Home
http://www.faz.net/-gus-c3x
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Vorwurf: Abgesägt Der Stihl-Chef - ein Baumfrevler?

27.07.2007 ·  Hat der Chef der Firma Stihl zur Stihl-Säge gegriffen und seinem Nachbarn einen Baum gefällt? Dieser Frage geht jetzt die Polizei nach. Denn der Nachbar hat den Unternehmenslenker angezeigt, weil seine stattliche, sieben Meter hohe Buche abhandengekommen ist.

Von Susanne Preuß
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (2)

Bertram Kandziora schafft es normalerweise ein-, zweimal im Jahr in die Zeitung: Als Stihl-Chef darf er regelmäßig über gutgehende Geschäfte beim Weltmarktführer für Motorsägen berichten. Jetzt aber fand sich Kandziora unversehens in der „Bild“-Zeitung wieder - denn die Polizei ermittelt gegen ihn wegen Sachbeschädigung, Diebstahl und Verstoß gegen das Landesnaturschutzgesetz: Kandziora soll ein Baumfrevler sein.

Den 51 Jahre alten Chef des Motorsägenherstellers Stihl hat der Nachbar angezeigt, dem eine stattliche, sieben Meter hohe Buche abhandengekommen ist. Der Baum sei den Bauarbeiten an der künftigen Villa Kandzioras im Weg gewesen, heißt es. Zunächst habe Kandziora den Nachbarn gezwungen, überhängende Äste abzusägen. Dann aber war die Buche plötzlich komplett abgeholzt. Das Holz - in ein, zwei Jahren wäre es bestimmt für ein wunderbares Kaminfeuer gut - soll auch gleich beseitigt worden sein.

Axt oder Stihl-Säge?

Nur der Baumstumpf ist in Winnenden, dem Ort des Vergehens, noch zu besichtigen. Abgesehen davon, dass dies nicht gerade von einem gutnachbarlichen Verhältnis zeugt, ist dies für die Polizei ein klarer Fall von Sachbeschädigung und Diebstahl und nach dem Gesetz des Landes Baden-Württemberg im Übrigen auch deshalb ein Vergehen, weil zwischen März und September das Fällen von Bäumen aus Rücksicht auf die Natur verboten ist.

Ein Bußgeld vom zuständigen Landratsamt ist Kandziora daher schon gewiss, und es dürfte saftig ausfallen, da es sich an der Einkommenshöhe des Naturfrevlers bemisst. Ob Bertram Kandziora höchstselbst zu Axt oder Stihl-Säge gegriffen hat oder ob er die Anweisung einem anderen erteilt habe, werde noch untersucht, heißt es bei der Polizei in Waiblingen, wo das stets gut verdienende Unternehmen Stihl wohl der größte Steuerzahler ist. Kandziora selbst trägt nicht zur Aufklärung bei. In der Pressestelle des Vorzeigeunternehmens gibt es strikte Anweisung, nur zwei Worte zu diesem Thema zu sagen: „Kein Kommentar.“

Quelle: F.A.Z., 27.07.2007, Nr. 172 / Seite 18
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen

Wirtschaftskorrespondentin in Stuttgart.

Jüngste Beiträge