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Ferrari-Fall : Die Entführung von Leichen hat ein gewisse Tradition

Das Grab von Enzo Ferrari im italienischen Modena Bild: AP

Die Planungen für die Tat waren schon weit gediehen. Der Leichnam von Ferrari-Gründer Enzo konnte aber gerettet werden. Es gab bereits Fälle, in denen Entführer mit vergleichbaren Plänen erfolgreich waren.

          Carabinieri der italienischen Anti-Mafia-Einheit haben am frühen Mittwoch 34 Verdächtige von der Insel Sardinien und aus allen Regionen Norditaliens festgenommen. Das weitverzweigte Netz von Kriminellen wollte unter anderem den Leichnam von Ferrari-Gründer und Rennfahrer Enzo Ferrari stehlen, um danach von der Familie Lösegeld zu erpressen.

          Jörg Bremer

          Politischer Korrespondent für Italien und den Vatikan mit Sitz in Rom.

          Die Planungen für die Tat waren schon weit gediehen. Ein Vorbestrafter aus dem sardischen Ort Orgosolo mit Wohnsitz Parma hatte bereits mit Komplizen den Friedhof von San Cataldo in Modena aufgesucht, wo der Sarg in einer Kapelle hinter einer Marmorplatte in einer Gruft aufbewahrt wird, die mit einem schweren Metallgitter verschlossen ist. Die Täter wollten im Schutz der Nacht mit zwei Autos und einem Möbelwagen anrücken, in die Kapelle einbrechen, das Metallgitter zerschneiden und den Sarg in ein Versteck in den Bergen des Apennin bringen lassen. Danach sollte eine dritte Gruppe von Piero Ferrari, dem Sohn des 1988 im Alter von 90 Jahren verstorbenen Gründers, Lösegeld erpressen.

          Die Entführung von Leichen hat Tradition

          Die Entführung von Leichen zur Erpressung von Lösegeld hat eine gewisse Tradition. Besonders dramatisch war der Diebstahl der Leiche von Raffaele Bagni, dem Sohn des damaligen Fußballstars Salvatore Bagni, im Jahr 1992, der kurz zuvor im Alter von drei Jahren bei einem Autounfall ums Leben gekommen war. In der Schweiz stahlen zwei Männer 1978 den Sarg Charlie Chaplins, um Lösegeld zu erpressen. Die Täter wurden jedoch gefasst, und Chaplins sterbliche Überreste wurden wieder bestattet.

          Im aktuellen Fall hatte die Polizei schon seit dem vorvergangenen Winter Gespräche der Täter abgehört. Der zu 30 Jahren Haft verurteilte Bandenchef Graziano Mesina hatte die Polizei durch seine Kontakte aus der Zelle auf die Spur gebracht. Von Anfang an sei klar gewesen, dass die Bande, die eigentlich auf den Handel mit Waffen, Rauschgift und gestohlenen Kunstgegenständen spezialisiert ist, dieses Mal den Plan verfolgte, Ferraris Leichnam zu stehlen, sagte Carabinieri-Oberst Saverio Ceglie am Mittwoch. Die Ermittler hätten gewusst, dass der 47 Jahre alte Giovanni Antonio Mereu aus Orgoloso die Täter anführen würde. Die Familie Ferrari sei von Anfang an in Kenntnis gesetzt worden.

          Quelle: F.A..Z.

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