Home
http://www.faz.net/-gus-756ma
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER
50 Plus

Verbrechensverabredung per SMS Eine Verurteilung, zwei Freisprüche

Sie verabredeten sich zu einem Mord per SMS und sagten vor Gericht, alles sei nur ein Rollenspiel gewesen: Dieser Fall endet für zwei Männer mit einem Freispruch. Ein Angeklagter muss ins Gefängnis.

© dpa Vergrößern Ein „Rollenspiel“ mit ernsten Folgen: einer der Angeklagten vor Gericht.

Weil er offenbar die Absicht hatte, zwei Frauen zu vergewaltigen, ist ein Baden-Württemberger am Mittwoch zu drei Jahren und vier Monaten Haft verurteilt worden. Ihm und zwei weiteren Männern war vorgeworfen worden, sich per SMS zu Entführung, Vergewaltigung und Mord verabredet zu haben. Ausgesuchte Opfer waren eine Nachbarin des 41 Jahre alten Mannes und seine Ex-Freundin samt kleiner Tochter. Die zwei Mitangeklagten aus Bayern und Nordrhein-Westfalen wurden von den Vorwürfen freigesprochen, wie der Vorsitzende Richter am Landgericht Ellwangen verkündete.
Beide erhielten aber Bewährungsstrafen für den Besitz von kinderpornografischen Bildern und Videos. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch der Anwalt des Verurteilten wollen das Urteil auf Revision prüfen.

Das Gericht musste in dem heiklen Fall darüber befinden, ob die Männer wirklich ernsthaft einen Mord planten. Die Anklage hatte langjährige Haftstrafen für alle drei Angeklagten gefordert. Die Kammer war aber nur davon überzeugt, dass der 41 Jahre alte Heidenheimer ernsthaft bereit dazu war, seine Ex-Freundin und seine Nachbarin zu vergewaltigen. Alle drei Verteidiger hatten für Freispruch plädiert.

Mehr zum Thema

Es habe ein „ganz drängendes und heftig großes Motiv“ bei dem Heidenheimer gegenüber seiner 31 Jahre alten Ex-Partnerin gegeben, sagte Richter Ilg weiter. Neben niederträchtigen Rachegefühlten spielten auch seine „extrem perversen sexuellen Fantasien“ bezüglich seiner 22 Jahre alten Nachbarin eine wichtige Rolle. Diese tat der aus Sachsen stammende Heidenheimer in nachgewiesenen SMS und bei Bekannten kund, die in dem dreitägigen Prozess ausgesagt hatten.
Die Kammer traute dem 41 Jahre alten Angeklagten allerdings keine Taten über die Vergewaltigung hinaus zu. „Er mag ein sehr schlechter Mensch sein“, sagte Ilg, aber sie könnten nicht sagen, ob er wirklich wie per SMS ausgetauscht, ein Kind missbraucht und Morde begangen hätte.

In dem Prozess hatten alle drei Angeklagten eingeräumt, Bilder und Videos mit kinder- und jugendpornografischen Inhalten besessen zu haben. „Sehr erschreckend“, sagte Richter Ilg, der am Dienstag das Datenmaterial bei der Beweisaufnahme sichten musste, darauf waren Kleinstkinder abgebildet, die sexuell missbraucht wurden. „Sie alle drei sind schon sehr tief gefallen“, sagte Ilg dem Trio. Er riet ihnen zu einer sexualtherapeutischen Behandlung.

Die Männer hatten sich im SMS-Chat eines Privatsenders kennengelernt und perverse sexuelle Fantasien ausgetauscht, bis hin zu Mord- und Vergewaltigungsplänen an zwei Frauen und einem Kleinkind. „Alles nur Rollenspiel“, hatten zwei der Angeklagten im Prozess immer wieder betont. Sie waren alle zuletzt arbeitslos und gaben „Langeweile“ und „Neugier“ als Gründe für ihr Tun an.

Die drei Männer waren Ende Juni verhaftet worden, nachdem ein weiterer Chatter gegen sie Strafanzeige gestellt hatte. Die beiden 54 Jahre alten Männer wurden direkt im Gerichtssaal von ihren Fußfesseln befreit.

Quelle: DPA

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Pistorius-Prozess Kein Mord, aber auch noch nicht das Ende

Der Paralympics-Sportler Oscar Pistorius ist vom Vorwurf des Mordes freigesprochen worden. Sollte er seine Freundin im vergangenen Jahr aber fahrlässig getötet haben, drohen ihm bis zu 15 Jahre Haft. Das endgültige Urteil soll erst am Freitag fallen. Mehr

11.09.2014, 08:53 Uhr | Gesellschaft
Unschuldig verurteilte Halbbrüder frei nach 30 Jahren Haft

Zwei Brüder waren seit 1983 in den USA inhaftiert, wegen Vergewaltigung und Mordes. Zu Unrecht, wie jetzt festgestellt wurde. Ein DNA-Test hatte die Halbbrüder entlastet. Mehr

04.09.2014, 09:26 Uhr | Gesellschaft
Pistorius-Prozess Zäher Brocken

Im Prozess gegen Oscar Pistorius soll am Freitag das Urteil fallen. Richterin Thokozile Masipa schloss in ihrer Urteilsbegründung Vorsatz bei den tödlichen Schüssen aus. Nun wird eine Haftstrafe wegen fahrlässiger Tötung erwartet. Mehr

11.09.2014, 17:27 Uhr | Gesellschaft
Urteilsbegründung auf Freitag vertagt

Die zuständige Richterin hat die Urteilsbegründung im Prozess gegen den südafrikanischen Sprinter Oscar Pistorius auf Freitag vertagt. Vor dem Gerichtsgebäude in Pretoria forderten Demonstranten die Verurteilung des Sportlers. Mehr

12.09.2014, 09:26 Uhr | Gesellschaft
NS-Verbrechen Zu spätes Recht für die Opfer des Terrors

Lange spielte die deutsche Justiz den Tätern der NS-Vernichtungslager in die Hände. Seit wenigen Jahren wird wieder ermittelt. Bisher aber nicht sehr erfolgreich. Mehr

16.09.2014, 07:13 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 19.12.2012, 14:14 Uhr

Rosamunde Pilcher Bloß keine Romantik

Rosamunde Pilcher wird 90, Ulrich Tukur hat Angst vorm Psychiater und Lothar Matthäus führt bald die fünfte Frau vor den Traualtar – der Smalltalk. Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden