.
Wut und Entsetzen
Die heute 19-jährige Kampusch reagierte nach Angaben der österreichischen Nachrichtenagentur APA „entsetzt und wütend“ auf die möglichen Ermittlungsfehler. „Scheinbar durfte ich trotz stichhaltiger Hinweise auf meinen Entführer achteinhalb Jahre warten, bis ich aus eigener Kraft den Weg in die Freiheit finden konnte“, sagte die junge Frau. Der österreichische Innenminister Günther Platter kündigte am Mittwoch einen Evaluierungsausschuss zur Aufklärung des Falles an.
Widersprüche um Ermittlungspannen: Kampusch will Staat verklagen
Nach einem am Donnerstag von dem Grünen-Abgeordneten Peter Pilz im Wortlaut veröffentlichten Polizeidokument hatte eine nach der Kampusch-Entführung 1998 gebildete Sonderkommission zehn Tage nach dem Kidnapping eine Beschreibung des Entführers Wolfgang Priklopil. Obwohl dieser vernommen wurde und kein Alibi hatte, wurde die Spur nicht weiter verfolgt. Die Hinweise auf den Täter kamen von einem Hundeführer der Polizei.
„Wir können vor der Wahl keinen Polizeiskandal brauchen“
Als der Ex-BKA-Chef 2006 diesen Ermittlungsfehler habe aufdecken wollen, sei dies vom Innenministerium verhindert worden. „Wir können vor der Wahl keinen Polizeiskandal brauchen“, habe es geheißen.
Natascha Kampusch ist am 2. März 1998 auf dem Schulweg in Wien von Wolfgang Priklopil entführt worden und ihre gesamte Kindheit über in einem Kellerverlies gefangen gehalten worden. Acht Jahre später schaffte die junge Frau in einem unbeobachteten Moment - am 23. August 2006 - die Flucht vor ihrem Peiniger. Priklopil beging daraufhin Selbstmord.