19.01.2005 · Wegen akuter Selbstmordgefahr ist der mutmaßliche Mörder des Modezars Rudolph Moshammer in eine Haftanstalt mit psychiatrischer Einrichtung eingewiesen worden. Das hat die Münchner Staatsanwaltschaft mitgeteilt.
Der mutmaßliche Mörder von Modezar Rudolph Moshammer ist wegen Selbstmordgefahr in die Psychiatrie eingeliefert worden. Oberstaatsanwalt Anton Winkler sagte am Mittwoch, der Verdächtige habe mehrfach Selbstmordabsichten geäußert. „Wir nehmen solche Aussagen sehr ernst“, betonte Winkler. Daher sei Herisch A. in die Justizvollzugsanstalt Straubing verlegt worden. Dort gebe es eine psychiatrische Einrichtung, in der der Mann nun betreut werde.
Winkler fügte hinzu, unmittelbar nach der Tat sei der Verdächtige „in Selbstmitleid versunken“. Die Tat selbst habe er nicht bereut. „Als nächster Schritt folgen dann oftmals Selbstmordgedanken“, ergänzte Winkler. Die Münchner Polizei geht zudem Hinweisen nach, denen zufolge Herisch A. und sein Opfer Rudolph Moshammer sich schon länger kannten. „Wir prüfen, ob die beiden öfter sexuelle Kontakte hatten“, bestätigte ein Sprecher der Münchner Staatsanwaltschaft.
Die Freundin des mutmaßlichen Moshammer-Mörders sagte dem Fernsehsender RTL, sie habe ihren Freund mindestens einmal am Münchner Hauptbahnhof auf dem Beifahrersitz eines schwarzen Autos gesehen. Ob sich dabei um das Fahrzeug Moshammers gehandelt hat, prüft die Polizei noch. Bisher hat der 25jährige Iraker, der den Mord mehrfach gestanden hat, stets bestritten, der Stricherszene anzugehören.
Chauffeur der Haupterbe
Moshammers Chauffeur Andreas K. ist Hauptnutznießer des Testaments des Ermordeten. Er wurde offenbar zum Erben und Generalbevollmächtigten gemacht. Das wurde nach Eröffnung des Vermächtnisses des Modemachers bekannt. „Ich habe Vollmacht für sämtliche privaten und öffentlichen Geschäfte“, sagte der 44jährige der „Bild"-Zeitung. Der Fahrer kündigte an, das „Tagwerk“ Moshammers, zu dem unter anderem sein Bekleidungsgeschäft gehört, fortsetzen zu wollen. Wie Moshammers Arzt und Vertrauter Arnulf Borchers sagte, geht er davon aus, daß neben K. auch die Münchner Obdachlosen erben werden. Laut Borchers wird zu der Beerdigung am Samstag auch ein entfernter Vetter des Ermordeten kommen.
Der vor elf Jahren von dem Modemacher angestellte K. will Moshammers Geschäft in der Münchner Maximilianstraße spätestens Anfang kommender Woche wieder eröffnen. Er hatte zuvor bereits Moshammers Schoßhündchen „Daisy“ übernommen. Für das Tier ist nach Angaben des Münchner Amtsgerichts im Nachlaß ebenfalls gesorgt.
Der Tod war ein Tabuthema
Dem Zeitungsbericht zufolge werden in Moshammers Testament neben dem Chauffeur auch gemeinnützige Organisationen bedacht. Moshammer hatte sich stark für Obdachlose eingesetzt, da sein Vater selbst obdachlos war. Der Erbe kündigte an, aus dem Nachlaß eine von Moshammer geplante Obdachlosenunterkunft bauen zu wollen. „Ich werde das Projekt von Rudolph Moshammer, ein Haus für rund 60 Obdachlose in der Münchner Innenstadt, fortführen“, sagte der neue Generalbevollmächtigte der 64jährigen. Über die Höhe des Nachlasses gibt es bislang nur Spekulationen. Es soll sich aber um mehrere Millionen Euro handeln.
Moshammer-Arzt Borchers sagte, er gehe davon aus, daß neben dem Anteil für die Obdachlosen der Chauffeur auch eine Wohnung erben werde. Den tatsächlichen Inhalt des Testaments kenne er aber nicht: „Es gab immer zwei Tabuthemen: Seine nächtlichen Exkursionen und sein Tod.“ Wie Borchers weiter sagte, plane er zusammen mit Chauffeur K. und weiteren Bekannten Moshammers die Beerdigung so, wie der Modemacher es ihrer Auffassung nach gewollt habe.
Die Einladungen an die etwa 400 geladenen Gäste hätten sie nach dem Notizbuch des Verstorbenen verschickt. Überraschend tauchte auch der entfernte Vetter Moshammers auf. „Der hat mich jetzt angerufen“, sagte Borchers. Er gehe davon aus, daß dieser an der Beerdigung teilnehmen werde. Die Polizei hatte zunächst keine Verwandten des alleinstehenden Moshammers ausfindig machen können.