Home
http://www.faz.net/-gus-76ami
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER
50 plus

Verbot von Mädchenbands Drei Sängerinnen in Indien sollen schweigen

Ein Großmufti will reine Mädchen-Rockbands verbieten, weil ihr Verhalten unislamisch sei. Die Musikerinnen sollen „innerhalb der Grenzen des Anstands bleiben“. Die Debatte über die Rolle der Frau in Indien geht weiter.

© dapd Vergrößern Ein Demonstrant setzt sich in Delhi für die Rechte von Frauen ein

Sie nennen sich „Pragaash“. Noma Nazir, Farah Deeba und Aneka Khalid sind drei indische Mädchen, die gerne Rockmusik machen. Der Name der einzigen reinen Mädchengruppe im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir bedeutet so viel wie „aus der Dunkelheit zum Licht“ - Licht, das sie durch ihre Musik den Zuhörern schenken möchten.

Doch nun legt sich ein Schatten darüber. Der oberste muslimische Kleriker im indischen Teil Kaschmirs, Großmufti Bashiruddin Ahmad, hat eine Fatwa verhängt: Mädchen-Rockbands müssten verboten werden, da das Verhalten der Musikerinnen unislamisch sei. „Singen steht nicht im Einklang mit der islamischen Lehre“, sagte Ahmad am Montag in Srinagar. Man könne keine Gesellschaft aufbauen, solange unislamische Dinge getan würden. „Deshalb habe ich diese Mädchen und andere Muslime aufgefordert, innerhalb der Grenzen des Anstands zu bleiben.“

„Eine Handvoll Idioten“

Es wird viel debattiert über die Rolle der Frau in Indien. Die junge Mittelschicht demonstriert für mehr Rechte und den Schutz von Frauen. Auch im Fall von „Pragaash“ gibt es andere Stimmen: Der Ministerpräsident von Jammu und Kaschmir, Omar Abdullah, unterstützt die Band. „Ich hoffe, diese talentierten Mädchen werden sich nicht von einer Handvoll Idioten zum Schweigen bringen lassen.“

Die Nationale Kommission für Frauen hat sich auch auf die Seite der Gruppe gestellt: „Einerseits sagen wir, dass die Geschlechter gleich seien. Andererseits belegen wir Mädchen mit vielen Restriktionen. Das ist falsch“, sagte Mamata Sharma, die Vorsitzende der Kommission.

Die drei Mädchen von „Pragaash“ haben ihre Live-Auftritte abgesagt. „The Hindu“ berichtet, sie wollten vielleicht gar das Singen ganz aufgeben. Es wäre weniger Licht in der indischen Gesellschaft.

Mehr zum Thema

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gruppenvergewaltigung in Bus Indischer Vergewaltiger macht Opfer mitverantwortlich

Die Gruppenvergewaltigung einer Studentin in einem Bus in Neu Delhi wurde zum Symbol für Gewalt gegen Frauen in Indien. Zwei Jahre danach gibt einer der Täter dem Opfer eine Mitschuld: Ein anständiges Mädchen würde nicht abends draußen herumlaufen. Mehr

02.03.2015, 16:04 Uhr | Gesellschaft
Überschwemmungen in Indien Hilfe für die Eingeschlossenen in Kaschmir

Die Räumungsarbeiten im indischen Bundesstaat Jammu und Kaschmir machen Fortschritte. Es ist auch Eile geboten, denn eine Woche nach Beginn der Überschwemmungen sind immer noch rund 150.000 Menschen eingeschlossen. Und zwar nicht nur von Wasser, sondern auch von Schlamm. Mehr

15.09.2014, 11:46 Uhr | Gesellschaft
Einstweilige Verfügung Vergewaltigungs-Doku darf in Indien nicht gezeigt werden

Angeblich gefährdet der Film den Frieden: In Indien darf eine Dokumentation über Vergewaltigungen nicht ausgestrahlt werden. In dem Film gibt einer der Männer, die eine Studentin in einem Bus vergewaltigt und getötet haben, dem Opfer die Schuld. Mehr

04.03.2015, 14:46 Uhr | Gesellschaft
Indien Frauen werden zu Karate-Cops

In der indischen Hauptstadt Neu Delhi lässt sich ein Team von Polizistinnen in Karate ausbilden. Durch den Kampfsport sollen sie Sicherheit gewinnen und diese auch an andere Frauen weitergeben. Mehr

22.02.2015, 10:29 Uhr | Gesellschaft
Schutz der heiligen Kuh In Mumbai gibt es kein Rindfleisch mehr

Schlechte Nachrichten für McDonald’s und Co: Der klassische Burger ist in Mumbai jetzt endgültig verboten. Mehr

04.03.2015, 06:50 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 04.02.2013, 17:55 Uhr

Oscar-Preisträgerin Julianne Moore liebt den Kölner Karneval

Schauspielerin Julianne Moore erinnert sich gerne an ihre Jahre in Deutschland, Prinz William setzt sich in China gegen Wilderei ein, und Madonna möchte sich mit der Chefin des Front National austauschen – der Smalltalk Mehr

Nachrichten in 100 Sekunden
Nachrichten in 100 Sekunden