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Vierfachmord von Annecy Polizei nimmt Bruder des getöteten Familienvaters fest

 ·  Ein Überfall? Ein Racheakt? Ein Auftragsmord? Nach dem Vierfachmord auf einem Parkplatz in den französischen Alpen tappte die Polizei monatelang im Dunkeln. Nun ist in London ein Verdächtiger festgenommen worden - der Bruder des getöteten Familienvaters.

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© dpa Vergrößern Im September 2012 transportiert die französische Polizei das Auto der britischen Familie ab.

Fast zehn Monate nach dem mysteriösen Vierfachmord von Annecy hat es eine erste Festnahme gegeben. Die britische Polizei teilte am Montag in London mit, dass ein 54 Jahre alter Mann in Surrey bei London festgenommen worden sei. Nach Angaben der französischen Justiz handelt es sich um den Bruder von Saad al-Hilli, der zusammen mit seiner Ehefrau, deren Mutter und einem französischen Radfahrer in Ostfrankreich erschossen worden war. Die beiden kleinen Töchter der Familie hatten wie durch ein Wunder überlebt, die Ältere von ihnen wurde allerdings schwer verletzt.

Trotz Großfahndung und unzähliger Zeugenbefragungen konnten die Ermittler auch nach Monaten noch keinen Tatverdächtigen ausmachen. Sie gingen zwar davon aus, dass die al-Hillis das eigentliche Ziel des Angriffs waren und der Radfahrer, der für eine Nuklearfirma in Frankreich arbeitete, nur „zur falschen Zeit am falschen Ort“ war. Doch der anfängliche Verdacht gegen den heute 54 Jahre alten Bruder Zaid al-Hilli wegen Erbstreitigkeiten mit Saad al-Hilli konnte zunächst nicht erhärtet werden.

Die britische Polizei teilte nun mit, der Bruder sei wegen des Verdachts „der Beteiligung an einem Mordkomplott“ festgenommen worden. Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, bestätigte Durchsuchungen in dessen britischen Wohnsitz sowie in dem Golfplatz, dessen Geschäftsführer er ist. Es gebe „ausreichend Belastungsmaterial“ für ein Verhör im Polizeigewahrsam. Zaid al-Hilli solle unter anderem nach der Familienerbschaft befragt werden. Erst vor wenigen Tagen hatte der Staatsanwalt auf auffällige Telefonate des Bruders mit Teilnehmern in Rumänien verwiesen.

Zaid al-Hilli war bereits kurz nach dem Vierfachmord verhört worden. Er erschien damals sogar freiwillig bei der britischen Polizei, um seine Unschuld zu beteuern. Ende März wurde er erneut befragt. Angehörige der Familie warfen den Ermittlern jedoch vor, sich einseitig auf die Spur der Familie zu konzentrieren. Sicher ist, dass der 2011 in Spanien verstorbene Vater der Brüder al-Hilli auf einem Schweizer Konto fast eine Million Euro liegen hatte.

Die Ermittler gingen in den vergangenen Monaten aber auch dem Verdacht nach, dass die Morde mit der Arbeit von Saad al-Hilli als Ingenieur im sensiblen Luft- und Raumfahrtsektor zusammenhängen könnten oder mit dessen irakischer Herkunft. In der Presse kamen zahllose Spekulationen auf, die von Geldwäsche für den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein bis zu einer Unterstützung des Iran durch den Fünfzigjährigen reichten.

Die beiden überlebenden Mädchen konnten der Polizei nicht weiterhelfen: Die Jüngere hatte in ihrem Versteck nichts gesehen, die Ältere, die tagelang im künstlichen Koma lag, konnte sich lediglich an einen „bösen Mann“ erinnern. Die Familie al-Hilli hatte im idyllischen Claygate in der Grafschaft Surrey rund 30 Kilometer südlich von London in einem großzügigen Fachwerkhaus gewohnt.

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24.06.2013, 12:29 Uhr

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