11.07.2007 · Im New Yorker Stadtteil Manhattan soll zum Schutz vor Terroranschlägen ein umfassendes System der Videoüberwachung entstehen. Bürgerrechtler kritisieren die geplante Sicherheitsinitiative. Die Kontrolle durch die Polizei erreiche ein neues Ausmaß.
Von Katja Gelinsky, WashingtonIn Manhattan soll - ähnlich wie in London - zum Schutz vor Terroranschlägen ein umfassendes System der Videoüberwachung entstehen. Bis Ende 2008 sollen im südlichen Teil Manhattans, der das Rathaus von New York und das Finanzzentrum einschließlich des Geländes des zerstörten World Trade Centers umfasst, 3000 Überwachungskameras installiert werden.
Es ist geplant, zwei Drittel der Kameras von den in Lower Manhattan ansässigen Unternehmen aufzustellen. Der New Yorker Polizeichef Raymond Kelly sagte, die gemeinsame Sicherheitsinitiative von Polizei und privaten Unternehmen sei entscheidend dafür, dass Lower Manhattan als Zentrum des amerikanischen Wirtschaftslebens besser geschützt werde.
Terror-Verdachtsmomente
Mit Hilfe von Computertechnik sollen die Videoaufnahmen auf Terror-Verdachtsmomente hin untersucht werden. So werden Warnsignale ausgesandt, wenn eine verdächtige Tasche oder ein verdächtiges Auto aufgenommen werden. Zusätzlich zu den Kameras sollen 116 Lesegeräte zur Erkennung von Autokennzeichen angeschafft werden. Sie sollen zum Teil fest installiert und zum Teil aus Polizeifahrzeugen und -hubschraubern heraus eingesetzt werden. Wird ein verdächtiges Fahrzeug identifiziert, sendet das Lesegerät Alarmzeichen.
Ferner will die New Yorker Polizei an Verkehrsknotenpunkten Blockadeeinrichtungen schaffen, so dass auf Knopfdruck Straßensperren errichtet werden können, um verdächtige Fahrzeuge aufzuhalten. Die Gesamtkosten für die Sicherheitsinitiative werden auf 90 Millionen Dollar geschätzt. Noch nicht entschieden hat die New Yorker Polizei, ob auch Technik zur Gesichtserkennung und zum Aufspüren biochemischer Stoffe angeschafft werden soll.
Neues Ausmaß erreicht
Kritik an der geplanten Sicherheitsinitiative kommt von Bürgerrechtlern. Die Polizeiüberwachung erreiche ein neues Ausmaß, ohne dass die Öffentlichkeit beteiligt werde und ohne dass eine unabhängige Kontrolle zum Schutz gegen Missbrauch stattfinde, kritisierte Christopher Dunn von der New Yorker Sektion der Bürgerrechtsorganisation „American Civil Liberties Union“. Hunderttausende New Yorker würden in Polizeicomputern gespeichert, ohne dass man wisse, was mit den Daten passiere.
Ein Polizeisprecher entgegnete den Kritikern, dass die Kameras an Orten installiert würden, „an denen man keine Privatsphäre erwartet“. Ziel sei es, Bedrohungen von außen abzuwehren. Die Ermittler in London verweisen darauf, dass es nach den Bombenanschlägen auf die Londoner U-Bahn und nach den fehlgeschlagenen Sprengstoffanschlägen im vergangenen Monat gelungen sei, Verdächtige mit Hilfe von Aufnahmen von Überwachungskameras festzunehmen.