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Verbrecher im Sattel Ausreißen streng verboten

06.06.2009 ·  Bei der „Tour de France Pénitentiaire“ radeln keine Profisportler, sondern 196 Häftlinge. Von Bewachern begleitet, geht es 2300 Kilometer nach Paris. Ein Ablenkungsmanöver? Von 194 sind 113 französische Gefängnisse überbelegt.

Von Arne Leyenberg
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Wer die Radfahrer, die im Sommer alljährlich in Frankreich auf Rundfahrt gehen, wegen ihrer gelegentlichen Vorliebe für unerlaubte Hilfsmittel für Ganoven hält, wird sich nun bestätigt fühlen. Es sitzen tatsächlich Verbrecher im Sattel. Seit dieser Woche sind 196 Häftlinge auf ihrer ganz eigenen „Tour de France“ unterwegs – begleitet von 124 Bewachern. Wie bei den Profis besteht der Tross zudem aus Medizinern und technischen Helfern. Obendrein bewacht die Polizei die Gefängnisinsassen auf zwei Rädern. Damit sind Ausreißversuche aus dem Feld nicht nur kaum möglich, sondern vom Veranstalter sogar verboten.

Gefahren werden darf nur im Pulk. Nach 2300 Kilometern und der Ankunft in Paris wird es also keinen Sieger geben. Sechs Häftlinge und zwölf Bewacher werden die gesamte Tour absolvieren, die übrigen fahren Teilstrecken. „Das ist kein Rennen. Wenn einer ermüdet und langsamer wird, wird die ganze Gruppe langsamer“, sagte Magalie Quet, Sprecherin der Gefängnisbehörde, vor dem Start der ersten „Tour de France Pénitentiaire“ in Lille. Der Ruf der Freiheit – in den Etappenorten dürfen die Teilnehmer in Restaurants essen und in Hotels übernachten – verleitete sogar eigentlich unsportliche Gefängnisinsassen dazu, sich auf den Sattel zu setzen. „Ich mag Sport, aber ich habe eigentlich nie welchen betrieben“, sagt Vanessa, eine der wenigen Fahrerinnen. „Das hier ist also eine große Herausforderung für mich.“

Viele Gefängnisse überbelegt

„Wir wollen zeigen, dass Sport ein Erziehungswerkzeug ist“, sagte der Gefängnisdirektor von Loos, Jean-Paul Chapu, der die Idee zu der Tour hatte. Für ein Sicherheitsrisiko hält er die Fahrt nicht. „Wir kennen die Häftlinge alle sehr gut.“ Die Teilnehmer verbüßen Freiheitsstrafen von einer Dauer zwischen fünf und zehn Jahren. Seit Januar haben sie für die Rundfahrt trainiert, außerdem Kurse in Erster Hilfe und Fahrradmechanik belegt. Der jüngste Fahrer ist 17, der älteste 62 Jahre alt. Manch einer erhofft sich einen Strafnachlass. „Wenn wir uns gut benehmen“, sagt Häftling Daniel, „werden wir vielleicht früher auf Bewährung entlassen.“

Die Veranstalter der Tour wollen den Häftlingen Teamarbeit, Selbstvertrauen und den Glauben an harte Arbeit vermitteln. „Wir wollen ihnen zeigen, dass man seine Ziele erreichen und sein Leben ändern kann“, sagt Sylvie Maron von der französischen Gefängnisbehörde. Maron und ihre Mitstreiter wollen mit der Aktion auch Werbung in eigener Sache machen – und wohl gleichzeitig von eigenen Problemen ablenken. 113 der 194 Gefängnisse Frankreichs sind nach einem Bericht des Justizministeriums vom April überbelegt. Dafür wurde Frankreich schon von den Vereinten Nationen und dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte kritisiert.

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