Home
http://www.faz.net/-gum-7ae9j
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Vierfachmord von Annecy Polizei nimmt Bruder des getöteten Familienvaters fest

Ein Überfall? Ein Racheakt? Ein Auftragsmord? Nach dem Vierfachmord auf einem Parkplatz in den französischen Alpen tappte die Polizei monatelang im Dunkeln. Nun ist in London ein Verdächtiger festgenommen worden - der Bruder des getöteten Familienvaters.

© dpa Vergrößern Im September 2012 transportiert die französische Polizei das Auto der britischen Familie ab.

Fast zehn Monate nach dem mysteriösen Vierfachmord von Annecy hat es eine erste Festnahme gegeben. Die britische Polizei teilte am Montag in London mit, dass ein 54 Jahre alter Mann in Surrey bei London festgenommen worden sei. Nach Angaben der französischen Justiz handelt es sich um den Bruder von Saad al-Hilli, der zusammen mit seiner Ehefrau, deren Mutter und einem französischen Radfahrer in Ostfrankreich erschossen worden war. Die beiden kleinen Töchter der Familie hatten wie durch ein Wunder überlebt, die Ältere von ihnen wurde allerdings schwer verletzt.

Trotz Großfahndung und unzähliger Zeugenbefragungen konnten die Ermittler auch nach Monaten noch keinen Tatverdächtigen ausmachen. Sie gingen zwar davon aus, dass die al-Hillis das eigentliche Ziel des Angriffs waren und der Radfahrer, der für eine Nuklearfirma in Frankreich arbeitete, nur „zur falschen Zeit am falschen Ort“ war. Doch der anfängliche Verdacht gegen den heute 54 Jahre alten Bruder Zaid al-Hilli wegen Erbstreitigkeiten mit Saad al-Hilli konnte zunächst nicht erhärtet werden.

Die britische Polizei teilte nun mit, der Bruder sei wegen des Verdachts „der Beteiligung an einem Mordkomplott“ festgenommen worden. Der Staatsanwalt von Annecy, Eric Maillaud, bestätigte Durchsuchungen in dessen britischen Wohnsitz sowie in dem Golfplatz, dessen Geschäftsführer er ist. Es gebe „ausreichend Belastungsmaterial“ für ein Verhör im Polizeigewahrsam. Zaid al-Hilli solle unter anderem nach der Familienerbschaft befragt werden. Erst vor wenigen Tagen hatte der Staatsanwalt auf auffällige Telefonate des Bruders mit Teilnehmern in Rumänien verwiesen.

Mehr zum Thema

Zaid al-Hilli war bereits kurz nach dem Vierfachmord verhört worden. Er erschien damals sogar freiwillig bei der britischen Polizei, um seine Unschuld zu beteuern. Ende März wurde er erneut befragt. Angehörige der Familie warfen den Ermittlern jedoch vor, sich einseitig auf die Spur der Familie zu konzentrieren. Sicher ist, dass der 2011 in Spanien verstorbene Vater der Brüder al-Hilli auf einem Schweizer Konto fast eine Million Euro liegen hatte.

Die Ermittler gingen in den vergangenen Monaten aber auch dem Verdacht nach, dass die Morde mit der Arbeit von Saad al-Hilli als Ingenieur im sensiblen Luft- und Raumfahrtsektor zusammenhängen könnten oder mit dessen irakischer Herkunft. In der Presse kamen zahllose Spekulationen auf, die von Geldwäsche für den irakischen Ex-Diktator Saddam Hussein bis zu einer Unterstützung des Iran durch den Fünfzigjährigen reichten.

Die beiden überlebenden Mädchen konnten der Polizei nicht weiterhelfen: Die Jüngere hatte in ihrem Versteck nichts gesehen, die Ältere, die tagelang im künstlichen Koma lag, konnte sich lediglich an einen „bösen Mann“ erinnern. Die Familie al-Hilli hatte im idyllischen Claygate in der Grafschaft Surrey rund 30 Kilometer südlich von London in einem großzügigen Fachwerkhaus gewohnt.

Quelle: AFP

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Islamisten in Italien Al Qaida soll Anschlag auf Vatikan geplant haben

Die italienische Polizei hat mehrere Verdächtige festgenommen, die Teil eines islamistischen Netzwerks sein sollen. Abgehörte Telefone deuteten nach Angaben der Ermittler darauf hin, dass im Jahr 2010 ein Terroranschlag auf den Vatikan geplant war. Mehr

24.04.2015, 14:07 Uhr | Politik
Flugzeugunglück Kopilot ließ Germanwings-Maschine bewusst abstürzen

Der Absturz der Germanwings-Maschine in den französischen Alpen ist nach Überzeugung der französischen Ermittler vom Kopiloten mit Absicht verursacht worden. Dies schließen die Ermittler aus den Aufzeichnungen des Stimmenrekorders im Cockpit. Mehr

27.03.2015, 11:54 Uhr | Gesellschaft
Paris Attentat auf zwei Kirchen vereitelt

In Frankreich hat die Polizei einen weiteren, schweren Terroranschlag verhindert. Nach Aussage von Innenminister Cazeneuve hat der Zufall Polizisten auf die Spur geführt. Der mutmaßliche Attentäter ist ein Informatikstudent aus Algerien, der seit fünf Jahren in Frankreich lebt. Mehr Von Michaela Wiegel, Paris

22.04.2015, 19:32 Uhr | Politik
Polizei in New York Proteste nach gewaltsamem Tod eines Schwarzen

Zahlreiche Demonstranten haben gegen den Freispruch eines Polizisten protestiert, der für den gewaltsamen Tod eines schwarzen Familienvaters bei seiner Festnahme verantwortlich gewesen sein soll. Mehr

04.12.2014, 07:43 Uhr | Politik
Gewalt gegen Schwarze Gebrochenes Rückgrat

Baltimore rätselt über den Tod eines weiteren Schwarzen: Der Afroamerikaner Freddie Gray war vor einigen Tagen in Polizeigewahrsam gestorben. Die Fehler von Ferguson will die Stadtverwaltung jedoch vermeiden. Mehr Von Andreas Ross, Washington

23.04.2015, 20:29 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 24.06.2013, 12:29 Uhr

Bruce Jenner „Ich bin eine Frau“

Kim Kardashians Stiefvater outet sich im Fernsehen als transsexuell, Patrick Dempsey steigt bei „Grey’s Anatomy“ aus, und Robert Downey Jr. verlässt mitten in einem Fernseh-Interview den Raum – der Smalltalk. Mehr 11

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden