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Verbrechen : 38 internationale Kinderporno-Ringe gesprengt

  • Aktualisiert am

Die Polizei sichert Beweismaterial - hier in einem anderen Fall Bild: dpa/dpaweb

530 Tatverdächtige allein in Deutschland, Ermittlungen in 166 Ländern: Fahndern ist ein großer Schlag gegen die weltweite Kinderpornografie gelungen.

          Bei groß angelegten internationalen Ermittlungen in 166 Ländern hat die Polizei 38 Internet-Kinderporno-Ringe zerschlagen. Das bestätigte der zuständige Oberstaatsanwalt Peter Vogt am Freitag in Magdeburg. Insgesamt wurden laut Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz bei 530 Tatverdächtigen bundesweit 502 Objekte in allen Bundesländern durchsucht. Weltweit seien 26.500 tatverdächtige Internet-User unter anderem auch in den Vereinigten Staaten und Australien von den Ermittlungen betroffen. Die Federführung über die Operation „Marcy“ hatten den Angaben zufolge das Landeskriminalamt Sachsen-Anhalt (LKA) und die Staatsanwaltschaft Halle.

          Bei den Durchsuchungen wurden 745 Computer, mindestens 35.500 CDs, 8.300 Disketten sowie 5.800 Videos beschlagnahmt. An der Aktion waren bundesweit insgesamt 1.500 Beamte von Polizei und Staatsanwaltschaft beteiligt. Das Justizministerium sprach von „teilweise hochgradig pädophilen Tätern“, von denen ein großer Teil bereits einschlägig polizeibekannt sei. Betroffen seien alle gesellschaftlichen Schichten, auch zahlreiche Lehrer, Erzieher, Trainer in Sportvereinen und sogar ein Pfarrer, der in der Jugendarbeit tätig war.

          Durchsuchungen in Bayern und Nordrhein-Westfalen

          In Bayern wird gegen 57 Beschuldigte ermittelt, wie die „Augsburger Allgemeine“ erfahren hat. Dazu gehörten auch Kommunalpolitiker, Polizeibeamte, Lehrer und Mitarbeiter der Jugendarbeit, berichtete die Zeitung. Bis zu 500.000 Dateien, die als kinderpornografisch gelten, seien sichergestellt worden. Die Augsburger Zeitung zitierte Oberstaatsanwalt Vogt, daß die Ermittler zum ersten Mal einen der wichtigsten Betreiber von Internet-Angeboten zur Kooperation überzeugen konnte. Dem Bericht zufolge handelt es sich um Microsoft, die im Internet viele tausend Treffpunkte betreibt.

          Vom Schlag der deutschen Behörden gegen einen international tätigen Kinderporno-Ring ist auch die Schweiz betroffen. Wie ein Sprecher des Bundesamts für Polizei (BAP) am Freitag sagte, sind bisher acht Verfahren in der Schweiz eingeleitet worden. Man gehe davon aus, daß die deutschen Behörden weiteres belastendes Material übermitteln würden. Die Kontakte mit den deutschen Behörden gehen den Angaben zufolge auf den November vergangenen Jahres zurück. Die Informationen seien von der Bundeskriminalpolizei an die zuständigen kantonalen Behörden zur Verfahrenseröffnung weitergeleitet worden. Welche Kantone bisher betroffen sind, wollte das BAP nicht bekannt geben. Man rechne damit, daß es insgesamt zu einigen Dutzend Strafverfahren in der Schweiz kommen könnte, sagte Balmer.

          Ermittlungen für über ein Jahr

          Auslöser der seit einem Jahr andauernden Ermittlungen um die Kinderpornografie war eine Anzeige des Verbands der deutschen Internetwirtschaft von Mai 2002 gegen den aus Magdeburg stammenden Gründer eines geschlossenen kinderpornografischen Zirkels, Marcel K. Im Juli 2002 durchsuchte die Polizei seine Wohnungen in Magdeburg und Schartau (Kreis Jerichower Land) und beschlagnahmte Rechneranlage und zahlreiche CD-ROM. Durch Beschluß des Amtsgerichts Halle-Saalkreis wurde ein internationaler Provider verpflichtet, die vorhandenen Protokolldatensätze der Kinderpornozirkel zu sichern und zu übermitteln.

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