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Verbrechen Italiens oberster Mafia-Pate ist gefaßt

11.04.2006 ·  Vierzig Jahre war er auf der Flucht. Nun ist Bernardo Provenzano, der meistgesuchte Mafioso Italiens, laut Medienberichten auf Sizilien festgenommen worden. Er galt seit 1993 als „Boss der Bosse“.

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Nach mehr als 40 Jahren auf der Flucht ist der oberste Pate der italienischen Mafia gefasst. Bernardo Provenzano, genannt „das Raubtier“, wurde in seiner Heimatregion Corleone auf Sizilien festgenommen, wie die Staatsanwaltschaft am Dienstag mitteilte.

Der heute 73jährige „Boss der Bosse“ der Cosa Nostra sei in einer abgelegenen Hütte nahe einer Schäferei festgenommen worden, berichtete die italienische Nachrichtenagentur Ansa. Provenzano habe keinen Widerstand geleistet und sich gleich zu erkennen gegeben. Da er immer wieder seiner Festnahme entgehen konnte, war vermutet worden, Vertreter von Polizei und Politik hielten ihre schützende Hand über ihn. Die Justiz sprach von einem „außergewöhnlich wichtigen Erfolg“.

Gentests bestätigten seine Identität

Der in Jeans und eine blaue Weste gekleidete Provenzano sei abgemagert gewesen, sein Gesicht habe ausgezehrt gewirkt, berichtete Ansa weiter. Wann genau eine Spezialeinheit der Polizei zuschlug, wurde zunächst nicht bekannt. Laut Ansa wurde der Mafioso bereits Gentests unterzogen, die seine Identität bestätigten. Anschließend sei er an einen geheimen Ort gebracht worden.

Die Festnahme bereite einer Flucht ein Ende, die allzu lange gedauert habe, erklärten der stellvertretende sizilianische Oberstaatsanwalt Giuseppe Pignatone und zwei ranghohe Richter der Region. Der Fahndungserfolg sei Ergebnis einer „diskreten, geduldigen, entschlossenen und professionellen Arbeit“ der Ermittler, die „mehrere Jahre“ gedauert habe.

Narbe im Nacken

Bei ihrer jahrzehntelangen Fahndung nach einem der meistgesuchten Verbrecher des Landes hatte sich die italienische Polizei auf ein Phantombild von Provenanzo gestützt. Es entstand auf Basis von Fotos aus den fünfziger Jahren und einigen wenigen Angaben zur Person. So wußten die Ermittler, daß der 1933 in Corleone geborene Provenzano 1,65 Meter groß ist, etwa 68 Kilogramm wiegt und eine Narbe im Nacken hat. „Er war der mysteriöseste Boss der Cosa Nostra“, schrieben Medien.

Provenzano tauchte 1963 ab und wurde mehrfach in Abwesenheit zu lebenslanger Haft verurteilt. Nach der Verhaftung von Toto Riina im Jahr 1993 wurde er dessen Nachfolger als „Boss der Bosse“. Er soll unter anderem in die tödlichen Anschläge auf die Mafiajäger Giovanni Falcone und Paolo Borsellino im Jahr 1992 verwickelt gewesen sein.

Insider bezeichneten ihn stets als äußerst mißtrauisch und menschenscheu. Er soll auch der Drahtzieher des internationalen Drogenhandels und der Geldwäsche sein. Zahlreiche Legenden ranken sich um den „Capo Mafia“. Unter anderem hieß es im vergangenen Jahr, Provenzano habe sich als Bischof getarnt.

Unterwanderung der Gesellschaft

Wiederholt war über den Tod Provenzanos spekuliert worden, dessen Heimatdorf durch die Filmtrilogie „Der Pate“ von Francis Ford Coppola berühmt wurde. Die Gerüchte verstärkten sich, als Provenzanos Frau und drei Kinder, die zunächst mit ihm gemeinsam untergetaucht waren, 1992 in Corleone wieder ins normale Leben zurückkehrten. Ein Jahr später meldete sich der „Pate“ jedoch in einem Brief an seine Anwälte, die ihn vor Gericht vertraten.

Nach Überzeugung der Ermittler ließ sich der oberste Mafiaboss zudem 2003 zweimal in einem Krankenhaus in Marseille an der Prostata behandeln. Damals soll er sich als sizilianischer Bäcker ausgegeben haben. Provenzano wird als Architekt einer neuen und sehr viel diskreteren Strategie für die Cosa Nostra betrachtet. Unter seiner Leitung soll die Mafia weniger auf Morde und Gewalt als auf eine Unterwanderung der sizilianischen Gesellschaft gesetzt haben.

Quelle: FAZ.NET mit Material von AFP
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